Ein großer Streik … ein Ergebnis mit Dornen

Ein großer Streik … ein Ergebnis mit Dornen
45 Tage Streik liegen hinter uns. Es war eine lange und harte Auseinandersetzung. Noch immer konnten wir nicht den ganzen TVÖD durchsetzen, aber für viele von uns stellt das Ergebnis eine Lohnverbesserung dar. Die komplette Angleichung an die TVÖD-Entgelttabelle wird bis 2030 erreicht. Den Manteltarifvertrag holen wir uns spätestens dann, denn wir haben es uns und den Chefs bewiesen: wir können uns durchsetzen. Diese Erfahrung wird es uns auch ermöglichen, aufeinander aufzupassen. Damit keine von uns im Nachhinein abgestraft wird. Auf diese Erfahrung greifen wir auch zurück, wenn in zwei Jahren die CFM von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen sollte. Sie will ja kündigen, wenn in der TVÖD-Runde ein Lohnzuwachs von mehr als drei Prozent erreicht wird. Sollte dies eintreten, wissen wir: Gemeinsam sind wir stark und können den Chefs Paroli geben.

Viel gelernt
Aber auch wichtig: es war eine Erfahrung, die uns niemand mehr nehmen kann. Wir haben gelernt, dass eine Streikaussetzung nur den Interessen der Chefs nutzt. Wir gehen in den Streik mit unseren Forderungen und wir sollten bestimmen, wann und wie wir verhandeln. Wir müssen unseren guten Willen nicht beweisen, denn dies tun wir bereits jeden Tag mit unserer Arbeit. Wir haben gelernt, dass es egal ist, welchen Job oder Religion wir haben, aus welchem Land wir kommen, wir sind alle Kolleg:innen, die bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen durchsetzen wollen. Diese Erfahrung wird uns auch in Zukunft helfen, Spaltungsversuchen entgegenzutreten. So manch Eine von uns ist über sich hinausgewachsen, hat Reden auf Demos gehalten, den Politiker:innen eingeheizt, Kolleg:innen zusammengebracht. Das haben wir gelernt. Das lassen wir uns nicht mehr nehmen.

Nichts unterschreiben ohne Beratung
Apropo Erfahrung. Als wir vor vier Jahren einen Tarifvertrag CFM durchgesetzt haben, gab es im Nachhinein Kolleg:innen, die einen neuen Arbeitsvertrag bekommen sollten. Das wäre notwendig gewesen, damit der Tarifvertrag für sie angewendet werden könne, so die Chefs damals. Stimmt es … stimmt es nicht? Da wir uns nicht sicher sein können, welche Finten diesmal von den Chefs ausgelegt werden: Nichts unterschreiben, ohne sich vorher beraten zu haben, z.B. mit dem Betriebsrat der CFM. So viel Zeit muss sein.

Lob fürs Essen?
Man glaubt es kaum. Derzeit gibt es immer wieder Lob der Patient:innen zum Essen, dass sie täglich aus unserer CFM-Küche erhalten. Klar, die Kolleg:innen des Catering geben sich viel Mühe, ein gutes Essen zusammenzustellen. Trotz der sehr geringen Tagessätze für die Verpflegung. Aber es hat wohl auch damit zu tun, dass viele Patient:innen echt die Nase voll hatten vom abgepackten Essen, welches ihnen während unserer Streiks gereicht wurde. Da hat die Charité ihnen auch wirklich einiges zugemutet. Und das nur, um uns den Weg zu einer besseren Bezahlung möglichst steinig zu machen.

Aus 42 werden 40 werden 48
Den Ärzt:innen an der Charité wird gerade ein neues Dienstplanmodell aufgezwungen. Sie sollen im Schicht-system arbeiten. Kürzere Tagesarbeitszeiten? Eher selten, denn für ein Dreischichtsystem wird deutlich mehr ärztliches Personal benötigt. Dieses wird wohl nicht eingestellt. Das heißt wohl zum Einem, in den Diensten behandeln weniger Kolleg:innen die Patient:innen. Doch noch schlimmer, vorgesehen sind oft nur zwei Schichten, also 12-Stunden-Dienste. Also zurück in überwunden geglaubte Zeiten. Wie die täglichen Abläufe an die neuen Dienstzeiten angepasst werden sollen, bleibt bisher für Viele einfach mystisch. Auch mit Gehaltseinbußen ist zu rechnen. Aber vor allem erzürnt es die Kolleg:innen, dass viele gedrängt werden sollen, „freiwillig“ 48 Stunden in der Woche zu arbeiten. 40 Stunden sind im Tarifvertrag der Ärzt:innen festgelegt. Doch mit Zusatzverträgen sollen möglichst Viele ihre Arbeitszeit auf 48 Stunden ausdehnen. Bisher hat nur ein sehr geringer Anteil, einer Arbeitszeitverlängerung zugestimmt. Das soll sich nun ändern. Erkämpft haben die Ärzt:innen eine Arbeitszeitverkürzung von 42 auf 40 Stunden und sollen nun in eine deutlich längere Arbeitszeit gepresst werden. Danke Charité.

Der Mann mit den Masken
Nein, es geht hier nicht um einen neuen Krimi auf netflix, die Überschrift bezieht sich auf den aktuellen Skandal um den vorletzten Gesundheitsminister Jens Spahn. Im Grunde hat der Spahn das getan, was Politiker:innen in diesem Lande so machen, wenn sie an den Fleischtöpfen sitzen (für Grüne auch gern vegan): ein paar Milliarden Steuereuros in den Sand gesetzt und dabei ein paar „gute Freunde“ aus dem eigenen Wahlkreis nicht vergessen. Wichtig sind dabei vor allem zwei Dinge. Zum einen haben Gesundheitspolitiker:innen in diesem Land über Jahrzehnte alle Reserven weggespart – nur um dann bei Ausbruch der Pandemie ein Vielfaches ausgeben zu müssen. Die da versenkten Milliarden stehen in einem seltsamen Verhältnis zu den bis zu 20 Krankenhäusern, die jedes Jahr wegen wesentlich geringerer Beträge in die Insolvenz getrieben werden. Wieder zeigt es sich: Markt und Gesundheitswesen, das passt nicht. Es sei denn, Du bist Aktionär:in bei helios – oder eben Politiker:in …

Was hilft am besten gegen Trauma?

Spoiler – gar keins erst erzeugen! Ehrlich, ich trau mich schon gar keine Mikrowelle mehr einzuschalten, weil ich befürchte, dass mich dann einer zu „Kriegstüchtigkeit“ ermahnt. Und in den Talkrunden wird nur darüber diskutiert, ob die ersten Russenpanzer 2029 oder erst 2030 über die Lichtenberger Brücke brettern, falls die bis dahin halten sollte. Auch im Intranet geht es zunehmend um Themen wie Seelsorge für Kriegstraumatisierte oder zivile Verteidigung. Da waren wir aber echt schon mal weiter. Nach dem zweiten großen Krieg der Deutschen gegen die Russen schrieb Bert Brecht: „Das große Karthago führte drei Kriege … Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.“ Wir haben durch Rüstung nichts zu gewinnen. Es sei denn, Du bist Aktionär:in bei Rheinmetall …

Ooops, vier Milliarden
So viel haben die Erben von Heinz Thiele als Erbschaftssteuer an ein Finanzamt in Bayern überwiesen. Thiele war einer der reichsten Deutschen. Allerdings war das mit der Steuer nicht so geplant. Die Familienstiftung zur „Vermeidung“ der Erbschaftssteuer wurde zu spät gegründet. Pech. Vier Milliarden: Das reicht für zwei Jahre Deutschlandticket oder die Kindergrundsicherung.

Ob Sonne oder Regen: wir sind dagegen! Wir wünschen allen einen schönen Sommer – wir sind ab September wieder da!

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