
Diesen Sommer brodelte es nicht nur in der Charité gegen den Abbau des Gesundheitssystems. In den Häfen von Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Braken und Emden streikten an zwei Anlässen die Kolleg:innen für bessere Löhne und ein kurze Laufzeit der Tarifverträge. Trotz der Kampfbereitschaft der Kolleg:innen, die vier Angebote ablehnten, nahm die Bundestarifkommission von ver.di am 6. Oktober das Angebot der Unternehmen an, das „unterm Strich aber annehmbar“ sei. Bei der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik waren „nur“ 65% der Kolleg:innen für die Ablehnung des Angebots der Bosse gewesen, und nicht die 75%, die ver.di als notwendig für den Streik sah.
Der Zentralverband der Deutschen Seehäfen (ZDS) hat sich als ein entschiedener Gegner der Forderungen der Hafenarbeiter:innen herausgestellt. Dafür nahm der ZDS Bezug auf die steigende internationale Rivalität (besonders seit dnm US-israelischer Angriff auf den Iran), um zu behaupten, es könnte nur minimale Lohnerhöhungen geben. Dabei wurde verschwiegen, dass die Entwicklung des Umschlags eigentlich ein leichtes Plus verzeichnete. Zunächst hieß es, es soll eine Tariflaufzeit von 19 Monaten geben, statt wie üblich zwölf Monate, was konkret eine Verschlechterung gewesen wäre. Denn lange Laufzeiten können nicht die Entwicklung der Inflation voraussehen, die schon jetzt unseren Alltag prägt und verschlechtert. Umso verständlicher, dass es für die Kolleg:innen ein wichtiges Anliegen war, eine Laufzeit von nur einem Jahr zu bekommen; besonders in einer Branche, die die Auswirkungen von Wirtschaftskriegen unmittelbar spürt. Der ZDS lieferte nicht nur mehrere schlechte Angebote, die den meisten Kolleg:inen zurecht nicht gefallen wollten. Der Geschäftsführer des Gesamthafenbetriebs im Land Bremen (GHBG), was eine Art Leiharbeitsfirma für den Hafen ist, kündigte am 20. August außerdem an, dass die GHBG, die sie paritätisch mit ver.di besetzt, 150 Arbeitsstellen abbauen will. Gerechtfertigt wurde es erneut durch die „Krise“. Diese Ansage war nichts anderes als eine Einschüchterung der Kolleg:innen während der Tarifverhandlungen, denn Maersk und Eurogate wollen eine Milliarde am Bremerhavener Hafen investieren, zusätzlich zu den 1,35 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zur Aufrüstung.
Die Hafenarbeiter:innen hatten zurecht nicht nur eine reine prozentuale Erhöhung des Lohnes um 8,2% gefordert, sondern davon mindestens 2,50€ pro Stunde. Denn es ist wichtig gegen die Lohnungleichheiten zwischen den Kolleg:innen zu kämpfen. An den Häfen sind besonders die Lascher (die die Container auf Deck befestigen) nicht mit dem Rest der Belegschaft gleichgesetzt: darunter sind viele sogenannte „unanständige Hafenarbeiter“, die nur tageweise eingesetzt werden. Dazu kommen die ausgelagerten Bereiche, wie etwa die Kantinen, die nicht nach demselben Tarif bezahlt werden. Geschweige denn, dass ganze Häfen wie Stralsund und Rostock eigene Haustarife haben. Nicht umsonst waren die Bosse besonders gegen die Forderung einer Mindesterhöhungvon 2,50 €/Stunde
„Hafenweit streikbereit“
Doch dafür, dass vor zwei Jahren der Ausverkauf des Hamburger Hafen an MSC geschah, war die Wut und Kampfbereitschaft der Kolleg:innen besonders stark. Selbst während der Friedenspflicht wurde schon eine erste Kundgebung Ende Juli in Bremen organisiert. Bei der Streikdemonstration am 17. August im Hamburger Hafen waren es über 2.000 Hafenarbeiter:innen, und am 4. September in Bremherhaven über 1.000. Die Azubi der GHB Hamburg haben sogar einen eigenen Tarifvertrag erkämpft! Bei der Urabstimmung über die endgültige Annahme des letzten Verhandlungsstandes, enthielt sich die ver.di Führung eine Empfehlung zu geben, während einzelne Betriebsräte (von der GHB und Eurogate) für den Streik aufriefen. Final sind es am 6. Oktober nur 3,4% Lohnerhöhung, mehr Urlaubsgeld und ein Tariflaufzeit von 12 Monate geworden.
Was gefehlt hat, ist nicht die Wut der Kolleg:innen sondern die Organisierung von Kolleg:innen an der Basis gegen Vertreter- und sozialpartnerschaftliche Politik, die die Bosse nicht zu sehr erschrecken will.
Eva Ruth, Hamburg
1https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/seehaefen-verdi-tarif-einigung-bremen-bremerhaven-100.html
2https://www.sozialismus.click/bremerhaven-400-hafenarbeiterinnen-stellen-sich-gegen-stellenabbau-und-flexibilisierung-der-ghbg/
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