Filmrezension: Streik

Der Film „Streik“ (Original: En Guerre – Im Krieg) lief erstmals 2018 in französischen Kinos und ist mittlerweile mit deutschsprachigen Untertiteln auf DVD erhältlich. Fast zwei Stunden lang wird darin ein fiktiver Arbeitskampf dargestellt, der eine Werkschließung verhindern soll.

Die Geschäftsführung eines französischen Standorts der deutschen Autozulieferfirma Perrin will dessen Schließung durchsetzen. Dem steht eine Vereinbarung mit den Beschäftigten entgegen, das Werk noch fünf Jahr am Laufen zu halten. Für diese Vereinbarung mussten sich ArbeiterInnen kräftig für ihr Unternehmen aufopfern: Damit das Unternehmen höhere Profite einstreichen konnte, wurde die Arbeitszeit ausgedehnt, ohne die Löhne zu erhöhen. Nun erwirtschaftet das Werk zwar Profite, doch diese wären nicht hoch genug, um international „wettbewerbsfähig“ zu sein. Man will die Produktion in ein Land mit niedrigeren Löhnen verlegen – ein durchaus realistisches Szenario.

Auch die Verhandlungen zwischen den VertreterInnen der Arbeitenden und der Geschäftsführung werden im Film überzeugend dargestellt. Die Arbeitenden können im Konflikt weder auf die Gewerkschaftsführung vertrauen, die viel zu zahm und kompromissbereit ist, noch auf den Staat, der sich so wenig wie die Geschäftsführung um die Arbeitsplätze schert. Denn es gehöre zur Freiheit eines Unternehmens, ein Werk zu schließen, das aus Sicht der Bosse nicht profitabel genug ist.

Die Arbeitenden wissen, dass sie nur auf sich selbst vertrauen können und das kommt auch in der Sprache des Films zum Ausdruck. „Wir sind nicht zusammen“, wird der Geschäftsführung entgegnet, die behauptet, dass alle am Unternehmen beteiligten gleichermaßen unter der schwierigen wirtschaftlichen Lage leiden. Dem Film gehen aber alle Antworten aus, als der deutsche Chef von Perrin klarstellt: „Wer die Realität auf diesem Markt nicht wahrhaben will, der verlangt eigentlich in einer anderen Welt zu leben“.

Statt einer selbstorganisierten ArbeiterInnenklasse bekommen wir Laurent Amédéo präsentiert, den heroischen Streikführer. Er wird zunächst als „einfacher“ Arbeiter dargestellt, dem es nur um seinen Arbeitsplatz gehe. Aber er hat immer das letzte Wort und alles tanzt nach seiner Pfeife. Wenn dem einmal nicht so ist, werden die 1100 Streikenden als Pöbel dargestellt, der zu Gewaltausbrüchen neigt. Doch wie sich die 1100 ArbeiterInnen organisieren und wie sie den Streik aufrechterhalten, erfahren wir nicht. Die Masse bleibt gesichtslos.

Der Streik endet in einer Niederlage. Der Film drückt die Realität aus, dass die ArbeiterInnenklasse momentan über keine Organisationen verfügt, mit denen sich solche schwierigen Kämpfe gewinnen lassen. Die Darstellung der Niederlage lässt aber zu wünschen übrig. Am Ende des Films wird Laurent, auf sich allein gestellt, zum Märtyrer. Über das Schicksal seiner KollegInnen werden wir im Dunkeln gelassen. Sie verfügen im Film über keine Eigeninitiative, durch die sie in die Situation eingreifen könnten. Es bleibt ein sehenswerter Film, dem es besser getan hätte, weniger Scheinwerferlicht auf den Protagonisten zu werfen.

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