Schon wieder Merkel?

Fragen einer streikenden Krankenschwester

Warum streiken wir nicht gemeinsam mit den Kolleg_innen der CFM? Warum streiken wir nicht zusammen mit den Kolleg_innen von Vivantes? Warum
streiken wir nicht unbefristet? Warum gestalten wir den TV-GS nicht komplett neu? Begonnen haben wir doch mit den immer noch aktuellen Forderungen: 1:5, 1:2 und keine Nacht allein! Warum sich also mit weniger zufrieden
geben?

Endlich wieder Streik!!

Seit Montag wird die Charité wieder von uns bestreikt für einen Tarifvertrag, dessen Inhalt zumindest auch von der Charité in Worten als notwendig angesehen wird. Gleichzeitig verweigerte sie dessen Umsetzung und will
nun unbedingt verhindern, dass nachvollziehbare Regeln ausgehandelt werden, an die sie sich tatsächlich halten muss. Deswegen macht sie uns Streikenden das Leben sehr schwer und verweigert vielen praktisch das
Streikrecht: Hinauszögerung einer Notdienstvereinbarung, Nötigung von Kolleg_innen, dass der Streik angeblich nicht rechtens sei, Deklarierung von geplanten OPs als Not-OPs, usw. Soviel hält sie also von ihrer „kompetenten Pflege, die eine Atmosphäre schaffe, in der sich sowohl die Patienten als auch deren Angehörige aufgenommen und einbezogen fühlen.“ Die Wahrheit
sieht anders aus, sonst müssten wir nicht streiken.

Kompetente Pflege ohne Personal?

Die Charité behauptet, 276 zusätzliche VKs seit 2014 eingestellt zu haben, aber scheinbar handelt es sich um Geheimagenten, denn keiner von uns hat durch diese Kolleg_innen eine Entlastung gespürt. Die Herrschaften
verschweigen nämlich, dass es seit 2014 eine jährliche Leistungssteigerung gab, die Delegation ärztlicher Tätigkeiten komplett umgesetzt worden ist und Leasing beinahe gestoppt wurde. Unsere schlechten Arbeitsbedingungen,
für die die Charité verantwortlich ist, sorgen dafür, dass viele Kolleg_innen häufig krank sind und trotz finanzieller Verluste ihre Arbeitszeit drastisch reduzieren. Das trägt zur Personalnot mit bei.

Kompetentes Management?

Auch und gerade die Centrumsleitungen tragen ihren Teil zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bei. Damit meinen wir nicht nur das ständige aus dem Frei holen, sondern auch Anrufe bei erkrankten Kolleg_
innen, dass sie gar nicht krank sein könnten oder Tipps wie, dass man sich einen Fäkalkollektor kleben könne bei Durchfallerkrankungen. Wer so mit den Kolleg_innen umgeht, darf sich nicht über einen leeren „Pflegepersonalmarkt“ beschweren.

Patientensicherheit?

Die Charité verweigert die Festlegung schichtkonkreter
Besetzungen, weil sie fürchtet, diese nicht einhalten zu
können. Gleichzeitig werden aber die Patientenzahlen
nicht angepasst. Das heißt, Gefährdung von Patientensicherheit
scheint vorprogrammiert. Ein Beispiel dafür
sind vorliegende Untersuchungen, die eindeutig belegen,
dass die Mehrzahl der Mitarbeiter_innen nicht in
der Lage ist, die vorgeschriebene Zeit der Händedesinfektion
einzuhalten. Gleichzeitig wirft man uns aber im
Streik vor, Patientensicherheit zu gefährden.

Akademisch unterbesetzt?

Die Charité bietet als Lösung für den Fachkräftemangel
die fortschreitende Akademisierung der Pflege an. Dabei
rühmt sie sich mit der Kooperation mit der Evangelischen
Fachhochschule oder der privaten AKKON Hochschule,
die Studiengänge anbieten im Gesundheits- und
Pflegemanagement oder als Bachelor-Schwester. Doch
wir wissen ziemlich genau, auch schmutzige Akademikerhände
übertragen fiese Keime.

Interdisziplinarität!

Die Charité hat in den vergangenen Jahren mehr als
genug bewiesen, dass sie uns freiwillig nicht entgegen
kommt. Versprechungen und warme Worte helfen uns
nicht weiter, denn davon gab es genug. Die Unruhe, die
unser Streik in der Charité und weit darüber hinaus verursacht
zeigt, dass wir den Finger in eine Wunde gelegt
haben, die viele Kolleg_innen in anderen Häusern aber
auch tatsächliche oder potentielle Patient_innen
schmerzt. Darum sollten wir in Verantwortung für unsere
Patient_innen, unsere Familien und unsere Gesundheit
nicht locker lassen. Das heißt, wir sollten den Streik
möglichst fortführen, den Druck auf die Gewerkschaften
(egal welchen Namens) erhöhen und alles dafür tun,
dass diese Bewegung sich bundesweit ausweitet. Auch
an der Charité gibt es viele Berufsgruppen, die genauso
ein Recht auf Mindestbesetzung, die genauso schlechte
Arbeitsbedingungen haben und die die Charité genauso
mies behandelt. Genau die benötigen wir in einer Bewegung
für bessere Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern.
Das ist unsere Art von Interdisziplinarität.

Ein Haus, eine Belegschaft, ein Kampf!

Ganz viele dieser Berufsgruppen sind in die CFM ausgegliedert.
Hier ist unser erster Schritt die Verbesserung
der Lohnbedingungen. Der Kampf der Charité und CFM
Beschäftigten hat gleichzeitig begonnen und hat im
Endeffekt den gleichen Adressaten und die gleichen
Probleme. Während CFM und VSG Kolleg_innen sinnvollerweise
gemeinsame Streiktage und Kundgebungen
organisieren, kämpfen wir an CFM und Charité noch getrennt.
Wir dürfen es nicht zulassen, dass der Charité es
weiterhin gelingt uns als getrennte Belegschaften zu
behandeln. Das Modell 100% Tochter ist Augenauswischerei,
solange wir unterschiedliche Tarife haben.

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