Noch mehr Öl ins Feuer?

Haben wir das Wort?

Die Aufsichtsratswahl ist vorbei. Der Aufsichtsrat funktioniert so, dass die Arbeitnehmervertretung weniger Stimmen als die Betriebsleitung hat; im Falle eines Abstimmungspatts hat der Kapitalvertreter eine zusätzliche Stimme: es lebe die Demokratie!

Was ist der Sinn eines solchen Systems?

Unter den Arbeitnehmervertreter:innen im Auf­sichtsrat sind nur 3 Vertreter:innen zwangsläufig vom Betrieb. Da es nicht viele Debatten im Vor­hinein gibt, werden sie eher nach ihrer regionalen Herkunft gewählt: die Berliner:innen stimmen für den Berliner, die Bayerischen Kolleg:innen eher für „ihre“ Bayerische Kandidatin…

Wenn der Stellenabbau aber droht (wie vor zwei Jahren in Eichstätt, wo der Standort letztendlich schloss), dann spielt gerne der Arbeitgeber die verschiedenen Standorten gegeneinander aus.

Auch wenn wir hier in Berlin die XGlBO-Produktion von Eichstätt bekommen haben, wird sicher die Zeit des Stellenabbaus irgendwann wiederkommen. Dann werden alle Kolleg:innen aller Standorte im selben Boot sitzen. Dann werden wir als eine Belegschaft reagieren müssen!

Noch ein Glas? Das letzte!

Die ursprüngliche Abschaltung der Öfen wurde um eine Woche verschoben. Osram-Berlin wird wei­terhin Glas benötigen, aber das Glas wird dann einfach importiert. Wie gut bzw. schlecht die Kolleg:innen in den entsprechenden Glasfirmen bezahlt werden; darüber wird uns Osram bestimmt nicht informieren.

Und was den riesigen Energieaufwand angeht um Glas zu verflüssigen: dieser wird auf die CO2-Rechnung der jeweiligen Länder aufgeschlagen. So wird die Politik angeben können, dass Deutschland schnell „Co2-Neutral“ wird!

Ist die Schließung des Glaswerks ein Fortschritt?

Seit 1927 zieht OSRAM-Berlin rund um die Uhr Glasrohre. Die maschinelle Massenpro­duktion von Glühlam­penkolben war die erste ihrer Art auf dem euro­päischen Kontinent. Zu der Zeit war sowohl die Erzeugung von Lampen sowie die Energie um Licht zu produzieren ein unheimlich größerer Aufwand als heute. Von der Glühlampe bis zu den LEDs, über die Halogenlampe: was für Fortschritte! Merkwürdig ist, dass Osram jeden Schritt dieses Fortschritts für sich genutzt hat. Wegen des Halogenverbots (2018) sollten wir kompromissbereit sein, und jetzt soll noch die ams-OSRAM-Gruppe „der unangefochtene Marktführer für Optische Lösungen“ werden. Wozu? Über Jahre hinaus bleibt für Osram, Licht zu produzieren eine zweitrangige Sorge. Hauptziel ist Gewinne zu generieren.

Konti-Schichten im Glaswerk vorbei, aber…

Jahre lang haben dieser komische Schichtplan den Kolleg:innen des Glaswerks ihre Wochenenden versaut. Die Öfen konnten tatsächlich nicht für 48 Stunden abgeschaltet werden.

Mit der XBO-Linie ist dies aber nicht der Fall. Wie in vielen Industriebranchen würde eine Produktion am Wochenende nur darauf abzielen, die Linie so intensiv wie möglich auszubeuten. Bis die Gewinnquelle ausgeschöpft ist. Und dann?

Doppel ausgebeutet

Es gibt andere Leute bei uns, die auf dem Betriebsgelände rund um die Uhr arbeiten: die Pförtner. Genauso wie die Kolleg:innen der Reinigung (auch Gegenbauer) kriegen sie die schlechteren Löhne des Ladens. Warum? Weil zuerst Osram von ihrer Leistung profitiert, und auch Gegenbauer einen Teil des Mehrwerts kassieren will. So verstehen sich die Räuber.

Veräppeln kann ich mich selbst

In ihrem Brief über die Ausschüttung der Gewinn­beteiligung 2021 strengten sich der CEO Everke und seine Kumpels (Finanz und Business) an, uns drei mal zu danken. Das ist verdächtig. Die Summen die als Umsatz genannt werden sind tatsächlich tausende Millionen, also Milliarden! Die Auszahlung die für uns zur Verfügung steht, beträgt 5% der Ergebnisse. Wie viel Prozent der übrigen 95% kriegen die Aktionär:innen?

Die Inflation steht zur Zeit bei um die 7% und steigt weiter. Die karge Summe die uns jetzt überwiesen wird, deckt nicht mal ein Drittel von dem was wir schon in diesem Jahr an Kaufkraft verloren haben. Die Betriebsleitung schämt sich nicht Extragewinne zu kassieren, und erzählt uns sogar, dass wir noch Glück haben überhaupt etwas zu bekommen!

Im Herbst kommen die Tarifverhandlungen von der Metall- und Chemieindustrie zusammen: das wird Krach geben!

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