
„Geld regiert die Welt.“ Diesen neunmalklugen Satz kann man auch auf den „Volkssport“ Fußball anwenden. Seit Jahrzehnten wird der Fußball von allerlei Milliardären gekapert. Auch in der Bundesliga ist dies längst Standard.
Neben der „Werkself“ des Pharmaunternehmens Bayer oder dem von VW durchfinanzierten VfL Wolfsburg, erscheinen immer wieder alte weiße Männer mit millionenschweren Geldbörsen wie Dietmar Hopp und das Softwareunternehmen SAP bei der TSG Hoffenheim oder das RedBull Mateschitz in Leipzig als sogenannte „Fußballmäzene“. Doch auch bei Traditionsvereinen sind solche „Mäzene“ nicht weit, wie bei Schalke mit Tönnies, der Hertha mit Windhorst oder Bayern mit Hoeneß.
So steht auch der Hamburger SV und die Connection zu Klaus Michael Kühne (Kühne & Nagel AG) seit Wochen in der Presse – mit seinem 120 Millionen Euro Angebot. Dabei ist Kühne nicht der „hanseatische Saubermann“, wie er sich gerne präsentiert, sondern an diesem Geld klebt Blut.
Das Geld des Klaus
Die Kühne und Nagel AG (K+N) ist das drittgrößte Logistikunternehmen der Welt mit einem Jahresumsatz von ca. 24 Mia. Euro. Klaus Kühne hat ein geschätztes Privatvermögen von 33,4 Milliarden Dollar, lebt im Schweizer Steuerparadies und ist während der Coronakrise nochmal so richtig reich geworden.
Das Unternehmen gibt sich selbst als Familienunternehmen mit langer Tradition.
Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde der jüdische Teilhaber Adolf Maass entschädigungslos von Klaus-Michael Kühnes Vater und Onkel aus dem Unternehmen gedrängt und 1945 in Auschwitz ermordet. Bis zum Kriegsende 1945 erwirtschaftete das Unternehmen enormen Reichtum und ihm wurde mehrere Male ein Gau-Diplom als „NS-Musterbetrieb“ überreicht. Im NS-Staat ließ K+N seine Konkurrenten hinter sich, wobei ein direkter Draht zum Reichsfinanzminister half. In den von den Deutschen besetzten Gebieten in Westeuropa waren sie die einzige Spedition die bei der „Aktion M“ (Möbel) im großen Stil mitmachen durfte. Bei dieser Aktion wurden die Wohnungen jüdischer Deportierter geräumt, ins Reich transportiert und verkauft. Allein in Westeuropa waren dies die Wohnungseinrichtungen von 70.000 jüdischen Familien. Auch in Osteuropa war K+N aktiv und auch bei den Aktionen des „Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg“ bei denen Kunstgegenstände aus den besetzten Gebieten geraubt worden sind.
Frank Bajohr, Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien, attestiert der damaligen Tätigkeit von K+N eine „relative Nähe zum Massenmord“. Die Spedition habe „eine Form von Leichenfledderei“ betrieben. Nach 1945 durchliefen das Unternehmen und die Eigentümer einen recht typischen Pfad. Sie wurden von den Alliierten als „Mitläufer“ eingestuft und hätten das Unternehmen nicht mehr leiten dürfen. Durch eine Intervention der CIA wurden sie dann allerdings als „entnazifiziert“ eingestuft. Auf Grund ihrer Tätigkeit als Logistikunternehmen hatten sie überall in Europa gute Kontakte und Erfahrungen. K+N wurde als Tarnunternehmen gebraucht, um die Organisation Gehlen (Vorläufer des BND) aufzubauen. Diese wurde unter anderem im Kampf gegen die Sowjetunion im Kalten Krieg benötigt. Wenn man ein nützlicher Verbrecher ist, wird die Vergangenheit schnell zur Nebensache.
Aufarbeitung? Fehlanzeige! Seit 2015 gibt es zwar ein prinzipielles Eingeständnis einer Teilschuld, vorher hieß es, dass die Zeit zwischen 1933 und 45 nur eine „geringe Relevanz für die Firmengeschichte“ hatte.
Reclaim the Game
Nun ist es weder Ungewöhnlich, dass ein deutsches Großunternehmen in der Nazizeit riesige Gewinne mit Verbrechen erwirtschaftet hat, noch dass ein Unsympath Fußballmäzen ist. Vielmehr hat es System, dass Unternehmer ihr „schmutziges“ Geld in Fußballvereine stecken. Für die Fans gibt es dabei nur eine Lösung. Wie die Fanproteste rund um die Super-League letztes Jahr unter dem Motto „Created by the Poor, Stolen by the Rich“ gezeigt haben, müssen wir den Mateschitzs, Hopps und Kühnes dieser wunderbaren Fußballwelt die rote Karte zeigen!
