Streiks in Deutschland als Antwort auf die Inflation

Die Löhne werden zur Zeit von der Inflation aufgefressen und fast jede:r erwartet mit großer Sorge die kommenden Preissteigerungen und die nächste Gas- und/oder Stromrechnung. Da sind hohe Lohnforderungen der Gewerkschaften nur verständlich. Im Jahr 2022 verhandeln die Gewerkschaften des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) für Rund 10 Millionen Beschäftigte. Die bisherigen Abschlüsse sind eher mager ausgefallen. Vor allem durch Druck von der Basis sah sich die Gewerkschaftsbürokratie zum Umlenken gezwungen. Ein Überblick.

Bodenpersonal Flughafen

Die Reisehauptsaison nutzte ver.di um beim Bodenpersonal zum Teil kräftige Lohnerhöhungen durchzusetzen. Durch fehlendes Personal wuchs der Arbeitsdruck in den letzten Monaten enorm und durch die steigenden Preise war ein Leben mit den niedrigen Löhnen kaum noch möglich. Den Anfang für die zum Teil kräftigen Lohnerhöhungen machten im Juni/Juli die Beschäftigten verschiedener kleiner Unternehmen. Für circa 6000 Beschäftigte gab es Lohnerhöhungen zwischen 14 und 26 Prozent. Bei Aviapartner in Düsseldorf und Hannover erhöhen sich die Löhne um 300 Euro, bei Fraground in Frankfurt um 14 Prozent plus 700 Euro Einmalzahlung. Bei Aviation Handling Services sind es bis zu 26 Prozent.

Die 20.000 Beschäftigten bei der Lufthansa zogen nach. Am 04.08. einigte sich die Lufthansa mit ver.di auf mindestens 325 Euro mehr pro Monat. Vorher gab es einen eintägigen Streik der große Auswirkungen hatte. Es kam zu 1000 Flugstreichungen und die Lufthansa verlor an nur einem Tag 35 Millionen Euro. Dies zeigt zum einen welche enorme Kraft die Arbeitenden haben, aber auch, dass noch mehr drin gewesen wäre. Auf Grund dieser Ergebnisse stimmten die Piloten der Lufthansa für einen Streik. Wann dieser kommen soll, ist aber noch unklar.

Tarifrunde IG-Metall – 8 Prozent sind nicht genug

Für mehr als 3,8 Millionen Arbeiter:innen in der Metall- und Elektroindustrie laufen Verhandlungen. Ende Oktober endet die Friedenspflicht und dann kann es zu Streiks kommen. 8 Prozent mehr Lohn fordert der Vorstand der IG-Metall. Das klingt erst mal viel. Ist aber viel weniger, als in vielen Betrieben diskutiert worden ist. Oft wurden Lohnsteigerungen zwischen 10 und 15 Prozent gefordert – insbesondere in den großen Konzernen wie zum Beispiel Daimler (im Werk Untertürkheim 11 Prozent) oder Porsche (im Werk Zuffenhausen 10,5 Prozent). Das der Unternehmerverband VDMA diese Forderungen als zu hoch ablehnt, ist klar, aber auch der IG-Metallchef Hoffmann betonte, dass man die Industrie nicht zu stark belasten darf. Auch in IG-Metall-Gremien wurde bereits kommuniziert, dass bei den Tarifkommissionssitzungen Anfang September nochmals auf die Forderung geschaut werden und gegebenenfalls nach unten korrigiert werden müsse. Angesichts der Reallohnverluste in den letzten Jahren, 4 ½ Jahre ohne tabellenwirksame Erhöhung und der extrem hohen Inflation bei gleichzeitig hohen Unternehmerprofiten, sind 8 Prozent zu wenig. Gleichzeitig muss die Tarifrunde auch als Möglichkeit genutzt werden, Entlassungen zu verhindern. So hat Ford angekündigt, das Werk in Saarlouis zu schließen, Evobus will in Mannheim und Ulm 1600 Arbeitsplätze vernichten und Siemens in Berlin über 400.

Öffentlicher Dienst in Bund und Kommunen.

Für die 2,1 Millionen Beschäftigte in Bund und Kommunen läuft am Ende des Jahres der Tarifvertrag aus. Zurzeit läuft bei ver.di eine Mitgliederbefragung über die Forderungen, die am 11.Oktober zur ersten Verhandlungsrunde präsentiert werden sollen. Auch hier ist ein bestimmendes Thema die steigenden Preise.

Wie weiter?

Deutschland ist nicht das einzige Land, indem gerade für höhere Löhne und gegen die Preissteigerungen gekämpft wird. In Italien gab es bereits im April und Mai große Streiks – auch für die Erhöhung der Sozialausgaben – im Juni streikten in Großbritannien und Belgien Hunderttausende für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Der Arbeiter:innenklasse geht es in ganz Europa an den Kragen. In Deutschland versucht die Regierung mit Tankrabatten, 9-Euro Tickets und anderen Aktionen die Krise etwas abzufedern, aber helfen werden vor allem Lohnsteigerungen die mindestens so hoch sind wie die Inflation. Das wird uns aber ohne Streiks nicht gegeben.

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