(Null-)Tarifrunde bei der Metall- und Elektroindustrie

Der „Strukturwandel“ auf dem Rücken der Beschäftigten

Schon in der Tarifrunde 2020 stand die Sicherung der Arbeitsplätze im Vordergrund, dafür sollte die Lohnerhöhung um ein Jahr verschoben werden. Nach dieser ersten Nullrunde und weiterem Stellenabbau fand die Tarifrunde 2021 unter einem noch stärkeren Druck statt.

Das Ergebnis in diesem Jahr ist wieder keine monatliche Lohnerhöhung. Eine Einmalzahlung pro Jahr soll als Gehaltserhöhung wirken. Diese soll aber ausfallen, wenn das Unternehmen Schwierigkeiten vor-legen kann. Wer arbeitet aber schon in einem Betrieb, der das nicht vorweisen kann?

Eine Nullrunde ist aber noch zu schön gesprochen: der neue Tarifabschluss erlaubt unter dem Vorwand der „Transformation“ eine Arbeitszeitabsenkung ohne Lohnausgleich, also mit Lohnverlust. Solche Vereinbarungen werden immer mehr auf betrieblicher Ebene verhandelt. Somit ist dieser Tarifabschluss ein weiterer Schritt in Richtung Zersplitterung der Belegschaften innerhalb der Branche.

Die Kampfbereitschaft ist da

In Berlin haben vielen Kolleg:innen gestreikt, ohne sich darum zu kümmern, ob die Streikstunden nachgeholt werden müssen oder ob sie einen Lohnabzug hinnehmen müssen. Die Warnstreiks sind jedoch so kurz geblieben, dass sich solche Fragen nicht gestellt haben.

Je mehr die Verhandlungen sich einem Ende näherten, um so zahn-loser wurde auch die IG Metall. Statt zu streiken, sollte man Emails oder Postkarten an den Arbeitsgeberverband schicken … Den von Stellenabbau bedrohten 750 Kolleg:innen von Siemens Energy wurde vorge-schlagen, eine Petition zu unterschreiben … Statt den Druck zu er-höhen, wurden die Mittel zum Kampf der IG Metall immer klein gehalten. Viele Kolleg:innen hatten nicht mal das Glück, zum Streik aufgerufen zu werden.

Wie federnd das Metall ist…

Trotz des Ergebnisses fühlen sich die Metaller:innen nicht geschlagen. Ein echtes Gefecht gegen die Unternehmen war es sowieso nicht.

Der Tarifvertrag ist so undurch-sichtig, dass die Mehrheit nicht verstanden hat, ob der Tarifvertrag besser oder schlechter ist als üblich. Die IG Metall hat wie immer die Kolleg:innen von der Organisierung des Streiks ferngehalten.

Bei Osram-Berlin zum Beispiel wurden die Chefs früher über den kommenden Warnstreik informiert, als die Kolleg:innen selbst. Infolge dieser Politik treten über jede Tarifrunde hinweg immer mehr Beschäftigte aus der Gewerkschaft aus. Wann und bei welcher Gelegenheit die Metaller:innen die Initiative ergreifen werden, lässt sich nicht vorhersagen.

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