
Am 8. Mai streikten zum dritten Mal Zehntausende von Schüler:innen gegen die Wehrpflicht – in ca. 138 Städten. Die Bewegung organisiert sich weiter und ruft zu einer Aktionswoche gegen den Veteranentag am 15. 6. auf, steht aber auch vor der Herausforderung nicht zu schrumpfen, nachdem das „Wehrdienst-Modernisierungs-Gesetz“ ja schon am 5. 12. 2025 verabschiedet wurde. In Städten wie Düsseldorf oder Berlin waren es weniger Streikende als zuvor, manche Städte erreichten hingegen einen Höhepunkt, wie Hamburg mit 6.000 Schüler:innen. Wie weiter also mit dem Schulstreik ?
Die Situation ist von Schule zu Schule unterschiedlich, je nach Stimmung vor Ort, der Existenz oder Aktivität eines Streikkomitees oder wie repressiv Schulleitung und Lehrpersonal auf Organisierungsversuche reagieren. Doch auch für Schulen, an denen sich wenig bewegt, ist es wichtig, das Demos stattfinden, damit vereinzelte Schüler:innen sich anschließen können. Anders als Fridays for Future ist der Schulstreik eine Bewegung, die direkt gegen den Strom schwimmt, nämlich gegen die Ankündigung von Pistorius, die schlagkräftigste Armee Europas aufzubauen. Die Bewegung braucht einen langen Atem und sollte sich nicht einschüchtern lassen.
Rund um den 8. Mai haben sich bürgerliche Medien, von BILD bis zu den Öffentlich Rechtlichen, eifrig darum bemüht, den Schulstreik als linksradikal unterwandert darzustellen. Dass sozialistische Organisationen wie die SDAJ an der Mobilisierung beteiligt sind, war längst kein Geheimnis, doch geht es um den Versuch, Aktivist:innen zu brandmarken und von Mitschüler:innen zu isolieren. Diese dreckigen Methoden akzeptieren wir nicht, ob linksradikal oder nicht, nur alle gemeinsam können wir den Militarismus zurückschlagen!
Diese Angriffe dürfen nicht dazu führen, sich auf pazifistische Stellungnahmen zu beschränken. Wir dürfen uns nicht scheuen, auch antikapitalistische und palästinasolidarische Forderungen aufzustellen. Diese Debatten fanden und finden im Rahmen der Bewegung statt, sowohl lokal als auch bei der 2. Schulstreikkonferenz in Göttingen oder in einer öffentlichen Diskussion beim Stop Nakba Now Camp in Hamburg.
Ein wichtiger Punkt besteht weiterhin darin, den Streik nicht nur in den Schulen zu organisieren sondern auszuweiten. Es gab oft Jugendbewegungen, die isoliert blieben. Doch es gibt Gegenbeispiele wie die Studierendenbewegung im Mai 1968 in Frankreich, wo die Studiproteste zu einem Generalstreik führten, weil deren Forderungen und Wut ein offenes Ohr bei den Arbeiter:innen fanden.
Apropos Studis, der 8. Mai war an vielen Unis der erste Versuch einen Unistreik gegen Wehrpflicht zu organisieren und sich bundesweit zu vernetzen. Leider hatte dies keinen großen Erfolg. Viele Gründe können dies erklären, aber es zeigt auch die Notwendigkeit, die Forderungen an einen Studikontext anzupassen, z. B. gegen Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie und gegen die Kürzungen. Aufgeben kann man angesichts der Militarisierung nicht. Damit eine Bewegung entstehen kann, braucht es eine langfristige Mobilisierung und Möglichkeiten, sich in offenen Treffen oder einem Streikkomitee zu organisieren. Umso mehr, da die neuen Studierenden in kommenden Semestern direkt von der Wehrplicht betroffen sind.
Solche Versuche gibt es nicht nur bei der Jugend, sondern auch bei „Erwachsenen“ wie Eltern gegen Wehrpflicht oder bei Beschäftigten wie der Initiative Sozialarbeiter:innen gegen Krieg. Denn Wehrpflicht und Aufrüstung hängen mit den riesigen Kürzungen bei Sozialem und Gesundheit zusammen, die die gesamte Arbeiter:innenklasse bedrohen. Diese Initiativen organisieren Aktionen gegen die Bundeswehr an Schulen und auf Jobmessen, aber auch gemeinsame Veranstaltungen mit Streikenden im Gesundheitswesen. Trotz all der Schwierigkeiten müssen wir jeden Anlass nutzen, um den Kampf gegen Militarisierung auf die Straße, in Unis, Schulen und Betriebe zu tragen, sei es bei der Aktionswoche gegen den Veteranentag, gegen Rheinmetall in Berlin oder gegen Militärübungen in Hamburg.
Eva Ruth, Hamburg
Weitere Artikel zum Thema:
https://www.sozialismus.click/wie-weiter-mit-dem-schulstreik-gegen-wehrpflicht/
https://www.sozialismus.click/schuelerstreik-gegen-die-wehrpflicht/
