Es gibt eine Gehaltserhöhung…

Es gibt eine Gehaltserhöhung…

… aber leider nicht für alle. Der Marburger Bund und die Charité haben sich auf eine Entgelterhöhung von 6,5% bis März 2022 geeinigt. Wir freuen uns für die Kolleg_innen, doch es stellt sich die Frage, warum immer noch Beschäftigte der Charité, allen voran die CFMler, ohne Tarifvertrag und zu Altersarmutslöhnen arbeiten müssen.

Und schon wieder
Es ist schon erstaunlich, wie die Charité es jedes Jahr aufs Neue schafft: schon wieder wurde sie vom Fokus zu „Deutschlands beste Klinik 2020“ gekürt. Und wie jedes Jahr wurde vergessen, die Mitarbeiter_innen zu befragen bezüglich Personalbesetzung, Löhne oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Big Brother is watching you?

Da teilt uns also die Geschäftsführung der CFM voller Entrüstung mit, dass „mutwillige Zerstörer” eine neu installierte „Lokalisierungsinfrastruktur zur Optimierung der logistischen Prozesse“ gefährdet hätten. Wat is dat denn – wer oder was wird hier eigentlich lokalisiert? Und weiss derjenige davon? Oder lokalisiert hier Big Brother einfach so vor sich hin?

Jedermann an jedem Ort –

mehrmals in der Woche Sport! War mal eine sinnvolle und gesundheitsfördernde Losung. Da erinnert sich offenbar die Charité wieder dran – allerdings nicht ganz an jedem Ort, sondern direkt an der Charité. Und die Mittel stammen aus dem Gesundheitsfonds des Tarifvertrages Gesundheits-schutz und Demografie. Mal schauen, was dem Arbeitgeber noch so einfällt – dann brauchen wir den Campus ja gar nicht mehr verlassen, juhu.

Flucht wird nicht geduldet

Manchmal ist es schon komisch. Bei jeder Gelegenheit betont ansonsten die Politik, der Markt werde es schon richten. Nur keine gesetzliche Bevormundung, das Höchste der Gefühle ist eine Selbstverpflichtung der Industrie. Nun haben sie durch Jahrzehnte verfehlter Politik den Beschäftigungskarren in der Pflege so richtig in den Dreck gefahren. Plötzlich sprudeln die Gesetzesideen förmlich, um jeden Ausweg aus miesen Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung zu blockieren. Leiharbeit, private Krankenschwestern – von Spahn und Heepe alles nicht gewollt. Gut, Danke für den Hinweis – müssen wir also gemeinsam dafür kämpfen, die Bedingungen in der Pflege direkt zu verbessern.

Entlastung in Jena

Nun gibt es auch an der Uni-Klinik Jena einen Tarifvertrag Entlastung. Endlich. Keine Nacht allein, eine Verstärkung des Personals im Bereich OP und Anästhesie, aber auch auf den Stationen wurde vertraglich vereinbart. Die dortige Geschäftsführung  rechnet mit 144 zusätzlichen Vollkräften in der Pflege. Jede Pflegekraft, die in 6 Schichten arbeiten musste, in denen die vereinbarte Besetzung nicht erreicht werden konnte, erhält einen freien Ausgleichstag. Zunächst maximal 5 im Jahr. Ein Erfolg! Zumal man auf ein elendes Personalbemessungsinstrument á la PPR verzichtet hat und somit aus den Teams heraus Anpassungen des Personalbestandes eingefordert werde könnten. Und der Haken? Die vereinbarte Zahl an Pflegekolleg_innen soll erst 2022 erreicht werden. Und so lange dürfte es den Kolleg_innen verwehrt werden, die festgelegten Regelungen kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen, ob mit diesen wirklich eine Entlastung erreicht werden kann. Zu den Regelungen der Entlastung für die anderen Berufsgruppen ist derzeit nichts bekannt geworden, die Reinigungskraft muss also wohl weiter im Akkord Thüringer Klos putzen. 

Immer montags?

Der Newsletter Charité gibt uns einen heißen TV-Tipp: „Die Charité auf Leben und Tod“ immer montags im RBB. Und auf Station? Fast täglich!

Charité 2030

Es schauert einem kalt über den Rücken, wenn man diesen Titel des neu eingeleiteten Strategieprozesses im Intranet lesen muss. Allzu sehr erinnert es an die Agenda 2010, die für die irgendwann im Leben auf den Sozialstaat Angewiesenen immer wieder zu Recht als Angriff auf ihre Würde empfunden wurde und wird. Wie bei den damaligen Gesetzespaketen sind auch bei der Charité 2030 die Betroffenen nicht besonders gefragt. In den acht beschriebenen Schritten zur Erstellung der Strategie kommen die ca. 18.000 Beschäftigten des Konzernes nur einmal als Mitwirkende vor. Und zwar im 3. Schritt in Form einer Befragung. Sonst ist immer nur die Rede von Vorständen, Führungskräften, Management. Wir sind also betroffen von der Strategie, dürfen aber nicht mitreden. Vergeblich suchen wir in der Beschreibung des Prozesses auch den Einfluss des Eigentümers und erst recht die Einbeziehung der Berliner Bevölkerung, der Krankenkassen der Patient_innenverbände usw. Schließlich heißt die Charité nicht nur Uni, sondern auch Klinik!

„Wilder“ Streik in Frankreich: Bahner_innen der SNCF gegen das Gesetz der Profite

Am 16. Oktober gab es am Bahnübergang in Saint-Pierre-sur-Vence in den Ardennen einen Unfall mit mehreren Verletzten. Ein Regionalzug krachte in einen Sonder-transport. Ein Drama konnte nur dank der Gelassenheit des Lokführers verhindert werden, der allein an Bord war, ohne Zugbegleiter. Selbst verletzt lief er noch 1.5km, um nachfolgende Züge zu warnen!

Als Antwort darauf legten zwei Tage später Lokführer_innen und Zugbegleiter_innen den Bahnverkehr lahm. In vielen Regionen fuhr am Wochenende nichts mehr, der Streik breitete sich wie ein Virus in Frankreich aus. Die französische Staatsbahn SNCF spricht von einem „wilden“ und illegalen Streik sowie einer „überraschenden Situation“. Die Bahner_innen berufen sich jedoch auf ihr Recht bei mangelnder Sicherheit die Arbeit ablehnen zu dürfen.
Und die Wut der Bahner_innen ist angesichts der Sparmaßnahmen nicht überraschend. Dass immer mehr Züge ohne Zugbegleiter_innen fahren, um Geld zu sparen, bringt sie auf die Palme. Und sie lassen sich von den Drohungen der Geschäftsführung nicht beirren, denn es geht um ihr Leben und das der Passagiere!

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