Turboschwester
Nach dem Weggang der bisherigen stellvertretenden Pflegedirektorin
dürfte klar gewesen sein, auch in diesen Posten hievt Frau
Heepe eine mit ihr eng Verbündete. Geworden ist es Frau
Wortha-Hoyer. Durchaus bekannt an der Charité. Immer fleißig
studiert. Dann konnte es ihr wohl gar nicht schnell genug gehen,
den Pflegeberuf wieder an den Nagel zu hängen. Fast verständlich
– aber muss sie dann gleich Chefin werden…? Nun ist sie
zuständig für Personalmarketing und Implementierung innovativer
Personalentwicklungskonzepte. Bei dieser Art der Aufgabenbeschreibung
gruselt es uns schon ordentlich. Geschenkt, aber
wir erwarten, dass sie auch jetzt den Turbogang einschaltet und
endlich dafür sorgt, dass die Unmengen freier Stellen umgehend
besetzt werden. Sonst müssen wir sie an die Hochschule zurück
delegieren.
800 000 000 Euro
So beziffert der Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte den
jährlichen Gewinn, der mit der Krankenhausversorgung erwirtschaftet
wird. Tendenz steigend. Das ist schon ein ordentlicher
Batzen Geld. Der vor allem von den Krankenkassen eingebracht
wird, aber eben nicht der Gesundheitsversorgung ihrer Mitglieder
zu Gute kommt. Möglich wird dieser Gewinn durch die
Steuerung der Kliniken über die DRGs. Womit noch einmal
deutlich wird, wozu das Fallpauschalensystem in der BRD eingeführt
wurde. Kliniken sollen privatisiert werden und die Behandlung
von Krankheiten Kapital vermehren. Nicht nur Fresenius
träumt von den sog. Wertschöpfungsketten. Medikamentenproduktion,
Krankenhausbehandlung, Rehabilitation usw. Alles aus
einer Hand. Wird der Traum zur Wahrheit, dann werden es demnächst
in der Überschrift noch ein paar Nullen mehr sein. Das
Einzige, was stört, ist das leidige Personal. Aber auch daran arbeiten
sie ja.
Alle Wahlen wieder!
Frau Bachmann, saarländische Gesundheitsministerin, hat gerade
angekündigt, dass eine personelle Mindestausstattung im nächsten
Landeskrankenhausplan verbindlich festgelegt werden soll.
Na klar, muss sie ja. Schließlich sind in wenigen Wochen dort
Landtagswahlen. Und da verspricht jede Partei so Einiges. Bezeichnenderweise
hat sie vergessen zu benennen, wie diese Mindeststandards
denn aussehen sollen. PPR minus 10 Prozent, zwei
Kräfte mehr je Klinik und davon jeweils eine Servicekraft oder
monatliche Neubestimmung durch Frau Minister? Nein, die
streikbereiten Kolleg_innen in den saarländischen Kliniken lassen
sich hoffentlich nicht täuschen, denn eine wirkliche Entlastung
setzen wir nur mit dem gemeinsamen Arbeitskampf durch!
Nur weil es so traurig ist
Die Gesundheitsakademie hat noch Plätze frei. Für ihren Kurs
„Eltern sind besondere Angehörige – Kommunikation in der
Neonatologie und Pädiatrie“ sucht sie noch Teilnehmer_innen.
Die Planer hatten wohl nicht damit gerechnet, dass es dem Pflegemanagement
doch tatsächlich gelingen wird, noch mehr Kinderpflegekräfte
zu vergraulen. Auch den Kräften der Erwachsenenpflege,
die immer wieder für einzelne Schichten in die Pädiatrie
versetzt werden, fehlt es anscheinend an Kraft und Zeit, dieses
bestimmt interessante Seminar zu besuchen. Eben: Traurig!
Unschlagbarer Trainingszustand?
Offenbar haben sich ein paar Leute im Charité-Vorstand gedacht,
wenn die Pflegekräfte wegen des Personalmangels ständig wie
Speedy Gonzalez über die Flure huschen müssen, dann sind beim
nächsten Team-Staffellauf Plätze auf dem Siegertreppchen
gewiss. Oder warum sonst hat die Charité für den gleich mal 170
Startplätze geblockt?
Geschäftsmodell Ausgliedern – Spalten – Sparen
Sollte bei jemandem durch einige – bisher immer noch unverbindliche
– Sätze im Berliner Koalitionspapier der Eindruck entstanden
sein, das CFM-Modell des „Kosten sparen durch Belegschaft
spalten“ sei irgendwie aus der Mode gekommen, dem sei
ein Blick nach Freiburg empfohlen. Am dortigen Klinikum läuft
gerade die Ausgliederung des Technik-Bereiches – unter Federführung
eines Vamed-Managers. Haben die eigentlich bei Fresenius
ein geheimes Zombi-Labor, wo besonders effiziente Vollstrecker-
Manager und Kostensparer gezüchtet werden? Unsere
Erfahrungen mit den Vamed-Leuten Maßwig und Frede (die Älteren
werden sich noch erinnern) lassen so was durchaus vermuten.
Der kleine Unterschied
Weil wir gerade von Stasi-Frede sprachen. Da ist doch gerade
der Linke-Staatssekretär Holm aus dem Amt gekegelt worden,
weil er sich als Jugendlicher mit Mielkes Schnüfflern eingelassen
hatte. Sein „Spitzelkollege“ Frede (genau, der von der CFM) erfreut
sich allerdings immer noch eines wohldotierten Postens bei
Vamed. Wo liegt der entscheidende Unterschied? Nun, wer wie
Holm nach 1990 immer wieder unbequem aufgefallen ist (zum
Beispiel bei der Unterstützung von Mieterinitiativen), dem wird
aus seiner Vergangenheit schnell mal ein Strick gedreht. Wer allerdings
seine damals erworbenen „Fähigkeiten“ im Interesse des
Managements und der neuen Herren zu nutzen weiß, für den findet
sich immer ein warmes Plätzchen.
Alltägliche Bilder verändern
„Innerlich gekündigtes Personal, schlecht bezahlte Hilfskräfte
mit entsprechender Motivation, überarbeitete und übermüdete
Pflegekräfte, die nur noch versuchen, den größten Schaden abzuwenden,
sind alltägliche Bilder in jeder Klinik von Deutschland.“
Mit dieser uns leider nur zu vertrauten Schilderung hat Jana Langer,
Krankenschwester aus Ulm, in den letzten Tagen für ordentlich
Wirbel im Internet und in der Öffentlichkeit gesorgt. In einem
offenen Brief an Kanzlerin Merkel schilderte sie, wie das
Gesundheitswesen uns alle krank macht. Tausende positiver
Kommentare zeigen, wie viel Unterstützung durch die Öffentlichkeit
es für unseren Kampf um eine bessere Pflege gibt. Eine
Bemerkung können wir uns im Wahljahr 2017 allerdings nicht
verkneifen: Für eine wirksame Veränderung können wir uns
nicht auf die Politik verlassen. Um unsere Belange müssen wir
uns nun mal selber kümmern.
Der Warnstreik am Mittwoch war da ein guter Anfang, der der
CFM klargemacht hat, dass unsere Geduld nicht endlos ist. Dass
selbst bei so kurzfristiger Mobilisierung eine gute Streikbeteiligung
möglich war, sollte uns allen Mut machen. Da geht noch
mehr…
