
Am 27. Oktober 2023 begann in den schwedischen Teslawerken ein Streik von 130 Mechaniker:innen, der bis heute andauert und sich ausgeweitet hat. Die schwedische IF Metall Gewerkschaft streikt das erste Mal wieder seit 15 Jahren. Es geht um viel, Tesla hat weltweit in keinem einzigen Werk einen Tarifvertrag, die Gewerkschaft IF Metall will jetzt einen erkämpfen. Im „schwedischen Modell“, welches seit den 1930ern für den „sozialen Frieden“ sorgt, haben 90 Prozent der Arbeitsplätze einen Tarifvertrag – Tendenz sinkend, denn immer mehr Unternehmen wollen aus diesem Modell heraus.
Am 27. Oktober begann alles mit 130 Mechaniker:innen in elf Tesla Werkstätten, die keine weiteren Tesla-Fahrzeuge mehr warten wollten. Als Tesla sich weigerte weiterhin keine Gespräche zu führen, schlossen sich Mechaniker:innen in 17 von Tesla autorisierten Werkstätten an. Die IF Metall forderte ihre Mitglieder auf, dass sie weiterhin andere Fahrzeuge reparieren sollen, nur eben keine von Tesla.
Mitte November beschloss die schwedische Transportgewerkschaft in Solidarität mit den Tesla Streikenden das Entladen von Tesla-Autos in den schwedischen Häfen einzustellen. Der Transport-Vorsitzende Tommy Wreeth betonte, dass der Tesla Streik ein Kampf der gesamten schwedischen Arbeiter:innenbewegung sei und deswegen dürfe kein neuer Tesla mehr schwedischen Boden berühren. Mehrere Gewerkschaften haben sich dem Streik aus Solidarität angeschlossen: Elektriker:innen warten keine Tesla-Ladesäulen, Reinigungskräfte säubern Teslas Werke nicht mehr, Postbeamt:innen liefert keine Post mehr an und von Tesla aus – in Schweden werden auch neu zugelassene Nummernschilder per Post ausgeliefert, Maler:innen lackiert keine Tesla-Autos, Bauarbeiter:innen führen in Tesla-Werkstätten keine Reparaturen mehr durch und die Müllabfuhr holt nicht mehr den Müll von Tesla ab. Diese Art der Solidaritätsstreiks sind in Schweden erlaubt und haben auch eine gewisse Tradition auch wenn in den letzten Jahrzehnten nicht viel gestreikt worden ist.
Ein Kampf David gegen Goliath?
Ein langer Atmen wird nötig sein, denn Tesla wird alles dafür tun, um einen Tarifvertrag zu verhindern. Tesla ist ein riesiges Unternehmen mit fast 130.000 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von 81,5 Milliarden Dollar im Jahr 2022. In Schweden fielen letztes Jahr „nur“ eine halbe Milliarde an Umsatz an und 130 streikende Teslabeschäftigte ist nicht viel bei weltweit 130.000. Bisher ist es Tesla gelungen, die Auswirkungen des Streiks in Grenzen zu halten. Das schwedische Management rekrutiert Streikbrecher:innen, die zum Teil aus anderen Ländern eingeflogen werden. Tesla-Fahrzeuge werden im Ausland registriert und über Dänemark eingeführt. Und bisher trifft der Streik vor allem die Personen, die einen Tesla besitzen, die ihn an immer weniger Ladesäulen laden oder in Werkstätten reparieren lassen können. Die IF-Metall ist auf einen langen Kampf eingestellt, die Streikkasse ist gut gefüllt und die Gewerkschaft zahlt den Streikenden sogar 130 Prozent ihres Lohns als Streikgeld, um die Moral oben zu halten und Streikbruch zu verhindern.
Die Ausweitung der Solidarität ist ein wichtiger nächster Schritt. Die dänische Transportgewerkschaft 3F verkündete am 5. Dezember, dass ihre Chauffeur:innen keine Tesla Fahrzeuge mehr nach Schweden überstellen werden. Es ist auch notwendig, wenn der Streik gewonnen werden soll, dass der Druck auf Tesla steigt und sich Beschäftigte in anderen Ländern anschließen. Die deutsche Gewerkschaft IG Metall erklärte sich zwar solidarisch mit dem Streik, aber bisher folgten dem keine Taten – obwohl seit dem Oktober 2023 die IG Metall verstärkt versucht in der Tesla Gigafactory bei Berlin gewerkschaftlich Fuß zu fassen, denn auch in den deutschen Standorten gibt es keinen Tarifvertrag. Gegen internationale Konzerne hilft auch nur die praktische internationale Solidarität der Arbeiter:innenklasse.
Karl Gebhardt, Berlin
