Das Krankenhaus und der Profit

Wir haben das noch mal durchkalkuliert. Ist nichts Persönliches, aber ihre Heilung ist für uns betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll. Beachten sie auch unsere günstigen Tarife für die Sterbehilfe – bei Organspenden gibt es Rabatt.“

Was heute noch wie ein schlechter Scherz klingt, könnte bald bittere kapitalistische Realität werden. Zumindest wenn es nach der Logik der im Juli veröffentlichen Bertelsmann-Studie geht, durchgeführt vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung. Die Kernaussage dieser Studie lautet: Von den momentan rund 1400 Krankenhäusern in Deutschland sollen weniger als 600 erhalten bleiben.

Nur durch die Schließung von Kliniken könnten angeblich Personalmangel beseitigt sowie bessere Ausstattung und höhere Qualität erreicht werden. Die Reduzierung der Anzahl von Kliniken wird damit begründet, „dass viele Krankenhäuser zu klein sind, nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle zu behandeln“. Durch eine Verringerung der Anzahl von Kliniken, behauptet die Studie, könnte eine Vielzahl von Komplikationen und Todesfällen verhindert werden. In Zukunft solle vor allem die Qualität der Krankenhäuser im Fokus stehen und nicht mehr die Erreichbarkeit oberste Priorität haben.

Halt, Bertelsmann? Richtig – wir sind im Gütersloher Reich von Medienzarin Liz Mohn. Mit einem Vermögen von (geschätzt) 3,3 Milliarden US $ belegt sie Platz 715 der aktuellen Forbes-Liste der Reichen dieser Erde. Ihre Tochter Brigitte Mohn ist seit vielen Jahren sowohl im Vorstand der Stiftung als auch im Aufsichtsrat der privaten Rhön-Kliniken platziert. Eine Tatsache, die den großen „Qualitätsmedien“ beim Abfeiern der Studie irgendwie nicht der Erwähnung wert war.

Überhaupt war das Medienecho gut vorbereitet und ausreichend finanziert – es wurde das Beste an Expert_innen und Journalist_innen aufgeboten, das für Geld käuflich war – denn aus ihrer Sicht könnte man mit ausreichend Propaganda selbst Hühner dazu bringen, den Fuchs zu ihrem Anführer zu wählen. Ähnlich pompös war einer der letzten großen Angriffe auf das Gesundheitswesen, die Durchsetzung des DRG-gestützten Abrechnungssystems in den Krankenhäusern unter Gerald Schröder. Mit umfangreichen Studien war ganz vorne mit dabei – Bertelsmann. Dass dieses Abrechnungssystem neben der unzureichenden Finanzierung maßgeblich für die heutigen Probleme an vielen Krankenhäusern verantwortlich ist, hat die Studie schlicht übersehen – rein zufällig? Wer´s glaubt…

Zurück zur aktuellen Studie. Neben Qualität und Personalmangel steht hier vor allem eins im Fokus: die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesen. Aus einem unternehmerischen Blickwinkel sind weniger, aber dafür größere Krankenhäuser weitaus profitabler. Und mit einem derzeitigen Umsatz von 100 Mrd. Euro reiben sich private Krankenhaus Konzerne wie Fresenius-Helios (wozu auch die Rhön Kliniken gehören) die Hände, wenn diese Pläne durchgesetzt werden. Und wie das für die Bevölkerung aussieht sehen wir z.B. in Griechenland, welche Verheerungen die Einsparungen und Privatisierung auf Druck der Troika angerichtet haben. Ähnliches in Großbritannien, wie sowohl Labour als auch die Konservativen über Jahre das Nationale Gesundheitssystem gezielt gegen die Wand gefahren haben – im Namen der Wirtschaftlichkeit.

Seien wir keine Hühner und jagen wir die Füchse vom Hof. In einem Krankenhaus kann und darf es nicht um kapitalistische Betriebswirtschaft gehen. Es ist zu spät,wenn der Arzt an deinem Bett sagt: „Sie rechnen sich nicht mehr. Ich schalte jetzt die Geräte ab.“ Das Genfer Gelöbnis der Mediziner_innen fordert:„Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten werden mein oberstes Anliegen sein.“ Nur das kann unser Maßstab sein, egal wie unwirtschaftlich es auch scheinen mag.

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