IG Metall Tarifrunde 2020: Eine „ganz neue Strategie“

In Deutschland arbeiten vier Millionen Menschen in 24.000 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. Sie bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft mit einem Umsatz von rund 1.183 Milliarden Euro und einem Gewinn von 46,1 Milliarden Euro im Jahr 2018. Weltweit agierende Konzerne wie Siemens, Daimler, BMW oder Volkswagen gehören dazu und sind auf ihrem Gebiet Global Player. Die IG Metall, die größte deutsche Gewerkschaft, versucht sich als Vertreterin der Interessen der Lohnabhängigen zu zeigen.

Die anstehende Tarifrunde

Das normale Prozedere einer Tarifverhandlung ist gewöhnlich folgendermaßen: Die IG Metall stellt Forderungen auf, bei der die Erhöhung des Lohnes an vorderster Stelle steht. Dabei droht sie mit Warnstreiks und gibt sich gewohnt kämpferisch.

Die UnternehmerInnen blocken die ersten Forderungen ab, die IG Metall brüskiert sich darüber, verlangt Verhandlungen und betont ihre Kompromissbereitschaft. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft die Gewerkschaft zu Warnstreiks auf.

Bei den letzten Tarifverhandlungen 2016 waren 800.000 ArbeiterInnen an den Streiks beteiligt, 2018 waren es sogar 1,5 Millionen, also fast jeder dritte Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie.

Nach den Warnstreiks kommt es meist zu mehreren Verhandlungsrunden, die schlussendlich zu einem Kompromiss führen. Oft wird nicht mal die Hälfte der Forderungen erfüllt und ob sich die KollegenInnen davon beruhigen lassen ist fraglich. Aber das Ergebnis ist klein genug, um die Gewinne der Konzerne nicht zu gefährden.

Die IG Metall nutzt dabei nie die Streikbereitschaft der Arbeiter-Innen voll aus, sondern versucht durch kurze Warnstreiks Dampf abzulassen um ihre Mitglieder unter Kontrolle zu halten.

Dieses ganze Prozedere nennen die UnternehmerInnen und die Gewerkschaften dann Sozial-partnerschaft. Im kommenden März läuft der Tarifvertrag aus und diesmal möchte die IG Metall mit einer ganz „neuen“ Strategie ins Feld ziehen.

Die IG Metall ohne jeglichen Druck

Ende Januar ging die IG Metall mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit. Darin hieß es vom Vor-sitzenden Hofmann: „Der Problemdruck in den Betrieben ist groß, jetzt sind zügig Antworten auf die Transformation gefordert. Es stehen Entscheidungen an, ob und wie mit den Belegschaften die Zukunft gestaltet werden kann“.

Dies liest sich eher wie ein Werbeprospekt einer Unternehmens-beratung als die Ansage einer Gewerkschaft. Der Vorschlag der Gewerkschaft ist, ein Moratorium für einen „fairen“ Wandel einzuleiten.

Ziel sei diesmal keine konkreten Lohnforderungen zu stellen, denn die Gewerkschaft habe sehr großes Verständnis für die schwierige Lage der UnternehmerInnen, sondern Arbeitsplätze zu sichern. Überall, betont die IG Metall, sei sie bereit, Zukunftspakete abzuschließen.

Dass diese schlussendlich nicht zur Rettung von Arbeitsplätzen bei-tragen können, beschrieben wir bereits ausführlich in der Januarausgabe der Aurora (nachzulesen auf unserer Webseite). Das alles möchte die IG Metall diesmal komplett ohne Warnstreiks schaffen, denn sie will bereits vor dem Ende der Friedenspflicht zu einem Ergebnis kommen.

Die UnternehmerInnen reagierten auf dieses Angebot zurückhaltend, aber erfreut. Der Verband Gesamtmetall begrüßte es, „dass die IG Metall den Ernst der Lage erkannt hat“ und bot Gespräche an. „Wir sind überzeugt davon, dass der Wandel gelingen wird, wenn wir zusammen weiterdenken“.

Ihre Forderung ist allerdings eine Laufzeit des Tarifvertrages von 5 Jahren! 5 Jahre in denen sich die Belegschaften, mit Hilfe der Gewerkschaft, die Hände binden lassen soll. Dieses „weiter-denken“ könnte schlussendlich dazu führen, dass die Reallöhne sinken und die Jobs nicht sicher sind.

Die Konzerne haben in den letzten Jahren seit der Krise Milliardengewinne gemacht und sie werden auch weiterhin Milliarden Gewinne erwirtschaften. Es ist mehr als genug Geld da.

Deswegen wären folgende Forderungen ohne große Schwierigkeiten zu erfüllen: Die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, die perspektivisch in eine 30 oder weniger Stundenwoche münden sollte. Angleichung des Lohns und der Stundenanzahl von Ost an West. Keine Genehmigung von Überstunden und Sonderschichten mehr. Die IG Metall kennt das Mittel um diese Forderungen durchzusetzen.

Auch bei dieser Tarifrunde drohte sie bereits auf „traditionelle Mittel“ zurückzugreifen, falls die UnternehmerInnen nicht kompromissbereit seien. Allerdings bräuchte es dazu echte Streiks und nicht nur kurze Warnstreiks.

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