
Wie seit zwei Jahren findet auch dieses Jahr vom 24. bis 26. September eine NATO-Übung in der Hansestadt statt, um die „Drehscheibe“ Hamburg in einem sogenannten Angriffsfall zu verteidigen. „Red Storm Charlie“ ist ein weiterer Schritt in der Militarisierung – denn was haben Unternehmen wie Netto oder EDEKA bei einer Militärübung zu suchen?
Deutschland sichern?
Auf dem ersten Blick scheint es nur eine kleine Übung zu sein: In den Straßen Hamburgs werden Panzer nur nachts fahren und nur 500 Soldat:innen sollen im Rahmen der Übung in der Stadt sein (immerhin so viele wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr). Es ist allerdings bereits das dritte Manöver seiner Art und für 2027 ist bereits „Red Storm Delta“ angekündigt. Die Militarisierung Deutschlands und anderer EU-Staaten findet im Rahmen wachsender imperialistischer Spannungen statt und wird durch die „russische Gefahr“ gerechtfertigt. Im Falle eines Angriffs auf einen baltischen Staat soll Hamburg als Drehscheibe für die Truppenverlegung gesichert werden. Hauptanliegen der Bundeswehr ist also weniger die Schaustellung aller Truppen als die Einbindung möglichst breiter Teile der Bevölkerung und ziviler Akteure. Oder wie es Bundeswehrsprecher:innen sagen: Man will „dieselbe Sprache“ sprechen.
Doch wen soll eigentlich die Bundeswehr schützen? Denn letztes Jahr galten große Teile des Manövers Eingriffen in das zivile Leben, wie geübte Repressionen gegen eine (fiktive) linke Demonstration am Hamburger Hafen. Dazu testete die Agentur für Arbeit das Arbeitssicherstellungsgesetz, das Arbeitslose im Ernstfall zu Arbeit zwingen soll. Und mit der Beteiligung des Universitätsklinikums und der Hamburg Port Authority steht auch in Frage im Raum, ob Kündigungen von Beschäftigten im Kriegsfall für solche strategischen Bereiche schlichtweg verboten werden könnten.
„Verteidigung beginnt weit vor der Kaserne – sie beginnt in der Industrie“1
Neu an Red Storm Charlie ist die Initiative der Handelskammer Hamburg: Red Storm Business, das über 100 Unternehmen einbindet (darunter HASPA, EDEKA, die HHLA, Rheinmetall… und das Miniatur Wunderland). Mit dem erklärten Ziel, „gemeinsam die Resilienz des Wirtschaftsstandorts [zu] stärken“ wollen sie Reaktionen auf Stromausfälle bzw. Angriffe auf die Stromversorgung üben. Heute sei im hybriden Krieg mit Cyberangriffen und der Störung kritischer Infrastruktur zu rechnen. Doch gerade die enge Zusammenarbeit zwischen „zivilen“ und „militärischen“ Akteuren erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Aggressor keine Bedenken zeigt, zivile Ziele anzugreifen.
Mit der Militarisierung wollen der deutsche Staat sowie viele deutsche Unternehmen in einer Zeit wirtschaftlicher und geopolitischer Spannung ihren Platz behaupten – und neue Profitquellen erschließen. So wurden in jüngster Zeit der Bau neuer Rüstungsfabriken (in Sangerhausen und Leipzig) oder die Umstellung von Auto- auf Rüstungsproduktion angekündigt. Viele Hamburger Unternehmen haben schon heute Blut an den Händen: Sie verdienen ihr Geld auch durch den Transport von Waffen, die beim Genozid in Gaza zum Einsatz kommen.2
Die Reichen wollen Krieg, wir eine Zukunft!
Es ist wichtig auf die Straße zu gehen und klar zu zeigen, dass die Militarisierung uns Arbeiter:innen und Jugendliche nicht schützt – im Gegenteil. Dafür findet der nächste Schulstreik am 25. 9. statt, eine DGB-Kundgebung am 26. 9. (die allerdings die Militarisierung nicht direkt anspricht), sowie eine Reihe von Demonstrationen und Aktionen von verschiedenen Bündnissen. Es ist dringend notwendig, eine antikapitalistische und revolutionäre Perspektive gegen den Kriegskurs in die Schulen, Unis und Betriebe zu tragen!
1 https://www.hwk-hamburg.de/artikel/red-storm-buisness-hamburgerweiter-aktionstag-fuer-betriebe-93,0,2379.html
2 5.158 Kisten Munition gingen vom Hamburger Hafen nach Israel im 2. Quartal 2026 laut dem Hamburger Transparenzportal
Beitragsbild: „HMM Dublin“ und Evergreens „Ever Greet“, Containerschiffe der Größe Ultra Large Container Ship (ULCS) am Containerterminal Burchardkai (CTB) in Waltershof, Hamburger Hafen (2023) via wikimedia
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