
Am 27. November hielt Emmanuel Macron eine Rede, in der er für den Sommer 2026 die Einführung eines freiwilligen Wehrdienstes ankündigte. Angesichts der zunehmenden Militarisierung in Europa überrascht dieser neue Schritt kaum. Doch besonders die Rede des französischen Generalstabschefs Fabien Mandon vom 18. November zeigt, welche Rolle dieser neue Wehrdienst spielen soll.
Ein sehr gezielt ausgerichteter „freiwilliger Wehrdienst“
Dieser freiwillige Wehrdienst soll zunächst rund 3.000 Freiwillige im Alter von 18 bis 25 Jahren aufnehmen. Während des zehnmonatigen Dienstes erhalten die Teilnehmenden Unterkunft, Verpflegung, kostenlosen Zugang zum öffentlichen Personenverkehr sowie einen Lohn von 800 Euro.
Es ist offensichtlich, dass sich dieses Angebot vor allem an junge Menschen aus Arbeiterfamilien oder mit Migrationshintergrund richtet. Bereits beim SNU (Service National Universel) hatte der Staat versucht, Jugendliche zu mobilisieren – jedoch nahmen überwiegend Kinder von Militärangehörigen und Polizisten teil. Nun setzt man auf finanzielle Anreize sowie Unterstützung bei der Studienplatzbewerbung, um eine andere Zielgruppe zu erreichen. Für die Armee ist es wichtig, als berufliche Perspektive attraktiver zu werden: Da in den kommenden Jahrzehnten mit weniger jungen Menschen gerechnet wird, plant die Armee, den Wehrdienst bis 2035 auf 50.000 Freiwillige auszuweiten.
Kriegstüchtig werden als Hauptziel
Dabei handelt es sich nicht um eine generelle Musterung wie aktuell in Deutschland diskutiert, sondern um eine generelle Vorbereitung auf eine „Kriegstüchtigkeit“. „Frankreich muss akzeptieren, seine Kinder zu verlieren“ – so lautete die zentrale Aussage von General Mandon. Der Stabschef, dessen militärische Erfahrungen vor allem aus Einsätzen zur Bombardierung Malis stammen, verdeutlichte damit, welche Rolle der Wehrdienst aus militärischer Sicht haben soll: Die Bevölkerung soll sich an den Gedanken gewöhnen, dass der Krieg „vor der Tür steht“.
Wofür? Offiziell natürlich „für die Demokratie“, so wie die französische Armee und Mandon in Subsahara-Afrika im Interesse französischer Machtpolitik agiert hatte. Und gegen wen? Zu den zentralen Gegnern werden Russland –eine Bedrohung direkt vor Europas Grenzen, obwohl Frankreich weiterhin Handel mit Russland betreibt – und China gezählt, dass der französische Industrieminister bei einem deutsch-französischen Wirtschaftsforum als „asiatischen Tsunami“ und „unfairen Wettbewerber“ bezeichnete.
Bedeutet das, dass Frankreich in der Ukraine intervenieren wird? Mandon formulierte vorsichtig und erklärte, „unsere Kinder werden nicht in der Ukraine sterben“. Die Bevölkerung solle sich jedoch geistig darauf vorbereiten, dass ein Krieg „im Entstehen“ sei und dass man bereit sein müsse, Härten zu ertragen.
Welche Reaktion darauf?
Mandons Aussagen lösten breite Empörung aus. Für Mélenchon und La France Insoumise (französische Linkspartei) war vor allem empört, dass ein Generalstabschef eine solche Rede ohne Zustimmung des Parlaments halten könne. Zugleich vertreten sie – wie andere Parteien auch – die Position eines „Friedens“, der auf internationalen Regeln basiert, während sie gleichzeitig im wirtschaftlichen Wettbewerb bereitstehen, etwa im Fall der Kritik an Shein und anderen chinesischen Unternehmen.
In der Bevölkerung selbst ist die Mehrheit nicht bereit, am Krieg teilzunehmen – insbesondere nicht, um „für Macron zu sterben“. Für andere Interessen wäre es möglicherweise anders.
Deshalb ist es wichtig, eine Gegenposition deutlich zu machen: Man stirbt nicht für die Nation, sondern für die Interessen großer Konzerne. Gerade für Kommunist:innen und Revolutionär:innen ist es notwendig, Jugendliche in Vollversammlungen zu organisieren, ihnen Vertrauen in ihre eigene Kraft zu geben – damit sie nicht zu Kanonenfutter oder zu Werkzeugen wirtschaftlicher Interessen werden.
Peter Drache, Paris
