„Les Misérables – Die Wütenden“ von Ladj Ly

Hollywood hat die Klassen entdeckt und auf die Liste der Oscarnominierungen 2020 gesetzt: „Parasite“, eine schwarze Satire aus Südkorea, und der „Joker“ haben es unter die Gewinner geschafft. Zu Recht ist auch der Film „Les Misérables“ in Hollywood bemerkt worden.

„Les Misérables“ spielt im Pariser Vorort Montfermeil, der größtenteils von MigrantInnen bewohnt wird, wo die Bevölkerung unter hoher Arbeitslosigkeit leidet, wo die ewig kaputten Fahrstühle in den Hochhäusern für Frust sorgen, aber die BewohnerInnen auch phantasievolle Lösungen finden lässt. Es ist ein Ort, wo Unmengen an Kindern und Jugendlichen sich auf den Straßen die Zeit vertreiben. Montfermeil ist auch die Stadt, in der der Regisseur Ladj Ly aufgewachsen ist. Von der ersten Sekunde an klebt man an diesem Film und er lässt einen nicht nur einmal den Atem anhalten.

Der Film folgt einem Team von drei Bullen: Chris, ein weißer zynischer und rassistischer Polizist. Gwada, selbst ein Schwarzer, ist frustriert. Neu hinzu ins Team kommt Stéphane, der versucht, sich an die Regeln zu halten und dem man seine Korrektheit gegenüber den BewohnerInnen gerne glauben will.

Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sehen die BewohnerInnen in ihnen nichts anderes als die Polizei, die sie gleichermaßen für ihre Willkür, Korruption und Deals mit den Chefs diverser Gangs verachten und fürchten. Die andere verschworene Gemeinschaft ist die der Kinder und Jugendlichen. Ihr Alltag hat wenig schöne Momente und die, die der Film zeigt, enden in einem Fiasko.

Sie leben eingezwängt zwischen Hochhäusern, Drogenbanden, Muslimbrüdern und den Schikanen der Polizei. Als einer der Jugendlichen, Issa, verhaftet werden soll, wird das Polizeiteam von einer Gruppe aufgebrachter Jugendlicher attackiert und Gwada schießt. Die von dem Gummigeschoß herrührenden schlimmen Gesichtsverletzungen des jungen Issa erinnern an die schrecklichen Bilder der Polizeigewalt bei den „Gelbwesten“-Protesten in Frankreich. Ein anderer Jugend-licher hat die Szene zufällig mit einer Drohne gefilmt. Für die Bullen geht es nun darum, die Aufnahmen zu bekommen und alles zu vertuschen.

Die Rache der Kinder und Jugend-lichen gegen das Polizeiteam ist fulminant und brutal. Einerseits ist der „Ausgang“, den der Film andeutet, schrecklich, aber andererseits möchte man ihnen applaudieren. Die Kinder und Jugendlichen haben im Grunde jedes Recht, sich zur Wehr zu setzen.

In der Nähe von Montfermeil entlud sich 2005 die große Wut gegen die Willkür der Polizei und die miserable soziale Situation in einem mehr-tägigen Aufstand, der sich auf mehrere Städte ausbreitete. Der Funke war der Tod zweier Jugendlicher nach einer Verfolgungsjagd der Polizei. Ladj Lys Film „Les Misérables“ ist so realistisch wie ein Dokumentarfilm, und gibt uns eine Erklärung über die Situation vor Ort.

Der Film läuft aktuell im Kino.

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