
Mo ist Palästinenser und lebt mit seiner Mutter, seinem Bruder und seiner Schwester in Houston. Als Kind hatte er mit seiner Familie erst nach Kuweit und dann in die USA flüchten müssen. Der Asylantrag der Familie läuft allerdings schon seit 22 Jahren, das heißt: keine Staatsbürgerschaft, kein Pass und keine Arbeitserlaubnis.
Aber dafür hat Mo jede Menge gute Freunde, seine palästinensische Familie, seine mexikanische Freundin Maria (Inhaberin einer Autowerkstatt) und viel Stolz auf seine palästinensischen Wurzeln. Und Überlebenswillen. Braucht er auch angesichts des völlig entmenschlichten Einwanderungssystems in den USA. Aber immer, wenn es mal wieder zu übel wird (das ist ständig), sorgt das Drehbuch für genau den Humor, den es braucht, um nicht in schwerfällige Dramatik zu verfallen.
Der palästinensische Stand-up Artist Mohammed Mustafa Amer, der selbst die Figur des Mo spielt, hat sich für diese Sitcom von seiner eigenen fast 20-jährigen Geschichte inspirieren lassen, in der er um einen legalen Flüchtlingsstatus gekämpft hat.
Die erste Staffel beginnt damit, wie Mo seinen Job im Handyladen verliert, weil die Einwanderungsbehörde ICE mal wieder Razzia auf Migrant:innen macht und sein Boss kalte Füße bekommt. Er versucht sich mit dem Verkauf von Kopien von Gucci-Taschen und anderem Kram über Wasser zu halten. Dann wird er angeschossen, während er in einem Supermarkt mit einer Verkäuferin über palästinensisches Olivenöl palavert (das Beste!) und Katzenfutter kauft. Aber als „illegaler“ Migrant hat er keine Krankenversicherung … Mo nutzt Humor, um mit den gefährlichen und ungerechten Umständen fertig zu werden, mit denen er ständig konfrontiert ist, weil er illegale Jobs annehmen muss und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hat. Humor ist auch nötig angesichts der Geschichte des palästinensischen Volkes, die in der Geschichte von Mo’s Familie auf verschiedene Weise nach und nach an die Oberfläche drängt.
Anfang diesen Jahres kam die zweite Staffel raus. Die Fortsetzung beginnt damit, dass Mo sich in Mexiko durchschlagen muss, nachdem er gegen seinen Willen in einem Laster über die Grenze zwischen den USA und Mexiko verfrachtet wurde. Eigentlich wollte er nur die geklauten Olivenbäume retten, die die wirtschaftliche Grundlage sind für das inzwischen erfolgreiche Olivenöl-Geschäft der Mutter der Marke: „1947“. Ohne Pass kann Mo aber nicht in die USA zurück. Er ist gezwungen, sich mit kleinen Jobs durchzuschlagen, unter anderem mit dem Verkauf der von ihm kreierten Falafel Tacos. Als der letzte Versuch einer legalen Rückkehr in die USA daran scheitert, dass Mo nicht die Klappe halten kann, als der Botschafter die Besatzung Palästinas durch Israel nicht als das bezeichnen wollte, was es ist, sondern als „Konflikt“, bleibt nur die Möglichkeit illegaler Überquerung der us-amerikanischen Grenze. Denn nach 22 Jahren soll endlich der Gerichtstermin über den Asylantrag stattfinden! Staffel 2 endet mit dem bewegenden Besuch von Mo’s Familie im Westjordanland. Die Apartheid des israelischen Staates zeigt die Serie genauso wie die Gewalt der Siedler. Mo’s ewige Alpträume, in denen es um „den Schlüssel“ geht, erfahren die Auflösung des Rätsels. Wieder schaffen es die Produzenten, mit viel Humor, die gefährlichen und ungerechten Situationen aufzulösen. Die Serie endet exakt am 6. Oktober 2023.
Mos Geschichte ähnelt der von mindestens 11 Millionen Menschen, die ohne Papiere und Rechte in den USA leben. Die Serie ist voller Anspielungen und Geschichten, die ein Bild über deren schwierige Lage geben. Mo’s Geschichte ist aber auch eine des palästinensischen Volkes. In dieser Serie erfahren wir, was die mit der Schaffung des Staates Israel verbundene Vertreibung und Besatzung Palästinas für Millionen Menschen bedeuten. Wer beide Staffeln zu Ende schaut, wird auch einiges gelernt haben über gutes Olivenöl, Hummus, Falafel und anderes gutes Essen, über den Reichtum an Kultur und Musik.
Sabine Müller, Berlin
