
Fatah, PFLP, DPFLP: Der Radikalismus eines nationalistischen Kleinbürgertums.
1959 gründete Jassir Arafat in Kuwait mit einer Handvoll palästinensischer Intellektueller, die wie er nach Kuwait geflohen waren, die wichtigste nationalistische Bewegung Palästinas, die Fatah (vollständiger Name: Bewegung für die Befreiung Palästinas). Ihr Vorbild: die algerische Front de libération nationale (FLN). Sein Grundsatz: Die Befreiung der Palästinenser wird das Werk der Palästinenser selbst sein. Und gleich zu Beginn stellt er gegenüber den Regierenden der arabischen Länder klar: „Alles, was wir verlangen, ist, dass ihr Palästina mit einem Verteidigungsgürtel umschließt und die Schlacht zwischen uns und den Zionisten beobachtet.“ Kein proletarischer Internationalismus, das überrascht nicht. Aber auf der Ebene der arabischen Solidarität hatte der Panarabismus, die Idee einer arabischen nationalen Einheit, zu dieser Zeit in der Region eine Hochphase in den herrschenden Kreisen…

Die ersten militärischen Aktionen der Fatah in Israel gehen auf das Jahr 1965 zurück. Nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, in dessen Folge Israel das Westjordanland und den Gazastreifen (und weiter nordöstlich die syrischen Golanhöhen) besetzte und eine neue Massenflucht von Palästinenser:innenn auslöste, trat in den Flüchtlingslagern eine neue Generation von Aktivisten auf den Plan. Diese jungen Menschen haben die Niederlage der „Nakba“ (die „Katastrophe“ von 1948, die 700.000 Palästinenser:innen, die Hälfte der einheimischen Bevölkerung Palästinas, aus ihrer Heimat vertrieben hat) nicht erlebt und sich in großer Zahl den palästinensischen Widerstandsorganisationen angeschlossen.
Von den anderen damals aufkommenden palästinensisch-nationalistischen Strömungen waren die beiden wichtigsten die 1967 gegründete Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) und ihre Abspaltung, die eher linksgerichtete Demokratische Volksfront zur Befreiung Palästinas (DVPLF), später eher FDLP genannt. Die erste, die PFLP, entstand aus einer panarabistischen Strömung, der Arabischen Nationalistischen Bewegung, die an einer Universität in Beirut gegründet wurde. Ihr Gründer, Georges Habache, bekennt sich zum maoistischen Marxismus-Leninismus. Die FDLP ist die am weitesten links stehende Fraktion der PFLP, von der sie sich 1969 abgespalten hat. Sie war eher „internationalistisch“ und vertrat zeitweise die Idee eines sozialistischen Palästinas, in dem Palästinenser:innen und Jüd:innen die gleichen Rechte genießen sollten; ihre Ideologie war eine radikale Dritte Welt, die eine Mischung aus Castro, Mao, Giap und Che Guevara darstellte. Aber im Kern ihrer Politik, der Art und Weise, wie sie ihren Kampf führen, haben sich PFLP und DFLP nie sehr von der Politik der Fatah selbst unterschieden, außer manchmal durch eine Überbietung in Bezug auf gezielte Anschläge und Geiselnahmen.
Die anderen Strömungen sind zahlenmäßig und vor allem politisch von geringerer Bedeutung, wie die Saïqa, eine Zweigstelle der in Syrien herrschenden Baath-Partei, die damit eine Hand über die palästinensische Bewegung hält.
Die sogenannte PLO, die Palästinensische Befreiungsorganisation, war bei ihrer Gründung 1964 lediglich eine von der Arabischen Liga (ein Gremium, in dem die Regierungen der arabischen Staaten zusammengeschlossen sind) aus dem Nichts geschaffene und finanzierte Instanz, um den Palästinensern unter ihrer Führung eine offizielle diplomatische Vertretung zu verschaffen. Sie wurde erst 1969, nachdem Arafats Fatah die Führung übernommen hatte, zu einer Art Front, die hinter der Fatah die anderen Strömungen der palästinensischen Bewegung vereinte. Die PLO erschien von da an als die Führung der Bewegung, die Führung, mit der die verschiedenen Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern unter der Schirmherrschaft der USA geführt wurden, darunter das Osloer Abkommen von 1993, das Arafat als PLO-Vorsitzender unterzeichnete.
In der palästinensischen Bewegung dieser ersten Periode ist auffällig, dass es bis Ende der 1980er Jahre praktisch keine islamistische Komponente gab. Anders heute, wo mit der Hamas eine islamistische Strömung an der Spitze zu stehen scheint. Die islamistische Muslimbruderschaft, die zur gleichen Zeit in Ägypten vom Nasser-Regime unterdrückt wurde, hat in Gaza Muslimbrüder, die von Scheich Ahmed Jassin (dem späteren Gründer der Hamas) geleitet wurde, der dort 1973 in Anwesenheit des israelischen Gouverneurs von Gaza seine Moschee einweihte. Die israelische Besetzung des Gebiets ist nicht das Thema der Muslimbrüder, und Israel wiederum findet in ihrer religiösen Führung, die durch ein Netz von Wohltätigkeitsorganisationen ergänzt wird, einen bequemen Konkurrenten für die palästinensischen nationalistischen Organisationen, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Zumal es sich um eine in Nassers Ägypten verhasste Bewegung handelt, die jedoch von dem sehr reaktionären Regime des jordanischen Königs unterstützt wird. Das joranische Regime wird die Muslimbrüder in Gaza im Gegenzug gegen die PLO unterstützen.
Hütet Euch vor falschen Freunden!
In den Revolutionen der Kolonialbevölkerungen 1945-1975 Jahre, war der Kampf gegen die nationale Unterdrückung eng mit dem Kampf gegen die soziale Unterdrückung verbunden, da die eine Unterdrückung der anderen diente. Ob es den kleinbürgerlichen nationalistischen Führungen, die sich nur als zukünftige Führerinnen „ihres“ Volkes und zukünftige „Arbeitgeberinnen“ sahen, gefiel oder nicht, sei dahingestellt. Der nationale Befreiungskampf der kolonialunterdrückten Bevölkerungen hatte aufgrund seiner Ansteckung einen internationalen Charakter, auch wenn jeder ihn nur im Hinblick auf den Staat sah, den er zu errichten gedachte. Aber der Kampf des palästinensischen Volkes hatte mehr noch als alle anderen einen Doppelcharakter. Er ging zwangsläufig über die Grenzen Palästinas hinaus, da mehr als die Hälfte der Palästinenser:innen emigrierte Flüchtlinge in den Nachbarländern waren und sich der palästinensische Widerstand vor allem in den Flüchtlingslagern organisierte, wo er sich nicht nur mit den israelischen Truppen, sondern auch mit den Regierungen der arabischen Flüchtlingsländer konfrontiert sah. Die Palästinenser:innen, die in Israel oder in den seit 1967 besetzten Gebieten geblieben waren, waren dort in ihrer großen Mehrheit Land- oder städtische Arbeiter, die am meisten ausgebeutet wurden, wenn auch nicht die einzigen (und wir wollen nicht von heute sprechen, wo sie durch eine große Zahl von Arbeitskräften aus Asien ersetzt wurden). Die Flüchtlinge in Jordanien, dem Libanon und Syrien waren dort mit der Arbeiterklasse dieser Länder vermischt, einer Arbeiterklasse, die genauso arm war wie sie und manchmal in denselben Stadtvierteln von Beirut oder Amman oder sogar in denselben Slums wohnte.
Dort konnten ihre Verbündeten liegen, nicht bei den Regierungen, die Arafat um einen einfachen „Verteidigungsgürtel“ bat, was zugleich das Versprechen bedeutete, sich nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen. Das palästinensische Volk sollte diese bittere Erfahrung machen.
1970 – Schwarzer September in Jordanien
Das Königreich Jordanien ist der reaktionärste arabische Staat in der Region. Nach der Nakba von 1947/48 und der vollständigen Auflösung Palästinas hatte Jordanien (das östlich des Jordans als Transjordanien bezeichnet wurde) das Westjordanland (westlich des Flusses) annektiert, dessen Bewohner de facto jordanische Staatsbürger wurden. Nach dem Sechstagekrieg (1967) und der Niederlage der arabischen Koalition wurde Jordanien von Israel aus dem Gebiet vertrieben. Die Annexion des gesamten Westjordanlandes durch Israel hatte über 300.000 zusätzliche Palästinenser:innen in die Lager in Jordanien getrieben. Die Palästinenser:innen insgesamt, sowohl die in den Lagern als auch die, die bereits mit der Bevölkerung der wichtigsten Städte des Landes verschmolzen waren, machten mehr als die Hälfte (oder sogar zwei Drittel) der Bevölkerung des Landes aus, und 1970 kontrollierten palästinensische Organisationen de facto die jordanische Hauptstadt Amman.
Für den jordanischen König war es an der Zeit, jeglicher Infragestellung seiner Macht ein Ende zu setzen. Während die israelische Armee ihre militärischen Angriffe und Bombenangriffe in Jordanien auf die ihrer Meinung nach wichtigsten Stützpunkte des palästinensischen Widerstands fortsetzte und die jordanische Armee nicht reagierte, sah der jordanische König seine Macht im Land selbst bedroht. Anfang September 1970 fühlte sich König Hussein frei, den palästinensischen Widerstand in seinem Land und dessen Unterstützung in den Arbeitervierteln von Amman zu beenden: Der ägyptische Präsident Nasser hatte gerade einem von den USA vorgeschlagenen Entwurf für ein Kompromissabkommen mit Israel zugestimmt: Der jordanische König würde also nicht als Einziger die Palästinenser im Stich lassen. Als Vorwand diente ihm die Entführung von Flugzeugen durch den palästinensischen Widerstand, die in Jordanien landeten und was in der westlichen Welt für Aufschrei sorgte.
Am 15. September erklärte König Hussein das Kriegsrecht, am 17. September beschoss die Artillerie die palästinensischen Viertel von Amman, bevor Panzer in der Stadt und in den Flüchtlingslagern massiv eingriffen. Die Kämpfe dauerten über eine Woche und forderten Tausende von Toten (je nach Quelle zwischen 3.500 und 10.000) und Zehntausende von Verletzten. Am 27. September unterzeichneten Arafat und Hussein, die von Präsident Nasser in Kairo zusammengerufen worden waren, ein Waffenstillstandsabkommen. Die Palästinenser:innen in Jordanien erlebten einen neuen Exodus in Richtung Libanon.
1975-1976 im Libanon: Libanesische Rechtsextreme und syrische Truppen gegen die Palästinenser:innen
In diesem Land, in dem es bereits zahlreiche Flüchtlingslager gab, konzentrierte sich daher in den 1970er Jahren der Großteil der Kräfte der palästinensischen Organisationen. Der Südlibanon war regelmäßig Bombenangriffen und Razzien der israelischen Armee ausgesetzt, die nicht davor zurückschreckte, in das Land einzudringen. Die libanesische Armee war zu schwach, um zu reagieren, und vor allem wurde sie von der christlichen extremen Rechten geführt, der die Palästinenser:innen selbst ein Dorn im Auge waren.
Der Libanon befindet sich zu der Zeit in einer wirtschaftlichen und politischen Krise, die die verschiedenen Fraktionen der libanesischen Bourgeoisie und ihre Großfamilien, die sich die Macht teilen, gegeneinander aufbringt. Angesichts der sozialen Unzufriedenheit, die sich vor allem in Streiks äußert, werden von der extremen Rechten im Libanon die Palästinenser:innen als Ursache allen Übels bezeichnet, die aus dem Land vertrieben werden sollten. Aber es sind alle armen Schichten, die ins Visier genommen werden, die Arbeiter:innen in Beirut, die Libanesen aus dem Südlibanon, einer der ärmsten Regionen des Landes, die vor den israelischen Bombenangriffen fliehen und sich in den Slums der Hauptstadt neben den palästinensischen Flüchtlingen wiederfinden.
Im Streik der Fischer in Saida und ihre Demonstration, die am 26. Februar 1975 von der libanesischen Armee beschossen wurde und mehrere Todesopfer forderte, ging es um die Fischereirechte. Die Fischereirechte für die gesamte libanesische Küste waren gerade einem großen Unternehmen erteilt worden, was den Fischern de facto ihre Lebensgrundlage raubte. Der Vorsitzende dieses großen Unternehmens war Camille Chamoun, der ehemalige libanesische Staatschef und einer der reichsten Männer der herrschenden maronitischen Bourgeoisie. Auf die Schießerei folgten tagelange Unruhen und Scharmützel mit der Armee (Gesamtbilanz: 15 Tote), und in der Region wurde zu einem Generalstreik aufgerufen. Unter den getöteten Demonstranten befand sich der ehemalige Abgeordnete der Stadt, ein Mann der Linken, der sich offen als pro-palästinensisch bezeichnete: Bei seiner Beerdigung war sein Sarg mit der palästinensischen Flagge bedeckt. Im Gegensatz dazu demonstrierten einige Tage nach der Niederschlagung der Demonstration in Saida rechte Studenten, rechte Parteien und Rechtsextreme in Beirut, um ihre Unterstützung für die Armee zu zeigen.
Der Beschuss eines Busses mit Palästinenser:innen (vor allem Frauen und Kinder) durch Milizionäre der „Phalange“ von Gemayel, dem Führer der maronitischen christlichen Rechtsextremen und ein Hitler-Verehrer, am 13. April 1975 forderte 27 Todesopfer. Das markierte den Beginn des späteren libanesischen Bürgerkriegs. Dieser Beschuss löste ebenso viel Empörung aus wie die Schießerei in Saida weniger als einen Monat zuvor.
Der ausbrechende Bürgerkrieg nahm teilweise konfessionelle Züge an: Die Miglieder der libanesischen Großbourgeoisie waren vor allem maronitische Christen; die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung (und eigentlich die Mehrheit der Bevölkerung überhaupt) war muslimisch. In der Zeit von 1975-1976 war dieser Krieg jedoch vor allem ein sozialer Krieg.
Es war ein Zeichen kompletter politischer Kurzsichtigkeit eines nationalistischen Führers, der sich gegenüber der libanesischen Bourgeoisie ebenso verantwortungsbewussst zeigen wollte wie gegenüber der Weltbourgeoisie und nur in der Liga der Großen nach Verbündeten suchte, um wie Arafat im Juni 1975 zu erklären: „Alles, was im Libanon geschieht, ist nicht zu rechtfertigen. Die palästinensische Revolution weiß ihrerseits, dass das wahre Schlachtfeld in Palästina liegt“.
Über ein Jahr lang standen die palästinensischen Kämpfer Seite an Seite mit libanesischen Arbeiter:innen und Arbeitslosen, die von der libanesischen Linken unterstützt wurden, um ihre Viertel gegen die Angriffe der Gemayel-Phalange-Milizen, die oft von der Armee unterstützt wurden, zu verteidigen. Die rund 200.000 palästinensischen Flüchtlinge (bei einer Gesamtbevölkerung von 2,7 Millionen) befanden sich mitten in diesem Kampf. Ihr Schicksal war mit diesem Kampf verknüpft. Und sie wurden völlig hineingezogen, zusammen mit den Arbeiter:innen und der armen Bevölkerung des Libanon. Es waren sogar größtenteils die palästinensischen Aktivisten, weil sie erfahrener und besser bewaffnet waren, die das Rückgrat der Einheiten bildeten, die die Arbeiterviertel verteidigten.
Bis Anfang Juni 1976 syrische Truppen in den Libanon einmarschierten und die Ordnung wiederherstellten, indem sie sich auf die Seite der extremen libanesischen Rechten stellten, deren Milizen gegen die Kräfte des so genannten „palästinensisch-progressiven“ Lagers ins Hintertreffen geraten waren.
Der PLO-Chef Jassir Arafat und der Führer der libanesischen Linken, Kamel Jumblatt, schlossen sich Moskau an und baten es, Syrien zum Rückzug seiner Truppen zu zwingen. Dies blieb jedoch erfolglos. Am 22. Juni griffen die rechtsradikalen libanesischen Phalange-Milizen mit Unterstützung der Armee erneut das Flüchtlingslager Tal Al-Zartar (17.000 Einwohner) an, das nach 50 Tagen Kämpfen mit mehr als 2.500 Toten zerstört wurde. Weitere 1.000 wurden bei der Evakuierung der Überlebenden hingerichtet.

Von der Niederlage im Libanon zum „Aufstand der Steine“
Die folgenden Jahre im Libanon waren daher nur noch Jahre der Niederlage, in denen israelische Truppen immer wieder palästinensische Flüchtlingslager angriffen. Bis General Sharon 1982 beschloss, in den Südlibanon einzumarschieren und die Offensive bis in die Stadt Beirut voranzutreiben.
Am 6. Juni marschierten 100.000 israelische Soldaten für die Kriegsoperation „Frieden in Galiläa“ in den Libanon ein. Sie überquerten ungehindert die Demarkationslinie, die offiziell von den Blauhelmen der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) gehalten wurde: 15.000 UN-Soldaten, die seit 1978 eingesetzt wurden, um eine Pufferzone zwischen dem Libanon und Israel zu schaffen. Die israelischen Truppen rückten bis in die libanesische Hauptstadt vor, um die westlichen Bezirke von Beirut zu belagern, beliebte Viertel mit 200.000 Einwohnern, in denen PLO-Aktivisten angeblich Zuflucht gefunden hatten, während die Flüchtlingslager im Süden unter Beschuss standen. Die Blauhelme der UNIFIL waren durchlässig wie ein Sieb gewesen. Aber am Ende der Kämpfe griffen die „Friedenskräfte“ der „internationalen Gemeinschaft“ (wie die internationalen Instanzen genannt werden, die Lenin zur Zeit des Völkerbundes, des Vorläufers der UNO, als „Räuberhöhle“ bezeichnete) doch ein. Ende August organisierten sie mit französischen, italienischen und amerikanischen Truppen die Evakuierung der PLO und ihrer Kämpfer (15.000 Mann) aus dem Libanon raus: Richtung ihres Exils in Tunesien. Israel, das als Gegenleistung für diese Vertreibung versprochen hatte, nicht in die Stadt Beirut einzudringen, zögerte nicht, dies am 15. September mit Zustimmung der libanesischen Armee zu tun. Am 16. und 17. September verübten rechtsextreme libanesische Milizen mit Unterstützung der israelischen Armee ein Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, die nun ohne palästinensischen Kämpfer waren, die sie hätten verteidigen können1.
Die Hoffnung, die in den 1980er Jahre aufkeimte, kam nicht von den PLO-Stäben oder den Kämpfern, die sich nach dem Krieg von 1967 erhoben hatten. Sie kam von den Jugendlichen im besetzten Westjordanland, als 1987 die erste Intifada (oder „Aufstand der Steine“) begann. In den Augen des jüdischen Staates eine der schlimmsten Revolten. Den 14- bis 15-Jährigen, die mit einfachen Steinen bewaffnet ihre Wut auf das Leben, ihren Hass auf die Besatzung und die Kolonialisierung zum Ausdruck brachten, standen junge, hochgerüstete israelische Soldaten gegenüber, die es kaum übers Herz brachten, die Befehle zu befolgen. Der Krieg fand nicht in Beirut oder Amman statt, sondern vor Ort. Bisher gab es nur zwei Zeiten, in denen die israelische Armee Soldaten in ihren Reihen hatte, die nicht mehr marschieren wollten: während des Libanonkriegs 1982 und zum Zeitpunkt des „Aufstands der Steine“. Es bleibt abzuwarten, wozu die derzeitige heftige Militärintervention der israelischen Armee gegen Gaza führen kann.

Die PLO hingegen ist gestorben. Die Fatah, die wichtigste palästinensische Organisation, aus der die PLO bestand und die heute praktisch mit der Palästinensischen Autonomiebehörde verschmolzen ist, ist als Widerstandsorganisation ebenfalls tot. Sie ist nur noch ein Embryo eines Staatsapparats. Ein Apparat, aber ohne Macht, außer der eines lokalen Statthalters, die Israel bereit ist zuzugestehen.
Vom Exil in Tunis zu den (Schleuder-?)Sesseln in Ramallah
Nachdem der „Aufstand der Steine“ gezeigt hatte, dass die Besetzung des Westjordanlandes nicht mehr so einfach war, war es der große amerikanische Pate, der auf einen vermeintlichen Ausweg drängte. Für die USA schien es Anfang der 1990er Jahre mit dem Ende der UdSSR möglich, den Versuch zu unternehmen, einige der permanenten Spannungspunkte auf der Welt zu lösen. Auch wenn man nicht sagen kann, dass sie dabei sehr erfolgreich waren! Der Versuch, das ewige Palästinenserproblem zu lösen, war das Osloer Abkommen, Es wurde in der norwegischen Hauptstadt ausgehandelt, mit großem Pomp im Weißen Haus unterzeichnet und mit einem Friedensnobelpreis gekrönt.

Ein Frieden der Betrüger. Mit einer zersplitterten, besiegten palästinensischen Bewegung, einer Führung fast ohne Truppen, im Exil (man könnte sagen unter Hausarrest) in Tunis, akzeptierte Jassir Arafat de facto alle Bedingungen, die Israel an die von den USA propagierte Lösung stellte: Als Ersatz für ein Stück souveräner Staat, der für später versprochen wurde, gab es nur ein zerstückeltes Gebiet, das mit einer einfachen „Palästinensischen Autonomiebehörde“ ausgestattet war. Deren Autorität war mehr oder weniger eingeschränkt war, je nachdem, ob man sich in einer sogenannten Zone A, B oder C befand, und die ohnehin überall auf das Recht beschränkt war, die Polizei zu stellen (und auch das nur unter israelischer Aufsicht) und das Elend in diesen Gebieten voller Arbeitslosigkeit zu verwalten, das seit nunmehr 30 Jahren immer wieder durch neue Kolonisierungen angeknabbert wird.
Die PLO, die durch ihr Exil in Tunis aus dem Rennen geworfen worden war, war beim „Aufstand der Steine“ praktisch nicht präsent gewesen. Sie kehrte nach Palästina zurück, nicht mehr um die Revolte anzuführen, sondern um als Palästinensische Autonomiebehörde einen embryonalen Staatsapparat mit Polizei und Ämtern aufzubauen, um das Elend zu verwalten und gegenüber Israel für die Kontrolle der Bevölkerung im Gazastreifen und im Westjordanland zu sorgen. Sie bemühte sich, einen Teil der jungen Aktivisten, die in der Intifada gewesen war, für ihren eigenen Apparat (einschließlich des Aufbaus ihrer Polizei) zu gewinnen. Die Intifada war eine Gelegenheit für eine weitere Strömung, die islamistische Strömung, die sich bis dahin auf religiöse Fürsorge und Wohltätigkeitsorganisationen beschränkt hatte, in die Politik einzumischen. Sie konkurrierte damit mit den Organisationen des palästinensischen Widerstands.
Die zweite Intifada, die des Jahres 2000, der Wutausbruch nach der Provokation auf dem Tempelberg in Jerusalem durch den israelischen Politiker Ariel Sharon (der Mann des Libanonkriegs von 1982 und Pate der Massaker von Sabra und Shatila), hielt die PLO weitgehend raus. Die zweite Intifada war vor allem durch die Politik der Hamas geprägt.
In den besetzten Gebieten, die in Oslo für die Palästinensische Autonomiebehörde „Palästinensische Gebiete“ getauft wurden, aber immer noch von Israel kontrolliert werden und seit 30 Jahren durch neue Siedlungen aufgefressen werden, hat sich eine zahlenmäßig kleine palästinensische Bourgeoisie entwickelt, natürlich rund um die Palästinensische Autonomiebehörde. Sie monopolisiert die Handelsbeziehungen zwischen den palästinensischen Gebieten und Israel und verwaltet (oder kassiert) die internationale Hilfe. Diese Bourgeoisie allein genießt Freizügigkeit, beutet vor Ort in kleinen Unternehmen billige Arbeitskräfte aus und kassiert Bestechungsgelder bei öffentlichen Aufträgen, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde vergeben werden. Selbst für die Arbeitserlaubnis in Höhe von 2.500 Schekel (ca. 600 Euro), die palästinensische Arbeiter, die nach Israel zum Arbeiten gehen, erwerben müssen, behält der palästinensische Vermittler durchschnittlich 600 Schekel (140 Euro) ein. Mahmoud Abbas, Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, selbst wird der Korruption beschuldigt. Dasselbe gilt für seine Konkurrenten von der Hamas, die seit 2007 den Gazastreifen verwalten.
8. November 2023
[Dieser Artikel erschien zuerst am 8. November 2023 auf der website der französischen „Neuen Antikapitalistischen Partei“ NPA (Nouveau Parti anticapitaliste) unter dem Titel: „L’OLP, d’une organisation de lutte au rôle de gestionnaire de la misère“]
1Dieses Massaker, das nach einem israelischen Bericht 700 bis 800 Tote forderte, nach Schätzungen der PLO mindestens 3.300 Tote, verarbeitete der Regisseur Ari Folman in dem Animationsfilm „Waltz with Bashir“
