Wien: „Gudi bleibt“: Arbeitskampf in einem Notquartier für Wohnungslose

Arbeitskämpfe haben derzeit eine ziemliche Flaute. Umso spannender ist der gewerkschaftliche und politische Kampf der Belegschaft eines Notquartiers gegen die Stadt Wien. Wir berichten von der Auseinandersetzung.

Die Vorgeschichte: In der Gudrunstraße in Wien Favoriten gibt es ein Notquartier (NQ) für wohnungslose Männer im Rahmen des „Winter-pakets“, das NQ Gudi. Diese werden nur in der kalten Jahreszeit zur Verfügung gestellt und von April bis Oktober geschlossen. Schon seit Jahren organisieren sich Beschäftigte dieser Schlafstellen als „Initiative Sommerpaket“ für die ganzjährige Versorgung, weil es sich auch jenseits des Winters nicht gut auf der Straße schläft. Außerdem setzen sich die Kolleg:innen gegen die Befristung ihrer Arbeitsverträge ein.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie werden wie 2020 die vom stadt-eigenen Fonds Soziales Wien finanzierten NQ über den Sommer verlängert. Genau jenes Quartier in der Gudrunstraße, in der Aktivist:innen der Initiative Sommerpaket arbeiten, ist davon ausgenommen und wird ersatzlos geschlossen. 70 Betten und 31 (befristete) Arbeitsplätze gehen dadurch verloren.

Während der Pandemie machen sich in der Wohnungslosenhilfe Ressourcenknappheit und Platzmangel nochmal stärker bemerkbar. Im Jänner 2021 spitzte sich die Lage zu: Innerhalb von 2 Wochen wurden 25 Nächtiger und 5 Angestellte positiv getestet.

Die speziell eingerichteten Quarantänequartiere waren voll, also mussten sie sich in der Gudi absondern, was aus Platzknappheit schier unmöglich ist. Die Mitarbeiter:innen hatten davor regelmäßig den Arbeitgeber darauf aufmerksam gemacht, dass Corona-Sicherheitsmaß-nahmen nicht eingehalten werden können und das Quartier saniert werden muss.

Daraufhin wurden 20 Betten ersatzlos gestrichen und ein Teil der Nächtiger kam in anderen NQ unter. Jetzt wird das Sanierungsbedürfnis als Argument für die Schließung verwendet.

Nach Bekanntwerden der Schließung des NQ organisierte der Betriebsrat des Arbeiter-Samariterbunds (der Arbeitgeber der Basismitarbeiter:innen in der Gudi) eine Betriebsversammlung, auf der mehrheitlich für einen Warnstreik gestimmt wurde, der öffentlich abgehalten wurde. Dort sowie bei einer Demonstration mit hunderten Menschen, solidarisierten sich Kolleg:innen aus dem Sozialbereich und aus anderen NQ, Nächtiger:innen und Linke Gruppen – nicht jedoch die zuständige Fachgewerkschaft. Bei anderen Sozialeinrichtungen gab es Soli-Aktionen. Transpis wie „Gudi bleibt“ wurden an Fenstern angebracht.

Auf der einen Seite des Konflikts stehen die Kolleg:innen und Nächtiger:innen, die von Betriebsrat und radikaler Linke unterstützt werden, auf der anderen Seite die Sozialdemokratie in Form von Arbeit- und Fördergeber. Im Roten Wien nichts Ungewöhnliches …

 Anmerkung der Red.: Mittlerweile wurde die Notschlafstelle geschossen.

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