Der 1. Mai – Die Geschichte des internationalen Kampftages der Arbeiter:innenklasse

 Seit 1889 begehen Arbeiter:innen überall auf der Welt den 1. Mai als ihren Tag. Aber was ist heute davon geblieben: Erholungstag, rote Fähnchen schwingen und Nelken verteilen oder ist und bleibt der 1. Mai der Kampftag der Arbeiter:innenklasse?

 Wie alles begann…

Ende des 19. Jahrhunderts spitzen sich die Kämpfe der Arbeiter:innen um Verbesserung der Arbeitsbedingungen immer weiter zu, die Rufe nach einer sozialistischen Gesellschaft wurden lauter.

1884 beschloss der Kongress der „American Federation of Labor“ den Kampf um den Achtstundentag. Unter dem Slogan „Eight hours for work, eight hours for rest, and eight hours for what you will”1 streikten am 1. Mai 1886 Zehntausende. In den Folgetagen legten Hunderttausende in den USA die Arbeit nieder. Einige konnten den Achtstundentag durchsetzen. Jedoch wurden diese Erfolge von den blutigen Ereignissen in Chicago überschattet. Die Kundgebung am Haymarket wurde durch die Polizei massiv angegriffen. Plötzlich explodierte eine Bombe und tötete sieben Polizisten.

Vier Anarchisten wurden, obwohl ihnen keine Beteiligung am Anschlag nachgewiesen werden konnte, zum Tode verurteilt! Auf der ganzen Welt kam es zu Solidaritätsprotesten. Der Gründungskongress der sozialistischen „Zweiten Internationale“ beschloss 1889 den Tag jährlich als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ zu begehen. Das war die Geburt des „Ersten Mai“.

Die durchwachsene Entwicklung in Deutschland und Österreich

Schon 1890 schwappte die Maibewegung auch in den deutschen Sprachraum. Trotz Verboten beteiligten sich im Deutschen Reich und der Habsburgermonarchie hunderttausende Arbeiter:innen an Streiks und „Maispaziergängen“. Die weitere Geschichte des Tages ist geprägt von Höhen und sehr dunklen Tiefen. Verboten und als „Tag der nationalen Arbeit“ missbraucht unter dem Austro- und Hitlerfaschismus, nach 1945 als Heerschau der sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften oder im Ostblock der stalinistischen Staatsmacht eingesetzt, verkam der Erste Mai nach 1990 fast völlig zur Kultur-, Konsum- und Medienveranstaltung, zum reinen Erholungstag oder „Volksfest“.

Heute: Take back 1. Mai!

Auch wenn der Tag für den Großteil der Arbeiter:innen nicht mehr die Bedeutung früherer Tage hat, müssen wir uns unseren Maitag zurückerobern. Am 1. Mai 2006 streikten landesweit „illegale“ Arbeiter:innen in den USA, letztes Jahr gab es dort Aktionen bei Amazon, FedEx und anderen in der Pandemie stark betroffenen Bereichen.

Auch in Europa nutzen jenseits der „offiziellen“ Feiern vor allem prekarisierte Arbeiter:innen den „Mayday“ um auf ihre Lebensbedingungen hinzuweisen. Denn wir Arbeiter:innen haben eine Welt zu gewinnen. Daher heißt es für uns auch weiter: „Heraus zum 1. Mai, heraus zum inter-nationalen Kampftag der Arbeiter:innenklasse!“

1 „Acht Sunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden für alles, was du willst“

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