Vier Bücher für den Sommerurlaub

Oly Nymoen: Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde, 2025

In einer Zeit, in der Politiker:innen und Wirtschaftsvertreter:innen die Weichen auf Aufrüstung und Krieg gestellt haben und selbst der alte „Punker“ Campino einen auf Verteidigung des Vaterlandes macht, ist dieses Buch ein Segen. In mehreren Kapiteln nimmt es die Argumente der herrschenden   Politik auseinander: warum die Interessen des Staates und der Bevölkerung nicht dieselben sind. Warum die Behauptung von der Verteidigung der Demokratie eine Lüge ist. Wer sich ein paar gute und nicht altbacken schwerfällige Argumente abholen will, wird an diesem Buch ihren Spaß haben. Allerdings bietet Nymoen keine Erklärung, warum Staaten immer wieder Krieg führen und er hat auch keine Lösung. Da ist er ehrlich. Das könnte aber daran liegen, dass er Lenin und die marxistische Imperialismustheorie zwar hart in die Kritik nimmt, aber nicht verstanden hat. Aber kann ja noch werden.

Behzad Karim Khani: Als wir Schwäne waren, 2024

Sehr zu empfehlen, vor allem wegen der Sprache. Sie ist klar benennend und täuscht über nichts hinweg, aber gleichzeitig ist sie sehr poetisch. Das Buch berührt sehr, obwohl es inhaltlich hart ist. Ein Junge in den 1990ern lebt mit seiner Familie, die aus Iran geflohen ist, in NRW. Es geht um Gewalt, Armut und Ausgrenzung. Ein wichtiges Buch für alle, die das Land, in dem wir leben, aus der Perspektive von Menschen sehen wollen, die aus anderen Ländern hierher gekommen sind. Ein bereicherndes und erkenntnisreiches Buch, das man in wenigen Tagen durchlesen kann und möchte.

Klaus Kordon: Die roten Matrosen, 1984

Kordon erzählt die Geschichte der Novemberrevolution in Deutschland aus der Perspektive des Schülers Helle, der im Berliner Wedding lebt. Diese Revolution ist ein Beispiel, wie die Soldaten und Arbeiter:innen damals den ersten imperialistischen Krieg beendet haben, und wie wir generell Kriege mit der Revolution beenden wollen. Unsere Antwort auf die Militarisierung ist: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“, wie damals Liebknecht zu Beginn des Ersten Weltkrieges erklärte. „Die roten Matrosen“ ist das erste Buch einer Trilogie, in der die Familiengeschichte von Helle während des Siegs des Faschismus und am Ende des Zweiten Weltkriegs weitergesponnen wird.

Daniel Speck: Jaffa Road, 2022

Eine verworrene Familiengeschichte, ein Mittelmeer-Roman und eine großartige nicht    enden wollende Geschichtsstunde: in diesem Buch gibt es alles. Das empörende Schicksal der Juden und Jüdinnen in Europa, auch noch nach dem 2. Weltkrieg, die Hoffnungen jüdischer Familien mit der Gründung des Staates Israel 1948, die gewaltvolle Vertreibung der palästinensischen Familien, ihr Widerstand und ihre Selbstbehauptung, die Kriege Israels direkt verbunden mit dessen Geburt… Speck lässt uns alles hautnah fühlen aus der Perspektive verschiedener Personen, deren Verbindungen untereinander sich nur langsam offenbaren. „Jaffa Road“ ist die Fortsetzung von „Piccolo Sicilia“, aber es ist doch eine eigenständige Geschichte. Die Bücher handeln historisch politisch sehr viel ab und lassen einen dabei gedanklich verreisen. Man hört die lauten Märkte, sieht die warmen Farben, schmeckt und riecht das Essen, man fühlt Durst und Hunger, den Schmerz und die Kraft. Das Geschehen liegt größtenteils länger zurück und auf der anderen Seite des Mittelmeeres, es lässt dadurch Distanz und schafft gleichzeitig viel Raum für internationalistisches Verständnis.

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