„Kein Transport für Völkermord“ – Marsch zum Leipziger Flughafen

Letztes Wochenende demonstrierten am Samstag rund 700 Leute in Leipzig vom Hauptbahnof zum Camp am Flughafen Halle/Leipzig. Am Sonntag ging es mit ungefähr 200 Leuten weiter zum DHL Hub des Flughafens.

Der Flughafen Halle/Leipzig ist der zweitgrößte Logistik-Flughafen Deutschlands und eines der wichtigsten internationalen Drehkreuze für DHL, einem der großen deutschen international aktiven Logistikkonzerne in der Welt. 7.000 Arbeiterinnen und Arbeiter arbeiten auf dem Flughafen für DHL. Es geht auf dem Flughafen nicht nur um kleine private Pakete. Was kaum bekannt ist: der Flughafen ist auch ein wichtiges Drehkreuz für Bundeswehr und NATO. In einem Spionageprozess gegen einen Mitarbeiter des AfD-Politikers Krah, der für China auf dem Flughafen spioniert haben soll, hat die Bundestaatsanwaltschaft kürzlich ausführlich die zentrale Rolle des Flughafens als ein „wichtiges Drehkreuz zur Verbringung von Militärgütern in die ganze Welt“ beschrieben. Auch die Liste der Waffenlieferungen speziell an Israel ist lang. DHL macht Riesengeschäfte mit Militärtransporten und Lieferung von militärischem Material weltweit.

Es sind die Arbeitenden, die diese Kriegsmaschinere stoppen können

Auf der Kundgebung zu Beginn der Demonstration sprach ein Vertrauensmann von verdi, der bei DHL im Bereich „Offload“ arbeitet und gerade erst aus der Nachtschicht gekommen war. Er sprach davon, dass es ihm und seinen Kollegen wichtig ist, „dass unsere Arbeit, auf die wir so stolz sind, wir betreiben Welthandel dort, wir verbinden die Welt, dass unsere Arbeit nicht dem Krieg dient.“ Er sprach davon, dass er auch Pakete von Rheinmetall zu entladen hat: „Da wird einem wirklich ganz anders, das will man eigentlich nicht befördern.“ DHL macht Riesengewinne, weil die Transporte schön schwer sind und vielleicht sogar prioritär mit besonderer Schnelligkeit abgewickelt werden sollen. Er nahm Bezug auf die Arbeitenden in italienischen Häfen, die Lieferungen nach Israel gestoppt haben. Etwas, was er sich für sich und seine Kollegen auch wünscht. Er endete mit den klaren Worten: „Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter“ und „Kein Transport für Völkermord“.

Auf der Kundgebung vor dem DHL Hub sprach eine der Organisatorinnen des #marchtoairport.leipzig: „Was tun, wenn ein Völkermord begangen wird und der Ort, an dem man arbeitet ihn logistisch ermöglicht? … Was tun, wenn der Ort, an dem man das Brot verdient, ein Knotenpunkt des Todes ist?… Die gleichen Arbeitgeber, die uns hier ausbeuten und von unserer Arbeit hier profitieren, sind diejenigen, die an Militärproduktion und – transporten profitieren. Arbeitskampf hier und Freiheitskampf im kolonialisierten Palästina, sie richten sich gegen dieselben Profiteuer, die Profiteure der Ausbeutung hier und des Völkermords dort. … 70 bis 80 Prozent der Menschen in Deutschland wollen keine Beteiligung am Völkermord…. Wir gemeinsam haben es in der Hand, einen Völkermord zu stoppen.“

„Hoch die internationale Solidarität!“

Diese Aktion wurde von einem breiten Bündnis in Leipzig organisiert. Sie haben vor dieser Aktion Flugblätter an die DHL-Beschäftigten verteilt und über die Waffentransporte aufgeklärt. Das war wichtig, weil solche Transporte in der Regel völlig geheim gehalten werden. Auch die Demonstration am Sonntag zum DHL Hub kam bei den meisten Beschäftigten gut an; der demonstrativ sichtbare Wachschutz konnte das nicht verhindern. Dieser Marsch zum Flughafen Halle/Leipzig war nur der Anfang. Das Leipziger Bündnis wird weiter machen. Im Zentrum steht die Forderung nach einem Ende jeglicher militärischer Unterstützung Israels sowie diplomatischer und ökonomischer Boycott, die Offenlegung und den Stopp aller Waffenexporte am Flughafen. Mit diesem Marsch zum Flughafen hat das Bündnis nicht nur auf die Rolle des Flughafens bei Waffenlieferungen aufmerksam gemacht, sondern auch darauf, dass es die Kolleginnen und Kollegen selbst sind, die in der ersten Reihe des Protestes stehen können und sollten.

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