
Ihr braucht noch Geschenktipps? Ihr wollt die Weihnachtsferien zum Lesen nutzen, aber wisst nicht, was? Dann schaut mal, was die RSO gerade liest:
Leslie Feinberg: Stone Butch Blues (Verlag Krug & Schadenberg, 1993)
Ein Buch über eine maskuline Transperson aus den USA. Die Geschichte spielt in den 1970ern und hat autobiographischen Charakter der Erfahrungen des Autors. Das ist ziemlich heftig von den Erfahrungen her, von denen berichtet wird, aber ist auch ein call to Action. Die Protagonist-Person ist auch Gewerkschaftsaktivist. Daher erfahren wir viel über die Probleme der Arbeiterinnenklasse in den USA zu dieser Zeit. Polizeigewalt ist ein großes Thema und die strukturelle Gewalt und Diskriminierung, die Transpersonen und Queers in Armut hält. Das Buch gehört unbedingt auf die Leseliste.

Upton Sinclair: Am Fließband (neu erschienen im März Verlag 2025 – Erstausgabe 1937)
In leichtem Still beschreibt der sozialistische Journalist Upton Sinclair den Aufstieg von Henry Ford, der von einem Erfinder der ersten Autos zu einem der wichtigsten Kapitalisten des 20. Jahrhundert wird. Dieses Buch verschweigt nicht dessen Förderung rassistischer und faschistischer Ideen und zeigt anhand einer Familie von Arbeiter:innen – der Shutt Familie – wie Ford seine wirtschaftliche Expansion letztendlich auf deren Rücken macht. Klingt bekannt? Kein Wunder! Aber am Ende taucht auch Widerstand auf…

Tahsim Durgun, »Mama, bitte lern Deutsch« (Verlag Droemer Knaur, 2025)
Tahsim Durgans Eltern sind Kurden aus der Türkei, die vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen sind. Man kennt ihn für seine Videos auf TikTok mit seinem echt witzigen trockenen Humor über Nazis, Massenabschiebungen und rassistische Vorurteile.
Man kann den Titel des Buches verwirrend finden und es gab daran Kritik. Aber er zeigt durchaus gut, was auch in dem Buch beschrieben wird: wie zerrissen ein Kind aus einer zugewanderten Familie wird, weil es nicht nur so viel Verantwortung für die eigenen Eltern tragen muss, sondern sie auch vor dem ganzen Rassismus schützen muss und gleichzeitig erst mit zunehmendem Alter Verständnis für die Eltern entwickeln und ihre Geschichte und Stärke verstehen kann. Das Buch ist gewissermaßen eine Art „Rache“ eines „Migranten“ an der deutsch-kleinkarierten Gesellschaft, der trotz Hauptschulempfehlung Abitur gemacht und dann Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert hat, und als Junge gerade deshalb Deutsch gelernt hat, um gegen die Willkür der Ausländerbehörde gegenhalten zu können. Mit dem Buch hat Tahsim Durgun eine Hommage an seine Mutter und seine migrantische Community geschrieben. Es gibt ganz sicher den einen oder anderen Onkel, der das Buch „gebrauchen“ könnte. Richtig gut.

Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters (S. Fischerverlage, 2025)
Lena Schätte kommt aus einer Arbeiterfamilie aus dem Sauerland. Sie ist Krankenschwester und Schriftstellerin. In diesem Buch beschreibt sie aus Sicht der Ich-Erzählerin Motte die Liebe und Nähe in einer Arbeiterfamilie und gleichzeitig die Enttäuschungen und die Brüche durch den Alkoholismus des Vaters, der sich auf die Ich-Erzählerin „vererbt“. Es ist kein autobiografischer Roman, der Roman hat eine Prise Fiktion, aber Lena Schätte verarbeitet eigene Erfahrungen. Stark.

Antony Loewenstein: The Palestine Laboratory – How Israel exports the technology of occupation around the world (Verso Verlag, 2023, nur auf englisch)
Die europäische Grenzschutzbehörde Frontex nutzt im Krieg gegen die Migrant:innen israelische Drohnen und Überwachungstools, die vorher zur Kontrolle der palästinensischen Bevölkerung in großem Stil angewendet wurden. Kürzlich hat die Bundeswehr das Raketenabwehrsystem Arrow 3 in Betrieb genommen, das in Israel und den USA entwickelt wurde und Bestandteil der europäischen Aufrüstung ist. Die israelische Presse feierte das, weil sich Arrow 3 in Israel während des Kriegs gegen den Iran im Juni 2025 bewährt hätte. In seinem Buch „The Palestine Laboratory“ bringt der Journalist Loewenstein eine Vielzahl an Fakten und Beispielen zusammen, die zum einen zeigen, wie der Staat Israel über Jahrzehnte supermoderne Technologien entwickelt hat, um eine „unwanted population“ – die Palästinenser:innen – zu überwachen und zu „kontrollieren“. Technologien, die Israel in alle Welt an Diktatoren und sogenannte demokratische Staaten verkauft. Und zum anderen zeigt dieses Buch, wie Israel schon lange auch durch seine Waffengeschäfte als strategischer Helfer des westlichen Imperialismus, insbesondere der USA, eine wichtige Rolle spielt: bei Putschen gegen lateinamerikanische Regierungen, bei der Niederschlagung von demokratischen und Arbeiteraufständen oder heutzutage zur Integration von Ländern wie Indien oder Thailand als Verbündete im Lager der USA gegen China. Das Buch wurde vor dem 7. Oktober veröffentlicht. In dem Genozid an den Palästinenser:innen hat Israel seine Technologien und Waffensysteme weiterentwickelt…

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