Film: Die Stimme von Hind Rajab

Als die Regisseurin Kaouther Ben Hania im Dezember 2024 die Stimme von Hind Rajab in den Medien hörte, entschied sie schnell einen Film zu machen: Jenen Film, der uns jetzt in den Kinos geboten wird. Die Stimme eines Mädchens, das in Gaza stundenlang auf ihre Rettung wartet, war vom Rettungsteam des Roten Halbmonds (vergleichbar mit dem Roten Kreuz hier) aufgenommen und der Regisseurin, auf ihre Anfrage hin, zur Verfügung gestellt worden.

In diesen immer wieder unterbrochenen Telefonaten (die von einem Onkel in Deutschland ermöglicht wurden) ruft das Mädchen nach Hilfe und erzählt nach und, was sie im geschlossenen Raum des Autos umgibt: die Körper von sechs Mitgliedern ihrer Familie, die kurz zuvor von der israelischen Armee erschossen worden waren. Dem 5-jährigen Kind ist klar, dass man auf sie geschossen hat und dass man es weiter machen wird. Als sie verletzt wird, sagt sie am Telefon schlichtweg, sie werde sterben.

Die Aufnahmen, die den unbearbeiteten Rohstoff des Films darstellen, sind in Sequenzen zusammengestellt. Die Wörter des Mädchens an das Rettungsteam machen den Film extrem berührend. Dieser originale Teil der Tonspur bildet die dokumentarische Seite des Films.

Der Film ist nämlich eine Doku-Fiktion. Was uns auf der Leinwand gezeigt wird, ist auch die Reaktion der Mitarbeitenden des Roten Halbmondes, die von Schauspieler:innen gespielt werden. Die Interaktion, die sich während der aufeinanderfolgenden Telefonate entspannt, entwickelt sich während des langen Wartens auf Rettungskräfte. Bis endlich grünes Licht gegeben wird…

Der Film endet mit einem Foto der zwei eingesetzten Mitarbeiter des roten Halbmonds, einfache Rettungskräfte, die neben ihrem Fahrzeug posieren, und die trotz der Vorsorge ihres Chefs, bei der Rettungsaktion ihr Leben verloren haben.

Was auch heutzutage hinter den Wörtern „Einsatz“ oder „Operation“ des israelischen Militärs in Gaza steckt, ist nicht “besser“ als das, was im Film gezeigt wird: eine Fortsetzung des Massakers an den Palästinenser:innen, das seit 2023 mindestens 70.000 Opfer verursacht hat, davon – laut der französischen Zeitung Le Monde – 20.000 Kinder. Die Qual von Hind Rajab ist also nur ein Beispiel davon, was tausende anonymer Kinder in Gaza wie in der Westbank weiterhin erleben.

Alle diejenigen, die noch an der Grausamkeit der israelischen Armee zweifeln, all jene, die nicht glauben wollen, wie sie tückisch auf einen Krankenwagen schießen können, werden von dem Film eines Besseren belehrt.

Die Schönheit des Films besteht unter anderem darin, dass die Regisseurin den Film so gestaltet hat, dass kaum bildliche Gewalt gezeigt wird, ohne dass die Botschaft dabei verloren geht. Die FSK hat den Film ab 12 Jahren freigegeben.

Kinofilm, 96 Minuten, auf arabisch mit englischen (OmeU) oder deutschen (OmdU) Untertiteln.

Official Website https://www.thevoiceofhindrajabfilm.com/home/

Beitragsbild: https://www.moviepilot.de/movies/die-stimme-von-hind-rajab/bilder/1056428

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