[english below] Am vergangenen Dienstag, dem 4. November 2025 gewann Zohran Mamdani [Mitglied der Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) innerhalb der Demokratischen Partei] die Bürgermeisterwahl in New York City. Er besiegte seinen Hauptgegner Andrew Cuomo [langjähriger Politiker der Demokratischen Partei] deutlich – mit 50 % der Stimmen gegenüber 41 % für Cuomo.
Wie schon bei seinem Sieg in der demokratischen Vorwahl im Sommer 2025 löste auch dieser Erfolg Kritik und Empörung von rechts aus – und zugleich ein elektrisierendes Gefühl von Freude und Hoffnung bei progressiven Kräften. Sein klarer Sieg zeigt eine ganze Reihe wichtiger Entwicklungen.
Sein Wahlerfolg und die Rekordzahlen an Unterstützerinnen und Unterstützern zeigen: Millionen Menschen sehnen sich nach Veränderung – nach echter Veränderung. Statt auf die Lügen und die Negativität vieler Wahlkämpfe hereinzufallen, entschieden sich die Menschen für einen ausgesprochen positiven und optimistischen Kandidaten. Statt den Hass, Rassismus und Sexismus zu akzeptieren, den Donald Trump und seine reaktionären Anhänger verbreiten, entschieden sie sich für eine Botschaft des Respekts und der Zugehörigkeit für alle. Das zeigt: Wenn Menschen die Wahl haben, unterstützen sie lieber etwas Positives, anstatt sich von Spaltung, Hass und Angst leiten zu lassen – so, wie es viele politische Kampagnen in den USA tun.
Mehr als eine Million Menschen unterstützten einen Kandidaten, der offen erklärte, dass er die Vorherrschaft der Milliardäre herausfordern will – jene, die unsere Welt und die Politik New Yorks beherrschen. Viele sind es leid, dass Leute wie Trump, Michael Bloomberg [Unternehmer und früherer Bürgermeister von New York, Milliardär], Bill Ackman [Hedgefonds-Manager], Ronald Lauder [Kosmetikerbe, Kunstmäzen und politischer Spender] und andere Superreiche immer reicher werden – auf dem Rücken arbeitender Menschen – und Städte wie New York für alle außer die Reichsten unbewohnbar machen. Mamdanis Erfolg ist eine klare Absage an diese Verhältnisse und an den Versuch, alles beim Alten zu lassen.
Sein Sieg zeigt auch: Geld gewinnt nicht immer. Zwar war es jahrzehntelang in der US-Politik so, doch diese Wahl hat gezeigt, dass selbst vergleichsweise kleine, aber gut organisierte Gruppen, die auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, gebündeltem Reichtum etwas entgegensetzen können. Über zwanzig Milliardäre aus New York gaben zusammen mindestens 40 Millionen Dollar aus, um Mamdani zu verhindern. Sie finanzierten wütende Hetzkampagnen: Mamdani würde New York in eine Ruine verwandeln, er sei Kommunist, unfähig zu regieren, ja sogar jemand, der sich über einen neuen 11. September freuen würde – und so weiter. Doch all das konnte seine positive Botschaft und das von zehntausenden Freiwilligen aufgebaute Wahlbündnis nicht aufhalten.
Mamdani ist der erste Bürgermeisterkandidat seit 1969, der mehr als eine Million Stimmen gewann. Er tat das, indem er zum ersten Mal in großem Umfang muslimische, ostafrikanische und südasiatische Gemeinschaften in die Politik einbezog. Er bekam die volle Unterstützung junger, progressiver Menschen, die politisch links der Mitte stehen und unter den unbezahlbaren Mieten und Lebenshaltungskosten der Stadt leiden. Er mobilisierte linke Teile der Gewerkschaftsbewegung. Sogar in Bezirken, in denen Trump und die Republikaner zuvor stark waren, gewann er viele Stimmen. Denn auch viele Trump-Wähler sehnen sich nach Veränderung, wurden aber getäuscht, was den Weg dorthin betrifft. Mamdani bot ihnen eine Alternative – und manche nutzten sie.
Er gewann diese Stimmen, weil er sich auf die wirklichen Probleme der Menschen konzentrierte: die Kosten für Miete und Wohnen, für Lebensmittel und Alltagsbedarf, für Transport und Kinderbetreuung. In Verbindung mit seiner unerschütterlichen Positivität und seiner Botschaft von Gemeinschaft und Zusammenhalt ist leicht zu verstehen, warum er so viel Unterstützung erhielt. Hoffnung auf etwas Besseres kann Menschen tatsächlich in Bewegung setzen – und tat es auch. Das zeigt: Wenn man den Menschen bessere, positive Alternativen anbietet, entscheiden sich viele genau dafür.
Doch wie bereits Anfang Oktober geschrieben wurde, steht Mamdanis Programm vor großen Herausforderungen. Es ist möglich – ja wahrscheinlich –, dass er nur einen Bruchteil seiner Ziele erreichen wird. Die Hindernisse sind enorm, und er wird sie kaum allein überwinden können. Nicht ohne eine größere Bewegung mit einer klaren Klassenperspektive.
Wie wir schon im Oktober geschrieben haben:
Um seine erklärten Ziele zu erreichen, braucht es eine echte Mobilisierung der arbeitenden Menschen, die weit über die bisherige Wahlunterstützung und kleine Reformen hinausgeht. Notwendig ist eine wirkliche soziale Bewegung, die aktiv gegen die wachsende Reaktion in den USA organisiert und für sozialen Fortschritt auf allen Ebenen kämpft.
Sie darf sich nicht auf Wahlen beschränken oder nur Politiker unterstützen, die im bestehenden System agieren.
Sie muss über Einzelthemen und Einzelpersonen hinausgehen und erkennen, dass Kapitalismus und die meisten Leiden in dieser Welt eng miteinander verbunden sind. Kein Politiker, keine Wahlkampagne kann eine organisierte Massenbewegung ersetzen, die wirkliche gesellschaftliche Macht entfalten kann.
Denn so wichtig New York City auch für die nationale und globale Wirtschaft ist – ebenso abhängig ist die Stadt vom Wohlergehen der Welt. So groß sie ist, sie ist nicht unabhängig. Ihre Wirtschaft und ihre Menschen sind untrennbar mit der Welt verbunden. Die großen Probleme lassen sich nicht Stadt für Stadt lösen. Die Menschen in New York sind – wie überall – bedroht durch Klimakatastrophen, Atomkrieg und Pandemien. Wir brauchen eine Politik, die all diese Krisen angeht.
Eine solche soziale Bewegung – in New York wie weltweit – würde bedeuten, dass Arbeiterinnen und Arbeiter sich an ihren Arbeitsplätzen organisieren, um sich gegen ihre Chefs, Manager und Konzernbesitzer zu wehren. Sie würde bedeuten, Streiks zu organisieren, um das Eigentums- und Profitrecht der Kapitalisten an der Produktion von Lebensnotwendigem – Essen, Kleidung, Wohnen – in Frage zu stellen.
Sie würde bedeuten, dass sich die Arbeiterklasse über Rassen-, Herkunfts- und Staatsgrenzen hinweg zusammenschließt. Dass Arbeiterorganisationen Verteidigungskomitees bilden, um nicht nur ihre Mitglieder, sondern alle arbeitenden und eingewanderten Menschen zu schützen.
Dass Arbeiter:innenviertel, ganze Städte sich gegen Razzien und Angriffe wehren, die uns spalten und einschüchtern sollen.
Dass es Massenmärsche in Großstädten gibt, aber auch organisierten Widerstand in kleineren Städten und Gemeinden.
Dass Streiks, die in wenigen Branchen beginnen, sich auf viele weitere ausweiten.
Dass Arbeiter:innen in großem Maßstab ihre Arbeit niederlegen, das System zum Stillstand bringen und damit den Profitfluss unterbrechen, von dem die Kapitalisten abhängen.
Keine Wahlkampagne und kein Politiker kann das leisten – schon gar nicht in einer Stadt, die von feindlichen Kräften umgeben ist. Das Äußerste, was Zohran Mamdani und andere wie er tun können, ist, das durch den Kapitalismus verursachte Leid etwas erträglicher zu machen oder sein Ausmaß zu verringern.
Mamdanis Kampagne hat den Schmerz, die Angst und die Frustration von Millionen arbeitender New Yorker über ihre Lebensbedingungen widergespiegelt – ebenso wie ihren Überdruss an Politikern des Establishments, egal ob Demokraten oder Republikaner.
Wer wirkliche Hoffnung auf die Zukunft haben will, darf sich nicht auf Politiker verlassen, egal welcher Partei – sondern muss sich selbst organisieren.
[Dieser Artikel erschien am 6. November 2025 auf der Website der us-amerikanischen sozialistischen Gruppe „Speak Out Now“: Mamdani’s Victory Not Enough to Make the Changes We Need]
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