Kampf gegen die Schließung bei MAN

Dem MAN Lkw-Werk im oberösterreichischen Steyr droht trotz Standortgarantie die Schließung – in der gesamten Region sind etliche tausende Arbeitsplätze bedroht. Anfang April hatte die Belegschaft der Übernahme des Werks durch einen Investor, die mit massiven Einschnitten einhergegangen wäre, abgelehnt. Wie es weiter geht ist derzeit völlig offen.

Im Windschatten der Corona-Krise haben auch in Österreich etliche Unternehmen die Schließung von Standorten bzw. den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt oder bereits durchgezogen (wir haben in Aurora Nr. 12 berichtet). Das MAN-Werk in Steyr erfährt derzeit besondere Aufmerksamkeit, aufgrund seiner Größe (in Österreich gibt es wenig große Industriestandorte, Klein- und Mittelbetriebe dominieren) und seiner langen Tradition.

Profite und Erpressung

Erst Anfang 2020 hatte MAN eine Standortgarantie bis 2030 unterschrieben. Die Belegschaft musste dafür Verschlechterungen bei Überstundenzuschlägen und Pausen sowie eine Steigerung des Arbeitstempos hinnehmen. Das Werk in Steyr schrieb immer Profite (ausgenommen im Frühjahr 2020), die bei der Münchner Konzern-mutter Traton landeten. Deren Vorstände erhielten 11 Millionen Euro, im September 2020 wurde 500 Millionen Euro Dividende an die Aktionär:innen ausgeschüttet. Dennoch kassierte MAN Corona-Staatshilfen und Kurzarbeitsgeld sowie Förderungen für E-Mobilität in zweistelliger Millionenhöhe.

Hinter MAN und Traton steht die Volkswagen AG, die mehrheitlich der 37 Milliarden schweren Familie Porsche-Piech gehört. An Profiten und finanziellen Mitteln mangelt es hier also keineswegs.

Die Standortgarantie wurde im September aufgekündigt, im gesamten Konzern sollten weltweit mehr als ein Drittel der 36.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Es folgte eine Betriebsversammlung inklusive Protestkundgebung mit rund 4.000 Menschen – seitdem verfügt die Belegschaft auch über einen aufrechten Streikbeschluss.

Ende März wurde der „Zukunftsplan“ des Investors Sigfried Wolf, ehe-maliger Manager des Automobil-zulieferers Magna, Aufsichtsrat bei der VW-Tochter Porsche und Unterstützer von Sebastian Kurz, vorgestellt: knapp die Hälfte der 2.300 Beschäftigten in Steyr verliert ihren Job, das Nettoeinkommen der Verbliebenen sinkt um 15% und es kommt zu arbeitsrechtliche Verschlechterungen.

Am 7. April stimmte die Belegschaft in einer „Friss oder stirb“-Wahl darüber ab, ob sie der Übernahme durch Wolf zustimmt oder die Schließung des Werks Ende 2023 in Kauf nimmt. Bei 94% Beteiligung sprachen sich knapp zwei Drittel gegen die Übernahme aus.

Ausgemachte Sache?

Für Wolf und MAN schien die Sache offenbar schon ausgemacht, die Abstimmung nur Formsache. Für MAN wäre die Übernahme ein eleganter Weg gewesen, aus dem Standortsicherungsvertrag raus zu kommen. Denn ob der Konzern die Standortgarantie bis 2030 so einfach auflösen kann ist rechtlich unklar, ein Rechtsstreit vor Gericht dauert vermutlich Jahre. MAN gibt nun weiterhin an, mit keinem anderen Investor verhandeln zu wollen, obwohl solche bereits mehrfach ihr Interesse angemeldet hatten – somit bleibe nur die Schließung des Werks.

Nachdem dieser Erpressungsversuch erstmal fehlgeschlagen ist, häufen sich nun die Stimmen aus Wirtschaft und Politik, die sich für eine „Lösung“ für das Werk in Steyr aussprechen.

Für die traditionell industriell geprägte Region rund um Steyr wäre eine Schließung eine Katastrophe, gesamt könnten über 8.000 Arbeitsplätze verloren gehen und das BIP um eine Milliarde Euro sinken.

Klima- und Strukturwandel

Das MAN-Werk steht sinnbildlich für einen Strukturwandel der Autobranche hin zur Elektromobilität. Autos und LKW mit Verbrennungsmotoren werden gegenüber alternativen Antrieben und „grünen“ Technologien zunehmend an Bedeutung einbüßen. Das wird auch die in Österreich wichtige Autoindustrie (haupt-sächlich Zulieferer) mehr und mehr treffen – 80.000 Beschäftigte sorgen dort jährlich für 20 Milliarden Umsatz, gesamt hängen mindestens 200.000 Arbeitsplätze dran.

Auch für das steyrische MAN-Werk kommen nun Ideen für eine sozial-ökologische Transformation auf: der Standort soll erhalten bleiben und zukünftig LKW mit elektrischem Antrieb und/oder andere „grüne“ Technologien produzieren. So fordert etwa die SPÖ eine Staatsbeteiligung inklusive einer Umstellung der Produktion (etwa auf Elektro-Klein-LKW).

In einer Studie wurden die Arbeiter:innen des Werks direkt befragt: sie sind für eine Umstellung der Produktion offen und halten diese auch für machbar.

Sozial und ökologisch – statt Profite!

Eine wirkliche Perspektive kann letztlich nur im Erhalt aller Arbeitsplätze und der Umstellung der Produktion liegen. Eine in beiden Punkten wirklich nachhaltige Lösung wird jedoch nicht von oben, durch Politiker:innen und Investor:innen, kommen. Das Standortgarantien und ähnliche Zusagen durch das Kapital nur leere Versprechen sind, ist gerade in Steyr deutlich geworden. Das Profitinteresse wird zu weiteren Angriffen auf die Arbeitenden führen. Nicht anders verhält es sich mit der profitorientierten Umstellung auf „grüne“ Technologien: dabei wird nicht produziert, was wir tatsächlich im Kampf gegen die Klimakrise brauchen, sondern was sich am Markt verkaufen lässt.

Unter gegebenen Umständen besteht die Gefahr, dass gerade jene Auto-konzerne, die Jahrzehnte Profit mit Klimazerstörung gemacht haben, in Form von „grünen“ Förderungen Milliarden an Steuergeld hinterher geschmissen bekommen – damit sie weiter Profite schreiben und Arbeitende weiter ihre Jobs verlieren.

Eine wirkliche sozial-ökologische Transformation kann es nur geben, wenn wir die Produktions-verhältnisse radikal ändern – erst wenn das Kapital nicht mehr das Sagen hat, können wir die Produk-tion an menschlichen und ökologischen Bedürfnissen gleichzeitig ausrichten.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre, wenn die Arbeitenden in Steyr mit kämpferischen Aktionen und Streiks beginnen das Kräfteverhältnis zugunsten der Arbeiter:innenklasse zu verschieben.

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