Palästina 1936: ein Film von Annemarie Jacir

Vor 90 Jahren begann der „große arabische Aufstand“ (1936-1939), ein Aufstand gegen den Kolonialismus und Zionismus. Dieses Ereignis steht sinnbildlich für einen gemeinsamen Kampf der ganzen palästinensischen Bevölkerung, doch zugleich wurde diese Bewegung durch seine Eliten verraten. Der Film  von  Annemarie Jacir, der seit dem 14. Mai in den deutschen Kinos läuft, bietet ein lebendiges Bild dieser Revolte und seiner Akteur:innen.
 

Der Film spielt vor allem in Jerusalem und dem palästinensischen Dorf Al Basma, das sich mit der Errichtung eines Kibbuz konfrontiert sieht. Seit 1931, mit dem Aufstieg des Faschismus in Europa, wanderten immer mehr Jüd:innen nach Palästina aus. Die Gefahr durch den Faschismus wurde durch zionistische Politiker:innen und die Gewerkschaft Histadrut ausgenutzt, um Fellahin (arme palästinensische Bäuer:innen) zu enteignen und palästinensische Arbeiter:innen in die Arbeitslosigkeit zu verdrängen.

Gegen solche Vorstöße und die damit verbundene Gewalt gab es schon in der Vergangenheit Widerspruch und Revolten, doch 1936 bricht ein Generalstreik aus. Eine Szene im Film zeigt, wie palästinensische Arbeiter:innen im Hafen von Jaffa sowohl gegen schlechte Arbeitsbedingungen und drohende Arbeitslosigkeit kämpfen, als auch, aufgrund der heimlichen Verschiffung von Waffen für zionistische Milizen, sich weigern die Arbeit wieder aufzunehmen.

Am 19. April beginnt dann der Generalstreik, der sich über ganz Palästina erstreckt und für acht Monate anhält. Schnell schlossen sich die palästinensischen Eliten dem Kampf an. Am 27. April gründeten sie mit dem Mufti al-Husseini das Arabische Hohe Komitee, um sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Der Film zeigt den zweischneidigen Charakter dieser Führung, denn nationalistische Landbesitzer und Bürger, wie die Familien Naschaschibi und Husseini, verdienten am Verkauf von Land für zionistische Siedlungen. Die britischen Behörden konnten sich auf dieses Arabische Hohe Komitee stützen, um den Generalstreik für beendet zu erklären, nachdem die Briten ihnen eine königliche Kommission anboten. Doch dieser Verhandlungstisch entpuppte sich als Falle für die palästinensische Sache, indem die einzige Lösung dieser Kommission eine Teilung Palästinas zwischen Jüd:innen und Palästinenser:innen vorsah. Auf dem Land dauerte die Revolte gegen diesen Verrat bis 1939.

Der Film zeigt uns die Rolle des britischen Kolonialismus, der bei der Unterdrückung dieser Bewegung dieselben unmenschlichen Methoden wie in Irland und Indien einsetzte. Die zionistischen Milizen dienten wortwörtlich als Hilfstruppen, ein Teil wurde direkt in Einheiten der britischen Armee eingegliedert, wie etwa die Special Night Squads von Orde Wingate. Israelische Generäle wie Mosche Dajan lernten von den britischen Kolonialist:innen, wie man Krieg gegen die Zivilbevölkerung führt. Über 50.000 Palästinenser:innen wurden durch die Repressionen getötet, und selbst israelische Historiker:innen sehen darin einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Staatsgründung Israels und zur Nakba.

Dieser Film, in den acht Jahre an Arbeit geflossen sind, versteht sich als ein lebendiges Mosaik, indem er die Bewegung aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. Er nutzt viele Archivbilder und ermöglicht den Zuschauer:innen einzutauchen. Der historische Anspruch hindert aber nicht daran, sowohl Empathie als auch Wut zu empfinden – ganz im Gegenteil! Diese historische Episode ist heute immer noch aktuell um zu verstehen, wie sehr imperialistische Kräfte bei Genoziden, Unterdrückung und Kriegen aktive Täter sind.

Eva Ruth, Hamburg

Broschüre zu Israel/Palästina https://www.sozialismus.click/broschuere-palaestina-israel-2/

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