Der Zugfunke vom 23. Januar 2026

Zugunglück in Spanien löst Streik aus
Als am Sonntag in Andalusion ein Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Trenitalia entgleiste und in einen entgegenkommenden Regionalzug krachte, starben 45 Menschen. Dann am Dienstag krachte ein Regionalzug in eine eingestürzte Mauer. Der junge Lokführer starb. Die Lokführergewerkschaft ruft daher zu einem dreitägigen Streik für Februar auf. SEMAF hatte das Bahninfrastrukturunternehmen Adif schon im August letzten Jahres vor schwerwiegenden Verschleißerscheinungen an den Gleisen gewarnt.
Arbeitet etwa InfraGO auch schon in Spanien….?
Das Bahnsystem ist europäisiert, die Effizienz- und Sparprogramme auch. Man fühlt sich an die Affäre mit den Betonschwellen oder Eschede erinnert.

Nach dem tagelangen Stromausfall bleiben Fragen
„Linke“ einer Vulkan-Gruppe sollen es gewesen sein. Allerdings bleibt der Vulkan ein Rätsel für die Polizei. Man spekulierte nach dem Kabelklau in Gesundbrunnen über eine dritte Vulkan-Gruppe bis die Bundespolizei Entwarnung gab: das war Vandalismus. Aber wer weiß, vielleicht steckt hinter dem Vulkan-Bekennerschreiben ChatGPT? So oder so, ein Anschlag auf das Stromnetz ist ein Scheiß und hat nichts mit Kampf gegen die Herrschenden zu tun. So ein Drangsalieren der Bevölkerung ist unverschämt. Unsere Infrastruktur ist schon in schlechtem Zustand genug. Stellwerke nicht besetzt, Bauarbeiten dauern, manchmal ohne dass es wenigstens einen ausgedünnten Zugverkehr gibt, durch Fahrzeugmangel sind wir oft nur mit einem Zug unterwegs statt Doppeltraktion… Für die Bevölkerung ist es echt schon schwer genug.

Falsche Fährte nach dem Stromausfall
Aber wenn sich der Bürgermeister, Bundespolizei und bestimmte Medien jetzt darauf versteifen, dass die linke Szene mehr überwacht werden müsste und alles was links ist, einschließlich Klimaaktivisten und Antifaschist:innen verfolgt werden sollen, dann hat das nichts mit Schutz der Bevölkerung zu tun. Dann geht es darum, ein Feindbild zu schaffen in einer Zeit, wo alles Soziale und Solidarische unter Beschuss ist. Und damit wir nicht hinterfragen, warum bei Daseinsvorsorge und wichtiger Infrastruktur gespart wird. Wie kann es sein, dass ein kleiner Bereich des Stromnetzes ausfällt und es gibt für Zehntausende tagelang keinen Strom? Sollten nicht wichtige Systeme redundant ausgebaut sein? Ist das beim Stromnetz wie bei uns, wo man Gleise und Weichen mit so viel Elan abgebaut hat bis das System zusammenbricht, wenn mal eine Mutter fehlt?

Eine Ära der Milliardäre
Laut Nichtregierungsorganisation Oxfam besitzen die Superreichen nicht nur 18,3 Billionen Dollar. Sie steuern Konzerne und beeinflussen die Regierungen, die nie gegen die Interessen der Großkonzerne handeln. Bei der Zahl der Milliardäre liegt Deutschland auf Platz 4 in der Welt. Ein deutscher Milliardär verdiente in weniger als 1,5 Stunden soviel wie ein Durchschnittsmalocher im ganzen Jahr. Das Vermögen der deutschen Milliardär:innen stieg 2025 auf 840,2 Milliarden Dollar. 75% haben ihr Vermögen… geerbt.

Freisprüche, aber keine Gerechtigkeit
Die beiden wegen des tödlichen Unfalls in Garmisch-Partenkirchen 2022 angeklagten Bahner wurden freigesprochen: ein Streckenverantwortlicher und ein Fahrdienstleiter. Vor Gericht hatte unter anderem eine junge Bezirksleiterin ausgesagt, dass immer wieder Maßnahmen an den Strecken verzögert wurden. Der Richter wies in seiner Urteilsbegründung darauf hin, dass es bei der Bahn „Strukturelemente in diesem System gibt, die uns unverständlich geblieben sind.“ Beispielsweise könne er nicht verstehen, warum Funksprüche nicht digital weitergegeben werden. Auch die Schilderungen der knappen Budgets seien eindrücklich gewesen. „Spätestens Mitte des Jahres war der Budgettopf leer.“
„Clan-Verbrechen“ werden nicht in Neukölln begangen, sondern sicher auch im DB Tower in Frankfurt.

Eskalationsstufe 2: Berlin hat Frost und Schnee!
Hatten wir schon lange nicht mehr? Überraschung. Mutig kämpft man sich durch die Kehranlagen. Fahrgäste besuchen die Notaufnahmen. Früher gab es Aufsichten, die die Erstberäumung gemacht haben. Heute gibt es die „Wintermappe“ mit copy-paste-Anweisungen und dezentrale Schnee- und Eistruppen von Station und Service, die auch nur Sklaven der Dienstleister sind mit dem „besten Preis-Leistungs-Verhältnis“. Der Klimawandel kommt nicht so gradlinig wie von den Halbleitern geplant. Aber Wachstum der Gräser und Bäume haben wir ganz sicher und Grünschnitt braucht es auch.

Verhandlungsroutinen-Blabla oder Arbeitskampf?
Die Tarifverhandlungen der GDL mit der DB und den anderen Bahnunternehmen laufen mit soviel positivem Spirit, dass man sich Sorgen machen muss. Im zweiten Treffen diese Woche hat die DB zwar kein Angebot vorgelegt, aber es sind schon 12 weitere Tage bis Ende Februar geplant. Die DB erwartet dann ohne Streiks einen Abschluss. Immer mit der Ruhe, das ist routiniertes Verzögern der DB. Allerdings sind die Verlautbarungen aus der GDLFührungsetage nicht gerade verständlich. Wer versteht die Sache mit dem Rentenpunkt und der Inflation? Jedenfalls sind die Löhne viel zu niedrig, sogar niedriger als der deutsche Durchschnittslohn. Die Forderung von 3,8% mehr Lohnerhöhung für alle, eine achte Entgeltstufe und einiges weitere sind natürlich berechtigt. Nächste Verhandlung ist am 28. Januar.
Idee: In diesen Wochen streiken Kita- und Krankenhausbeschäftigte, Lehrer und andere aus dem Öffentlichen Dienst. Sie haben Buttons gemacht, Plakate gemalt und sich für die Streikdemonstrationen verabredet.

Grüße aus dem Tower
Gerade am Ende des Jahres gab es ja wieder Mails, wie herausfordernd doch das Jahr war (wie immer) und dass man sich bedankt für die tolle Zusammenarbeit und dass wir ein tolles Team sind. Naja, andere kriegen Boni, wir ne Mail. Manche Kollegen sollen eine Pishing-Meldung gemacht haben. Nicht nice :-))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert