Wir gedenken Malcolm X zu seinem 100. Geburtstag

[english below] Im Jahr 2025 in den USA werden wir Zeugen einer zunehmend brutalen und offenen Repression. Man könnte meinen mit der rassistischen und brutalen Sprache rechter Politiker:innen und Medien, Verhaftungen von Studierenden und Drohung mit Abschiebung, Sammelabschiebungen von Migrant:innen ohne Papiere, würden den Vereinigten Staaten etwas Neues, nie da Gewesenes widerfahren.

Doch Leben und Tod von Malcolm X erinnern uns, das der US-Staat schon immer auf eine hetzerische Propaganda, Repression und Gewalt gesetzt hat, um Widerstand zum Schweigen zu bringen. Er und viele andere schwarze Freiheitskämpfer:innen wurden direkt oder indirekt von der Regierung getötet, weil sie aufgestanden sind gegen den Staat und versucht haben den Widerstand zu organisieren. Sein Tod 1965 erinnert uns daran, dass das, was wir heute in den USA erleben nichts komplett Neues ist, sondern eine neue Welle der repressiven Gewalt, die es seit der Gründung dieser Nation gibt.

An diesem 19. Mai, seinem 100. Geburtstag, gedenken wir Malcolm X und den Lehren die uns sein kurzes Leben gab.

Malcolm wurde 1925 in Nebraska geboren. Als er noch sehr jung war, wurde sein Vater wegen seiner radikalen Reden für die Befreiung von White Supremacy Rassisten ermordet. Seine Mutter musste acht Kinder großziehen und unterstützen. Diese Erfahrung prägte Malcolm sehr, da er in seiner Kindheit doppeltes Elend erfuhr – schwarz und arm sein in den USA. Als er aufwuchs, kämpfte er zwischen der Anpassung an die Erwartungen des Systems durch gute Schulnoten und als Klassensprecher gewählt werden und sich der Anpassung verweigern und der Rolle entsprechen, die für ihn vorgesehen war.
In seiner Autobiografie schreibt er: „Ich hatte früh im Leben gelernt, dass man besser Lärm machen sollte, wenn man etwas will.“

Als Teenager konfrontierte er seine Lehrkraft, die behauptete: „Schwarze können keine Anwälte werden“. Er gab die Hoffnung auf, in ein rassistisches System zu passen, das ihm keine Möglichkeiten bieten konnte. Er brach die Schule ab und zog nach New York City, wo er als „Detroit Red“ (deutsch: „Der Rote aus Detroit“) bekannt wurde. Er fühlte sich tief verbunden mit dem alltäglichen Leben der schwarzen Gemeinschaften in der Bronx und Boston und er übernahm den Lebensstil, den er um sich sah. Seine Erfahrungen gepaart mit seiner rebellischen Art, brachten ihn zur Prostitution und Klein-Kriminalität, die schließlich zu einer Haftstrafe führten.

Seine Jahre im Knast waren verwandelnd. Er konvertierte zu der von Elijah Muhammad gepredigten Version des Islam und begann leidenschaftlich zu lesen und die Gesellschaft um ihn und den Rassismus, den er selbst erlebte grundlegend in Frage zu stellen. Die Worte von Elijah Muhammad und seine Nation of Islam* sprachen tief zu Malcolms Erfahrungen in einer rassistischen Gesellschaft. Als er das Gefängnis verließ, wurde er offiziell Mitglied der Nation of Islam und zog durch das Land, um Reden über schwarze Selbstbestimmung und Militanz zu halten. Doch er begann größere Veränderungen zu verlangen und wurde immer offener in seiner Radikalität, die schließlich zum Bruch mit der Nation of Islam führte.

Malcolm sprach über das, was viele Schwarze in den städtischen Gebieten der Vereinigten Staaten fühlten. Sie waren müde von dem Rassismus, der ihr Leben tagein, tagaus bestimmte. Und sie waren müde von Kompromissen. Sein Wandel der Ideen ging zeitgleich voran mit anderen Aktivist:innen der Bürger:innenrechtsbewegung, die Gewaltfreiheit nicht mehr unter allen Umständen als zielführend betrachteten. Wie der Historiker und Aktivist Howard Zinn schrieb, scheute Malcolm X sich nicht die Regierung zu beschuldigen zu versuchen die Bewegung zu kooptieren, insbesondere nach dem Marsch auf Washington, wo die radikalsten Reden gestrichen wurden.

Malcolm fand klare Worte für die Unterdrückung armer schwarzer Menschen und dafür, dass sie sich unter allen Umständen gegen die Ausbeutung verteidigen müssen. Mit der Zeit erkannte er, dass der Kampf für schwarze Befreiung international sein musste. Noch später in seinem Leben entdeckte er die Verbindung zwischen Kapitalismus und der globalen Unterdrückung schwarzer Menschen. Seine Entschlossenheit und Unwillen zu Kompromissen bis der Rassismus vollständig verschwunden war, inspirierte jene, die genauso die Schnauze voll hatten von diesem System.

Heute ist Malcolms Kampf weiterhin relevant, denn der Kapitalismus hängt immer noch von Rassismus und der Spaltung zwischen schwarzen und weißen Arbeiter:innen ab. Die Relevanz seiner Worte für Heute wird in seinen späten Reden deutlich:

„Ich glaube, dass es letztlich zu einem Zusammenstoß zwischen den Unterdrückten und denen, die sie unterdrücken, kommen wird. Ich glaube, dass es zu einem Zusammenstoß zwischen denen kommen wird, die Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit für alle wollen, und denen, die die Systeme der Ausbeutung aufrecht erhalten wollen. Ich glaube, dass es diese Art von Zusammenstoß geben wird, aber ich glaube nicht, dass er auf der Hautfarbe basieren wird, wie Elijah Muhammad es gelehrt hatte … Es ist falsch, die Revolte der Schwarzen einfach als einen Rassenkonflikt von Schwarz gegen Weiß oder als ein rein amerikanisches Problem zu klassifizieren. Vielmehr erleben wir heute eine weltweite Rebellion der Unterdrückten gegen die Unterdrücker, der Ausgebeuteten gegen die Ausbeuter.“ (Dezember, 1964)

„Es ist unmöglich, dass der Kapitalismus überlebt, vor allem, weil das kapitalistische System Blut braucht, um zu saugen … es ist eher wie ein Geier und kann nur das Blut der Hilflosen saugen. Wenn sich die Nationen der Welt befreien, hat der Kapitalismus immer weniger Opfer, immer weniger zu saugen, und er wird schwächer und schwächer… Zeigen Sie mir einen Kapitalisten, ich zeige Ihnen einen Blutsauger… Meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis er völlig zusammenbricht.“ (Dezember, 1964)

„Die meisten Länder, die Kolonialmächte waren, waren kapitalistische Länder, und das letzte Bollwerk des Kapitalismus ist heute Amerika, und es ist für einen Weißen heute unmöglich, an den Kapitalismus und nicht an den Rassismus zu glauben. Man kann keinen Kapitalismus ohne Rassismus haben. Und wenn man eine Person findet, die keinen Rassismus hat, und man kommt zufällig mit dieser Person ins Gespräch, und sie hat eine Philosophie, bei der man sich sicher sein kann, dass sie diesen Rassismus nicht in ihrer Weltanschauung hat, dann sind sie normalerweise Sozialisten oder ihre politische Philosophie ist der Sozialismus.“ (Januar, 1965)

Malcolm X hat den Kampf gegen den Rassismus nie aufgegeben und hat dennoch anerkannt, dass er sich nicht auflösen lassen wird, solange das kapitalistische System herrscht. Zu seinem 100. Geburtstag feiern wir sein Leben.

*auch „Black Muslims“ genannt

[Dieser Artikel erschien am 18. Mai 2025 auf der webiste der us-amerikanischen sozialistischen Gruppe „Speak Out Now“: We Remember Malcolm X on His 100th Birthday]

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