Aus Vielen macht Eins

Aus Vielen macht Eins

Es ist soweit: ab Montag wird gestreikt! Und bisher gab es sehr selten die Situation, dass Kliniken unter verschiedener Trägerschaft gemeinsam für ihre Forderungen in den Ar­beitskampf treten. Auch sehr selten, dass es gemeinsame Streiks in Kliniken und deren Tochterfirmen gibt. Dies ist wirklich ein großer Fortschritt und wir sollten bei jedem An­gebot, jeder Verhandlungsrunde, jedem Trick, jeder Veröf­fentlichung der Chefs darauf achten, dass wir diese wert­volle Einheit nicht aufgeben. Uns nicht spalten lassen. Denn Entlastung gibt es nur mit dem TVöD für alle und Mehr Personal!

Wenn es sich nicht rechnet, dann macht doch zu

Die Umsetzung des TVöD für alle würde laut den Chefs 8 Millionen jährlich kosten, bei den Vivantes-Töchtern 35 Millionen. Das wäre einfach zu viel und würde die Existenz der Firmen gefährden. Doch wir haben in den letzten Jahren zusammen weit mehr Lohneinbußen hinnehmen müssen. Rechnet es nach! Während die Chefs erfolgsabhängige Prämien kassierten, also je weniger Lohn sie uns zahlten, desto besser für sie. Klar – die Politik ist schuld, doch die Chefs haben diese Politik umgesetzt und damit selbst ihre Karriere voran getrieben. Darum wechseln sie ja auch gerne und schnell ihre Aufgabenbereiche und Firmen, damit sich niemand mehr erinnert, an welchen Schweinereien sie be­teiligt waren. Viele wütende Grüße an Sarazin, Schäfer, Einhäupl und Co.

Danckert, alter Rechenkünstler,

du bist derzeit der kommissarische Geschäftsführer bei Vivantes und hast vorher den Kolleg:innen im Neuköllner Klinikum schon die Arbeit zur Hölle gemacht. Jetzt behaup­test du gegenüber der Presse, dass eine Pflegekraft bei Vivantes 5,4 belegte Betten betreut. Diese Zahl sagt gar nichts aus und das weißt Du sehr genau. Was ist für dich denn alles eine Pflegekraft? Ist die ITS genauso zu beset­zen wie eine Augenstation? Ist die Pflegekraft 24 Stunden am Tag bei den Patient:innen? Frei, Urlaub, Krank gibt es nach dieser Rechenmethode wohl nicht? Egal, wir haben es erkannt als das was es ist: Eine üble Propagandamethode eines Chefs, der sich die nächsten Bonuszahlungen auf unsere Kosten sichern will!

Und kommt uns nicht mit Patientengefährdung

Seit 10 Jahren thematisieren wir immer wieder den Perso­nalmangel in den Kliniken, ob bei Charité, Vivantes oder anderen Krankenhäusern. 2015 erzwangen wir uns mit einem langen Streik Gehör, brachten uns 2017 in Erinne­rung. Seit dem 12. Mai 2021 lief unser Ultimatum. Damit wusste der Vorstand der Charité und die Geschäftsführung von Vivantes von unseren Forderungen und auch, dass wir uns nicht unser Recht auf Streik nehmen lassen werden. Es gab also genug Vorbereitungszeit, um unsere Forderungen umzusetzen und um Patientengefährdung auszuschließen. Doch die Herrschaften dachten, sie können es aussitzen. Nicht unser Streik gefährdet die Patient:innen, sondern die Chefetagen. Sie sind nicht ein Stück auf uns zugekommen und wollen jetzt die Patient:innen zu Geiseln ihres Willens nehmen, unseren Streik zu brechen.

Tarifvertrag CFM – so schwierig wie es zu erwarten war

Wir Kolleg:innen von der CFM haben lange und schwer ge­kämpft für eine Tarifeinigung – doch wenn wir dachten, die CFM Geschäftsführung macht mal das, was sie unter­schrieben hat, haben wir uns getäuscht. Erst dauert es ewig bis was passiert und dann bekommen wir Änderungs­verträge, die mehr als ominös sind: Standortflexibilisierung, einseitige Stundenkürzungen, falsche Eingruppierung, Weg­fall von Sonderzahlungen. Wie bitte? Bevor irgendetwas unterschrieben wird, Vertrag mit nach Hause nehmen und ganz genau prüfen – denn das ist nicht verboten!

Pfleger:innen hört die Signale

Das Komittee Krömer, Eysel (Vorstand Personal & Pflege) und Heepe haben sich mit einer Videobotschaft an das (Charité) Volk gewendet bzgl. der anstehenden Tarifver­handlungen. Aus ihrer Sicht sind die Verhandlungen ein „richtiges Signal zur richtigen Zeit“. Doch ob sie uns wirklich „Stabilität und Planbarkeit in der Arbeitsbelastung, gute ta­rifgesicherte Vergütung und Arbeitszeiten“ „schenken“, ist mehr als fraglich.

Stri – Stra – Strategie 2030

Beim Strategieprojekt „Charité 2030“ scheint gerade richtig was los zu sein: es kommt eine Intranetmeldung nach der anderen. Und was wird da so diskutiert? Hier ein paar Aus­züge: „Eine unperfekte Gegenwart braucht einen Blick in die Zukunft“ – klingt ein bisschen wie im Mittelalter – unterm König wirst du ausgebeutet, aber dafür is et im Himmel besser. „Die Strategie muss zum Menschen kommen“ – wäre erstmal gut, wenn die Strategie unsere Streikforderung aufnimmt. „Die Strategie-Umsetzung als Staffel der Fern­sehserie“ – da könnten sie auch unsere Streiks aufnehmen – wäre spannender. Und zum Schluss: „Typisch Charité – was ist das?“ – Überstunden, Burn-Out, Personalmangel, keine Pausen – aber zumindest jute Kolleg:innen.

TVöD doch wieder im Trend?

TVöD scheint langsam wieder „in“ zu sein – die Beschäf­tigten der Service GmbH des Klinikums Nürnberg haben es geschafft, nach monatelangen Protesten endlich den TVöD zu erkämpfen. Zwar erst ab 2024 und bis dahin mit schritt­weiser Anpassung, aber immerhin!

Personalmangel nicht nur in Deutschland

Um die 700 Kolleg:innen des St. Vincent Krankenhaus (Massachusetts, USA), ein Teil des milliardenschweren Konzerns Tenet Healthcare, streiken seit dem 8. März für eine bessere Personalbesetzung. Dabei schreckt der Kon­zern vor nichts zurück: Streikbrecher:innen werden ange­heuert (mit Stundenlöhnen von bis zu 110 $), es gibt einen massiven Polizeieinsatz (30 000-40 000 $ pro Tag) zum Schutz von Streikbrecher:innen sowie für die Nieder­klüppelung von Streikposten und eine schmutzige Kam­pagne der Konzernleitung gegen die Streikenden. Und wir sehen, ob nun in den USA oder hier, Profite gehen über die Gesundheit der Menschen – und nur wir selbst können es ändern.

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