„Die Nazis, die Arbeit und das Geld“

 Eine aktuelle Arte-Dokumentation untersucht die wirtschaftlichen Hintergründe der nationalsozialistischen Kriegsführung und des Holocausts und beleuchtet die Beziehungen zwischen den Industriellen und den Nazis.

Die Dokumentation, die zu großen Teilen auf dem sehr zu empfehlenden Buch „Ökonomie der Zerstörung“ von Adam Tooze beruht, zeigt, wie unter Hitler die gesamte deutsche Wirtschaftsmacht in den Dienst der Kriegsvorbereitung gestellt wurde. Es war nicht der Autobahnbau, sondern es war die Aufrüstung in bis dahin unvorstellbaren Ausmaßen, die in Deutschland die Arbeitslosigkeit überwand und später sogar zu Arbeitskräftemangel führte. Aber auch die Vollbeschäftigung sorgte kaum für bessere Lebensverhältnisse.

Da die Nazis die Gewerkschaften und die gesamte Arbeiter:innen-bewegung zerschlagen hatten, blieben die Löhne auch für „arische“ Arbeiter:innen niedrig – alle Ressourcen des Landes wurden in die immer kapitalintensivere Vorbereitung des Krieges gesteckt. Die Unsummen, die dafür benötigt wurden, organisierte ein Bankier für die Nazis auf Pump. Der siegreiche Krieg sollte diese Schulden begleichen, weshalb das Nazi-Regime die Flucht nach vorn antrat – eine mörderische Politik, die zu grausamer Zerstörung führte.

Der Film zeigt, wie gut das Kapital genau daran verdient hat, an den immensen Staatsaufträgen genau so wie später am massiven Einsatz von Zwangsarbeiter:innen.

Nationalsozialismus und Kapitalismus, Zweckbündnis oder Liebesgeschichte?

Die Doku setzt 1933 mit der sogenannten „Machtergreifung“ der Nazis ein. Es klingt dort so, als ob die Industriellen sich erst mit den Nazis hätten anfreunden müssen. Doch ohne die massive Unterstützung großer Teile der Industrie wären die Nazis 1933 kaum an die Macht gekommen. Leo Trotzki, der vor der tödlichen Gefahr warnte, die den Arbeitenden vom Faschismus drohte, schrieb zur gleichen Zeit: „Der Gedanke, die ganze Macht an Hitler abzutreten, der sich auf die gierigen und entfesselten Banden des Kleinbürgertums stützt, ist für [die Barone, Kapitalmagnaten und Bankiers] durchaus nicht beglückend. Sie bezweifeln natürlich nicht, dass Hitler zu guter Letzt ein gefügiges Werkzeug ihrer Herrschaft sein würde. Doch das wäre verbunden mit Erschütterungen, mit dem Risiko eines langwierigen Bürgerkrieges und großer Unkosten.“ Doch das deutsche Kapital zögerte nicht allzu lange angesichts der Wirtschafts-krise und der Bedrohung durch die gut organisierte Arbeiter:innenbewegung.

Der bürgerliche Theodor Heuss, der nach dem Krieg erster Bundespräsident wurde, warb 1931 in seinem Buch „Hitlers Weg“ für eine flexible Zusammenarbeit von Bürgerlichen und Nazis, um die kommunistische Gefahr zu bannen. Und 1932 hält Hitler nach Thyssens Einladung eine Rede vor 650 Industriellen in Düsseldorf, die mit großem Applaus aufgenommen wird. 1933 war die Entscheidung der Großindustrie für die Abschaffung der Demokratie und einen möglichen neuen Krieg angesichts mangelnder Alternativen reiflich durchdacht.

Die Nazis, die Arbeit und das Geld, F 2020, 90 Min., in der Arte-Mediathek (bis 9. 5.) oder auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=fdloeMNZs7k

Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, München, 2007.

Leo Trotzki: Der einzige Weg (Sept. 1932) https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1932/09/index.htm.

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