Bremerhaven: 400 Hafenarbeiter:innen stellen sich gegen Stellenabbau und Flexibilisierung der GHBG

Am 8. April beteiligten sich 400 Hafenarbeiter:innen aus Bremerhaven und Hamburg an einer Demonstration gegen die drohende Insolvenz des Gesamthafenbetriebs (GHBG), der derzeit rund 850 Beschäftigte hat. Während den Aufsichtsrat Christian Lankenau keine andere „Lösung“ als eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vorschlägt, zeigen die Kolleg:innen ihren Unmut und ihre Entschlossenheit, diese Krise nicht bezahlen zu wollen.

Die Gesamthafenbetrieb im Land Bremen GmbH (GHBG) ist seit 1950 ein Unternehmen, das zur Hälfte durch den Unternehmensverband Bremische Häfen und zur Hälfte von der Gewerkschaft verdi geführt wird. Der Gesamthafenbetrieb vermittelt Arbeiter:innen (bezahlt nach dem Tarifvertrag mit ver.di) an die Hafeneinzelbetriebe, die dann dort bei erhöhtem Bedarf beim Entladen der Schiffe und bei der Autoverladung eingesetzt werden. Wegen des unregelmäßigen Arbeitsanfalls an großen Häfen haben Gesamthafenbetriebe in Deutschland eine lange Tradition in der Vermittlung und arbeitsrechtlichen Absicherung von im Grunde „Tagelöhnerarbeit“, was für die Unternehmen in diesem Sektor erforderlich ist. Bremerhaven ist allerdings einer der größten europäischen Umschlagplätze für Autos und gehört zu den großen europäischen Häfen für die weltweite Containerschifffahrt. Heute nutzen die Unternehmen die angespannte wirtschaftliche Situation, vor allem im Autosektor, um Druck auf die Hafenarbeiter:innen zu machen, um die Arbeit weiter zu flexibisieren und Profite zu erwirtschaften. Nicht, dass Bremerhaven grundsätzlich in der Misere stecken würde. Die großen internationalen Logistikunternehmen Maersk und Eurogate haben gerade verkündet, eine Milliarde in den Hafen investieren zu wollen. Bremerhaven spielt auch für die Aufrüstung eine wichtige Rolle. Es hat aus dem „Sondervermögen“ Anfang des Jahres 1,35 Milliarden bekommen zur „Ertüchtigung der Hafeninfrastruktur“, wobei die Idee eines Militärhafens da schon kommuniziert wurde.

Aber Jobabbau soll es trotzdem geben, kombiniert mit Flexibilisierung und niedrigeren Löhnen. Die Hafenarbeiter:innen der GHBG waren am 8. April auch deshalb besonders sauer, weil sie vor 5 Jahren schon einmal mit der Insolvenz des Gesamthafenbetriebs unter Druck gesetzt und zu Lohnverzicht gezwungen wurden.

Dasselbe Prinzip gilt auch im Hamburger Hafen, aus dem eine Delegation von Kolleg:innen sich solidarisch zeigte, denn es ist klar, dass ein solcher Angriff nur der Anfang ist. Vor allem ist dieser Angriff auf eine solche Leiharbeitsfirma der Versuch der Bosse, einen ersten Keil in die große Masse der Hafenarbeiter:innen zu treiben und die Arbeiter:innen gegeneinander auszuspielen.

Allerdings bleibt die Frage offen, ob die Kampfbereitschaft der Kolleg:innen genug Raum von der Gewerkschaft bekommt, um sich erfolgreich durchzusetzen. Am 8. April rief ver.di nämlich lediglich zu einer Demonstration auf und nicht zu einem Streiktag. Die Kolleg:innen mussten sich individuell freinehmen, anstatt schon eine erste Gelegenheit zu nutzen, den Druck richtig aufzubauen. Wenn manche Hafenarbeiter:innen verzweifelt vor solchen Angriffen der Bosse stehen dann auch, weil die sozialpartnerschaftliche Haltung der Gewerkschaft kein klares Ziel und keine Mittel aufzeigt, wie man sich dagegen wehren kann. Klar ist doch aber: Solidarität mit den Kolleg:innen, keine Flexibilisierung, keine Entlassung, die Kapitalisten müssen selber ihre Krise bezahlen!

8. April 2026 in Bremerhaven

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