Der Zugfunke – 26. Januar 2017Löhne steigern statt Profite!
Die Bahn mit ihren 1,8 Mrd. Gewinn 2016 steht nicht alleine da. Die deutschen Konzerne insgesamt haben im letzten Jahr Rekordgewinne erzielt. Die operativen Gewinne von den 100 größten Unternehmen sind um 24% auf 89,5 Mrd. € gestiegen. Da die Umsätze gleichzeitig gefallen sind, bedeutet das ,dass die Ausbeutung verschärft wurde. Zum Beispiel durch Entlassungen und Mehrarbeit der Verbleibenden. Die angeblichen „Schwierigkeiten“ der Unternehmen sind einfache Lügen. Das Prinzip: Jammern – Stellen abbauen – Arbeit verdichten – satte Gewinne einfahren… kennen wir zu gut aus unserem „eigenen“ Laden.
Die Gewinne zeigen vor allem: Es gibt Einiges zu holen!
Von Anfang an richtig
Die Schlichtung läuft und wir erfahren nichts. Aber eigentlich wissen wir, dass die Bahn unsere Forderungen nach Belastungssenkung nicht erfüllen will, wenn wir nicht durch Streik Druck machen.
Erinnern wir uns an 2014/15: Die vielen kurzfristig angekündigten Kurzstreiks zu Anfang haben zwar Kraft gekostet (und Fahrgäste entnervt), aber die Chefetage kaum beeindruckt. Erst als wir am Ende einen Streik ohne festes Ende hatten, im gemeinsamen Streiklokal unsere Köpfe zusammenstecken konnten und von Tag zu Tag weniger Züge fuhren, haben wir unsere eigene Stärke gespürt. Damals haben viele gesagt, wir hätten von Anfang an durchziehen sollen! Das ist sogar für die Fahrgäste besser einzusehen als ein ständiges Hin und Her. Wenn also nach der Schlichtung nicht 5+2 auf dem Tisch liegt, sollten wir gleich richtig einsteigen!
Lockvogel abgeschossen
Gönnerhaft wendet sich Herr Weber mit einem „persönlichen“ Brief an uns, in dem er ankündigt, dass die DB allen Kollegen auch ohne tariflichen Anspruch die Einmalzahlung von 550 € brutto auszahlt. Natürlich mit dem Ziel alle „Arbeitnehmer“ gleich zu behandeln. Wie wäre es denn, erst mal dafür zu sorgen, dass alle KINs bei Regio den gleichen Lohn bekommen?
Wir brauchen keine „Geschenke“ im Voraus, die eh mit dem zukünftigen Abschluss verrechnet werden!
Wir lassen uns damit nicht ruhig stellen, falls die DB keine der konkreten Arbeitszeitforderungen erfüllt! Was wäre, wenn wir aus Uli´s Lockvogel „Einmalzahlung“ eine kleine Streikkasse anlegen würden?
Wir sehen alle schlecht
Ein Kollege hat eine Zivilklage am Hals: Ein Fahrgast hat es nicht ganz vollständig in den Zug geschafft. Die Schuhspitze guckte noch raus, trotzdem schloss die Tür und der Tf konnte abfahren. Der Fahrgast hat sich dabei verletzt und klagt.
Im Berufsverkehr gibt es laufend Situationen, wo wir bei totalem Andrang schließen müssen. Doch das System ist einfach labil. Bei der Monitorqualität ist vieles nicht zu sehen. Und die Türüberwachung meldet nicht immer, wenn was eingeklemmt ist. Aber wer hat‘s erfunden?
Die S-Bahn muss die Verantwortung übernehmen und sich hinter den Kollegen stellen!
6 aus 49 oder 1 aus 14?
Der Einsatz der 648er bei Regio ist ein Glücksspiel. Von 14 Triebwagen fährt an manchen Tagen nur ein einziger. Den will auch keiner haben, weil es sehr wahrscheinlich ist, dass die Karre nicht so will, wie sie soll. Die Unterlagen aus der Ausbildung sind so mangelhaft, das es einer Lotterie gleichkommt, den Fehler auf Anhieb zu finden.
Wir sollten es ablehnen, unter solchen Bedingungen zu arbeiten.
Schon Frist abgelaufen?
Aus dem Zukunft Bahn-Papier: Aufgrund „neuer, wartungseffizienterer Flotten und von IH-Optimierungsprogrammen“ wären „zwischen 2011 und 2015 die Fertigungsstunden um ca. 12% gesunken (von ca. 20 auf <18 Mio. Stunden)“. Nun soll noch „eine Flexibilisierung der Arbeitszeitsysteme, vor allem eine Erhöhung der Nachtschichtanteile folgen.“ Warum gehen dann noch Züge mit defekten Toiletten, Türen und Antrieben ins Rennen, wenn doch 2 Mio. Stunden für die Reparaturen übrig sind? Und können Toiletten nur nachts repariert werden? Könnte es sein, dass die Fertigungsstunden durch Fristenspreizungen und Fristverlängerungen eingespart wurden? Riecht ganz schön danach, dass uns die Schlaubischlümpfe aus dem Management mal wieder nur was unterjubeln wollen, um Arbeitszeiten in der Werkstatt zu flexibilisieren. Unser Vorschlag: Es sollte kein Zug den Hof verlassen, an dem noch Reparaturen offen sind! Im Kreis reden
Drei Jahre wurde über die BV Arbeitszeit bei der S-Bahn verhandelt. Was jetzt auf dem Tisch liegt und unterschrieben werden soll, schreibt bestenfalls wieder fest, was eh schon schlimm genug war. Wollen wir das?
Die S-Bahn-Leitung hat nur einmal mehr gezeigt, dass sie gern im kleinen Kreis hinter geschlossenen Türen rumsabbelt. Unsere Argumente zählen dabei nicht. Wenn wir wollen, dass sich was bewegt, müssen wir laut sagen, was wir wollen und gemeinsam Druck machen.
Durch Verschlechterungen glücklich?!
Ein BR-Info springt der S-Bahn-Geschäftsführung zu Seite, die behauptet, die Lrfs seien ganz zufrieden mit den neuen Regelungen ab Februar. Mehr Schichten, Rangierteams auseinandergerissen, Flexibilität… das droht den Lrfs. Eine Anpassung an die bereits bestehenden schlechten Regelungen bei den Streckenlokführern ist das. Das sollen die Lrfs gewollt haben? Aber es gab nie eine Diskussion mit allen Betroffenen und nie eine offene Abstimmung! Das wäre der einzige Weg herauszufinden, was die Lrfs wollen.
Wenn demnächst die unzufriedenen Lrfs Züge zum Bahnsteig bringen sollen und das Ganze nicht reibungslos laufen sollte, wird das Management bestimmt versuchen, die Tfs einzuspannen. Doch es gibt keinen Grund, den Chefs aus der Patsche zu helfen. Die Verschlechterungen müssen weg.
