Corona: Isolation und häusliche Gewalt

Durch die häusliche Isolation, steigende Unsicherheit und eine angespannte finanzielle Lage für viele Familien ist in Folge des Corona-Virus mit einem starken Anstieg häuslicher Gewalt zu rechnen. Bereits in China konnte diese Entwicklung beobachtet werden. Dort hat sich die Zahl an Frauen, die sich an Hilfestellen gewendet haben, während der Wochen des Lockdowns, verdreifacht.

In Österreich sind die Anrufe bei der Frauenhelpline, bereits in den ersten fünf Tagen nach Ankündigung der Ausgangsbeschränkungen, um 57 Prozent gestiegen. Im März wurde die Helpline 1500 Mal genutzt, 95 Prozent der Betroffenen waren Frauen. Die Kapazitätsgrenzen der Betreuungsangebote waren in vielen Bundesländern jedoch bereits nach zwei Wochen am Limit. In ganz Österreich verspüren die Frauenhäuser einen Anstieg an Gewalt. Hinzu kommt, dass die Sicherheitsvorkehrungen aufgrund der aktuellen Infektionsgefahr große Herausforderungen an die Arbeit der Einrichtungen stellen.

Steigende Gewalt, strukturelle Mängel

Die Situation war schon vor Corona dramatisch, eine umfassende Ausfinanzierung des Gewaltschutzes jedoch nicht vorgesehen – obwohl die Zahlen für sich sprechen: die Morde an Frauen haben sich in Österreich seit 2014 verdoppelt. Dennoch drohte der Frauenhelpline erst Anfang des Jahres wegen mangelnder Finanzierung eine dramatische Kürzung des Angebots, denn seit Jahren gab es keine Erhöhung des Budgets trotz ständig steigender Kosten. Derzeit sind in Österreich jährlich 10 Millionen Euro für Gleichstellung und Gewaltschutz budgetiert. Die Kosten, die alleine in Österreich durch geschlechtsspezifische Gewalt (zum Beispiel Morde und körperliche Gewalt an Frauen und die damit verbunden Kosten für zum Beispiel Behandlungen und Arbeitsausfällen) entstehen, werden mit 3,7 Milliarden Euro beziffert.

Nicht eine mehr!

Ein anderes pikantes Beispiel stammt aus Salzburg. Dort hat die zuständige Frauenlandesrätin der NEOs erst kürzlich angekündigt, die Trägerschaft der Frauenhäuser EU-weit ausschreiben zu wollen. Damit drohen nicht nur kritische Stimmen mundtot gemacht zu werden, sondern auch Strukturen mit jahrelanger Erfahrung zerschlagen zu werden. Unter dem Deckmantel von verblödeden Einsparungspotentialen werden ganze Bereiche gegen die Wand gefahren…

Die Arbeit der Frauenhäuser und Beratungsstellen findet in der aktuellen Krisensituation also vor dem Hintergrund des strukturellen Mangels an Ressourcen statt. Wie etwa auch im Gesundheitsbereich, rächen sich auch hier die jahrelangen Sparmaßnahmen. Dass die ÖVP-Frauenministerin im Zuge der Corona-Krise bei einer Pressekonferenz versicherte, dass es genügend Betreuungsplätze gibt, grenzt an blanken Hohn.

Autoritäre Inszenierung

Die Regierung hat im Rahmen der Corona-Krise auch ein Maßnahmenpaket gegen häusliche Gewalt mit mehr finanziellen Mittel für Beratung und Betreuung präsentiert. Noch vor wenigen Wochen war der Regierung der strukturelle Mangel im Gewaltschutz keine wesentlichen Budgetmittel wert – die „schwarze Null“ durfte nicht gefährdet werden.

In der Corona-Krise wirft man zahlreichen Großunternehmen Kurzarbeitsgeld und andere staatliche Leistungen in den Rachen und rettet ihnen damit ihre Profite. Daneben verlautbart man medienwirksam, dass auch ein Teil des 38 Milliarden Euro „Hilfspakets“ für Gewaltprävention verwendet wird und verschweigt das es doch ein verschwindend geringer Teil ist. Diese Maßnahmen passen gut in die Inszenierung der Regierung, dass sie sich in diesen Zeiten der Krise um alle Betroffenen kümmert. Diese Politik folgt einer autoritär-patriarchalen Logik, die statt auf Eigenverantwortung, Emanzipation und Selbständigkeit, auf Regelbefolgung und Strafen setzt. Und das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herrschenden im Sozialbereich seit Jahren und Jahrzehnten Kahlschlag betreiben.

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