
Eine Hitzewelle nach der anderen legt sich seit Juni über Europa. Der April war in Deutschland schon zu warm, dann kam der heiße trockene Juni. Letzte Woche war wieder rekordverdächtig: in einigen Städten in Nordrhein-Westfalen kletterte das Thermometer auf über 40 Grad.
In Frankreich und vielen anderen südeuropäischen Ländern gab es schon im Juni Spitzenwerte von über 40 Grad. Spanien, Portugal, Italien hatten Höchstwerte über 45 Grad. Und so geht es weiter. Begleitet sind die diesjährigen Hitzewellen wieder von großen Waldbränden. Der Hitzedom über Israel und Palästina erreichte letzte Woche fast 50 Grad mit nächtlichen Temperaturen über 30 Grad.
Der Klimwandel ist keine bloße Vorstellung und kein Gespinst der „Klimaindustrie“. Er ist messbar. So hat die Erwärmung in Deutschland seit der frühindustriellen Zeit um 2,5 Grad zugenommen. Dieser Ansteig hat nichts mit Klimaschwankungen innerhalb der letzten hunderten Millionen Jahren zu tun. Und dieser Anstieg geht zusammen mit immer extremeren Phänomenen: Dürren, Überschwemmungen, Hitze …Die ärmsten Bevölkerungsgruppen sind diesen Katastrophen am stärksten ausgesetzt, da sie keine oder viel weniger Mittel haben, um ihnen auszuweichen oder sich anzupassen. Das sieht man am krassesten, wenn man den Blick über die Grenzen richtet zum Beispiel Richtung Naher Osten oder Indien und Pakistan… Aber selbst hierzulande sind die zubetonierten Wohnviertel von Hitze viel stärker betroffen, als die locker bebauten, viel teureren Gebiete mit viel Grün. Wer im Schichtdienst arbeiten muss und mit körperlicher Anstrengung ist der Hitze viel stärker ausgesetzt, als die Politiker- und Managementschnösel in klimatisieren Büros. Wieviele Schulen und versiegelte Schulhöfe sind echte Backöfen mit Gesundheitsgefahr? Hitze ist ein Klassenproblem: Die Reichen tragen die Verantwortung, die arbeitenden Klassen sollen die brütende Hitze ausbaden. Die Hitzewellen sind auch ein politisches Problem.
Während 2024 schon das heißeste Jahr war, 2023 das zweitheißeste, und 2025 wieder alle Rekorde brechen könnte, ist das einzige Anliegen der Staats- und Regierungschefs dieser Welt, weiterzumachen wie bisher. Mit der Rückkehr von Trump hat allerdings selbst das „Greenwashing” aufgehört, also die irreführende Werbung, mit der sich Konzerne und Insitutionen ein „grünes“ Image verpassen, aber praktisch das komplette Gegenteil von „grün“ sind. Bundeskanzler Merz ist in Trumps Fußstapfen getreten. Pünktlich vor den Hitzewellen stellt er sich hin und behauptet, dass es überhaupt nichts ändern würde, wenn Deutschland klimaneutral wäre. Deutschland würde nur ganz ganz wenig zum weltweiten Ausstoß an Kohlenstoff beitragen. Was er damit sagt: don’t look up, Ausbeutung und Profite stehen an erster Stelle, der Planet und die Menschheit an letzter. Die deutsche Wirtschaft produziert aber weltweit und lässt überall den Planeten ausbeuten. Ihr Anteil an der Zerstörung des Planeten ist größer, als die kleinen Prozente, die Merz zitiert. Aber vor allem trägt die deutsche Wirtschaft eine historische Verantwortung mit ihrer rasanten Industrialisierung und ihren enormen heutigen technischen Möglichkeiten. Aber die Bundesregierung beteiligt sich wie andere europäische Länder daran, die Menschheit in einen Abgrund zu stürzen. Mitten im europäischen Hitzesommer hat die Bundeswirtschaftsministerin das Ende der Förderung der Solar-Dächer angekündigt. Und die Bundesregierung hatte die CO2-Speicherung (CCS) auf den Weg gebracht. Der Transport von CO2 und dessen Speicherung in der Erde haben sie zum „überragenden öffentlichen Interesse“ erklärt. Eine Einladung an die Industrien, statt in Energieeinsparung, klimaschonende Prozesse und Reduktion des Verbrauchs fossiler Rohstoffe, in CCS zu investieren (bringt sogar neue Profite!) und klimaschädliche Technologien weiter laufen zu lassen oder sogar auszuweiten.
Auch wenn der Klimawandel schon heute Realität ist, ist es nicht „zu spät“ – je früher wirkliche Maßnahmen ergriffen werden, desto geringer werden die Auswirkungen sein. Das Weiterlaufen des Klimawandels muss gestoppt werden. Die Reichen und Konzerne müssen für Klimamaßnahmen und Anpassungsmaßnahmen zahlen. Der nachhaltigste Klimaschutz ist die Abschaffung des Kapitalismus.
Beitragsbild: Intense marine heatwave hits the western Mediterranean Sea (Copernicus 2025-06-25).png via Wikipedia
Zum Weiterlesen:
