Wir sind alle Renée Good und Alex Pretti!


Letzen Freitag demonstrierten hunderttausende Menschen überall in den USA gegen die rassistischen Machenschaften der Einwanderungsbehörde ICE. Das war auch der Tag, an dem Bruce Springsteen nach Minneapolis kam, um dort zum ersten Mal den Song zu singen, den er innerhalb weniger Stunden zu Ehren von Renée Good und Alex Pretti geschrieben hatte. Beide waren von ICE-Beamten skrupellos ermordet worden in dieser Stadt, die nun im Zentrum der Revolte gegen Trumps kriminelle Politik steht. Unter dem Druck der Straße musste dieser den berüchtigten ICE-Chef Bovino inzwischen aus Minneapolis entfernen.

„ICE out!“
Eine Woche vorher, am 23. Januar, wurde in Minneapolis gemeinsam von Gewerkschaften, Kirchengemeinden und Organisationen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen ein echter Generalstreik gegen ICE organisiert. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, „nicht zu arbeiten, nicht zur Schule zu gehen, nicht einzukaufen“. Seit 1934 hatte es in dieser Stadt keinen Generalstreik mehr gegeben, und seit 1946 in keiner anderen Stadt der Vereinigten Staaten! Bei minus zwanzig Grad demonstrierten zwischen 50.000 und 70.000 Menschen, in einer Stadt mit einer Bevölkerung von 500.000 Einwohnern.

Alex Pretti war ein Krankenpfleger, der mitstreikte, als er erschossen wurde. Er nahm gerade an einer kollektiven Aktion teil, bei der ICE-Razzien beobachtet, gemeldet und friedlich verhindert werden sollten. Tausende Amerikaner:innen organisieren sich seit Monaten, um sich der staatlichen Gewalt entgegenzustellen und ihren Klassenbrüdern und -schwestern, die wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Nationalität verfolgt werden, konkrete Solidarität zu bieten: Das reicht von materieller Hilfe (Lebensmittel, Unterkunft, Hilfe bei der Flucht vor Verhaftungen) bis zur physischen Konfrontation mit den ICE-Eingreiftruppen.

Der staatliche Rassismus wurde nicht von Trump erfunden
In den Vereinigten Staaten kann man nach Jahrhunderten der Sklaverei und der Rassentrennung als schwarze Person immer noch sehr leicht durch Schläge und Schüsse der Polizei ums Leben kommen. Schon im Jahr 2020, nach der Ermordung von George Floyd (ebenfalls in Minneapolis), zeigten Millionen von Amerikaner:innen, dass sie dies nicht länger hinnehmen wollten: Ein Massenaufstand, der unter dem Namen „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) zu einer dauerhaften Protestbewegung geführt hatte.

Heute erhebt sich ein Sturm der Empörung gegen die Einwanderungsbehörde ICE, die im Jahr 2025 auch für den Tod von 32 Menschen verantwortlich war, die in den unter ihrem Kommando stehenden Sondergefängnissen, regelrechten Konzentrationslagern, inhaftiert waren. Der französische Tennisspieler Julien Pereira, der nach einem einmonatigen Aufenthalt in einem dieser „Zentren” sieben Kilo abgenommen hatte, gab in Interviews in den französischen Medien einen kleinen Einblick in die tägliche Hölle dort.
ICE wurde 2003 von dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush ins Leben gerufen. Auch die späteren US-Präsidenten von den Demokraten, Obama oder Biden, haben sie während ihrer insgesamt zwölfjährigen Amtszeit als Demokraten in Frage gestellt. Während die Trump-Regierung im Oktober 2025 bekannt gab, in „nur” 250 Tagen mehr als 400.000 Menschen abgeschoben zu haben, hatte die Obama-Regierung innerhalb von acht Jahren 2,5 Millionen Menschen abgeschoben. Der Demokrat Biden hatte in seinem letzten Amtsjahr 270.000 „Illegale” abgeschoben, was damals einen Rekord darstellte.

Auch hierzulande tötet staatlicher Rassismus
Auch in Deutschland tötet die Polizei. So wie zum Beispiel Ostern letztes Jahr den 21-jährigen Schwarzen Lorenz A. in Oldenburg, auf den 5-mal geschossen wurde. Die Begründungen der Polizei klangen ganz ähnlich wie bei Alex Pretti in Minneapolis, nur dass der Tod von Lorenz nicht durch Videoaufnahmen dokumentiert ist.
Auch hier werden Menschen ohne Aufenthaltstitel zusammengetrieben, in Abschiebehaftanstalten gebracht und abgeschoben. Diese Politik wird nicht von Bovino oder Trump betrieben, sondern von Dobrindt und Merz, während die AfD immer noch ein bisschen lauter hetzt. Auch wir sollten uns organisieren und zusammenhalten, bevor es zu spät ist!

[Vorderseite unserer Betriebsflugblätter]

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