Fabriken auf Kriegskurs

Die Finanzpakete zur Aufrüstung auf der Ebene der Europäischen Union – 800 Milliarden – und für die Bundesrepublik – unbegrenzt – lassen Konzerne, Banken und Investoren gierig werden. Milliardengeschäfte und staatlich garantierte Gewinne winken. Der Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall hat auf der Bilanzpressekonferenz vorgerechnet, dass Rüstungsinvestitionen in Europa bis 2030 auf fast eine Billion Euro ansteigen dürften. Rheinmetall will davon 300 bis 400 Milliarden abgreifen. Andere Analysten rechnen mit 1,8 Billionen Dollar höheren Rüstungsausgaben. Wie auch immer, bei so viel „positiven“ Aussichten, explodiert nicht nur die Aktie von Rheinmetall. Rheinmetall profitiert aber wie kein anderes Unternehmen in Deutschland von der weltweiten Aufrüstung. Letztes Jahr brachte das 10 Milliarden Umsatz. Der Gewinn stieg um 50% auf 1,3 Milliarden. Der Wert der Aktien hat sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Und das ist erst der Anfang.

Der Rheinmetall-Chef hat trotzdem eine lange Liste an Forderungen: der Staat müsse künftige Aufträge langfristig garantieren. Denn ohne Absatzgarantien wird so ein durch und durch kapitalistisches Unternehmen wie Rheinmetall natürlich nicht investieren. Normal… Und weil alles schnell gehen muss, braucht man schnell neue Werke und „arbeitsbereite“ Arbeiterinnen und Arbeiter.

Deshalb ist Teil der neuen Aufrüstungspolitik, dass die Aufrüstung auch als Rettung von Arbeitsplätzen zuckersüß verkauft wird. Denn Werke von Autozulieferern oder Bahnindustrie – die alle irgendwie „schwächeln“ – lassen sich mit überschaubarem Aufwand in Werke für die Produktion von Schützenpanzern oder anderem umbauen. Die Rüstungsvorstände reden offen darüber und kooperieren längst. Die Gewerkschaftsvorstände leisten dabei ihren Teil der Schützenhilfe. Spezielle Tarifverträge der Gewerkschaft IG Metall und dem Metallarbeitgeberverband ermöglichen „Personalaustausch“.

Rheinmetall, KNDS, Hensoldt und Renk stellen ihre Abläufe bereits um und verhandeln mit Unternehmen aus der „zivilen Produktion“. Rheinmetall will seine eigenen Autozulieferer-Werke in Rüstungswerke umwandeln und kooperiert beim Personal mit dem Autozulieferer Continental.

Conti-Beschäftigte, die von Werksschließungen betroffen sind, etwa am Standort Gifhorn in Niedersachsen, will Rheinmetall in die Produktion eingliedern. Eine ähnliche Kooperation hat Continental mit dem Radarspezialisten Hensoldt geschlossen. Hensoldt tauscht sich auch mit Bosch aus. Kürzlich hat der Bahnbaukonzern Alstom sein Werk in Görlitz – das sonst geschlossen worden wäre – an den deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS abgetreten mit Übernahmegarantie für einen Teil der Belegschaft. Glücklich strahlten bei der Verkündung dieses Deals allerdings nur die anwesenden Vertreter der bundesdeutschen Politik und der beteiligten Konzerne. Der Rheinmetall-Chef träumt auch von der Übernahme der beiden VW-Werke in Dresden und Osnabrück, die auf der Streichliste von VW stehen.

Noch sind diese Umwandlungen und Kooperationen nicht massenhaft. Aber so schnell, wie sich die Aufrüstung entwickelt, kann der Aufbau einer Kriegsindustrie sich schneller entwickeln, als wir uns bisher vorstellen konnten. Die großen Konzerne sind jedenfalls bereit. Wir stehen vor einem „Wirtschaftsaufschwung“ in völlig perverser Form.

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