Deutsche Bahn: Hinter Reden zur Gesundheit und lautem „Danke“ sollen die Arbeitsbedingungen schlechter werden.

Noch am 24. Februar hatte DB Regio dem Fahrpersonal mitgeteilt, dass das Coronavirus sich in Deutschland kaum flächendeckend ausbreiten werde. Es bestehe zudem „ein extrem geringes bis kein Risiko, sich am Bahnhof, im Zug, auf dem Bus, an Gästen oder Mitarbeitenden anzustecken“. Und: „Händewaschen schützt! Sofern nicht die Möglichkeit besteht die Hände mit Wasser und Seife zu waschen, hilft auch ein Desinfektionsspray […] im Rahmen der persönlichen Schutzausrüstung.“ Aber da fangen die Probleme schon an.

Heute ist klar, dass das Coronavirus sich ausgebreitet hat und nun überschlagen sich Manager der DB mit Dankesworten an die Bahnbeschäftigten und versprechen, dass Gesundheitsschutz an erster Stelle stehe. Die Realität ist eine andere.

Die Führerstände und Züge waren schon vor Corona dreckig und klebrig und bei 4-5 Stunden fahren, kommt man ohnehin nicht zum Hände waschen. Fehlende Pausen und saubere Toiletten sind ein altes Problem.

Was ist mit den Desinfektionsmittel? Nach Wochen voller Versprechungen und ohne Mittel, tauchten schließlich z.B. bei der Berliner S-Bahn kleine Fläschchen in den Postfächern auf. „Aber ist das Zeug auch viruzid oder nicht?“ fragte man sich. Auch wenn inzwischen nochmal neues Zeug aufgetaucht ist, packen sich Fahrpersonale weiterhin lieber ihr eigenes Desinfektionszeug ein.

Und die versprochene zusätzliche Reinigung und Desinfektion der Führerstände an den Endbahnhöfen? Was die Kollegen von der Bahnreinigung bei der S-Bahn da versprühen, sieht aus wie Glasreiniger, riecht wie Glasreiniger und ist… Glasreiniger!

Züge werden oft nachts abgestellt und dort gereinigt. Die Kolleg*innen der Reinigung sind in Sub-Sub-Unternehmen angestellt. Schon vor Corona waren die Bedingungen zum Aufregen: Ohne Schutzkleidung (gerade mal ein paar Handschuhe), immer draußen und zwischen den Leuten, immer im Stress, kaum je die Zeit alles sauber zu machen und dafür kriegen sie den Mindestlohn oder wenig mehr. Jetzt gelten sie als „systemrelevant“. Aber haben sie mehr Zeit für ihre Arbeit bekommen, vernünftigen Schutz, Einweisung in die neuen Reinigungsaufgaben? Kaum zu glauben… Tatsächlich müssten Bahner*innen selbst Kontakt aufnehmen und kontrollieren, ob es stimmt, was Chefs über die Reinigungsabläufe erzählen. Denn Fahrpersonal und Reinigung haben das gleiche Interesse an Hygiene und Sicherheit auf Arbeit.

Und was ist mit Abstand halten? 1,50 m Abstand zu anderen Menschen – da müsste sich einiges bei den Arbeitsabläufen ändern. Aber Regio Nordost hat erst weit im März die Zugbegleiter von den Fahrscheinkontrollen freigestellt. Noch am 23. März bestand der Eisenbahnbetriebsleiter der S-Bahn auf Überwachungsfahrten, und es sollten bis zu drei Kolleg*innen im Führerstand mitfahren dürfen. Kontrolle first, gesundheitliche Bedenken second..

Betriebskritisch“ und deshalb 12-Stunden-Schichten?

Die DB (Regio, Fernverkehr) hatte Mitte März beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt, dass die tägliche schutzrechtliche Arbeitszeit bundesweit auf 12 Stunden täglich verlängert wird: „So lassen sich unter anderem Arbeiten im 2-Schicht-System statt im 3-Schicht-System erbringen.“ Als Begründung schreibt die DB, Bahner*innen würden in „betriebskritischen Berufen“ arbeiten! Was die DB vorhat, ist kriminell. Es gibt zwar bereits jetzt schon 12-Stunden-Schichten für das Fahrpersonal. Aber die müssen bislang mit längeren Bereitschaftszeiten und Pausen geplant werden. Das ist der DB offensichtlich ein Dorn im Auge. Und obwohl diese Schichten schon jetzt viel zu anstrengend und kaum durchzuhalten sind, will die DB noch mehr. Noch dazu sollen die tariflichen Regeln zur Planbarkeit der Schichten verschlechtert werden.

Einige Kolleg*innen haben sich früh geweigert, Ausbildungsfahrten zu machen und Kolleg*innen im Führerstand mitzunehmen. Es gab kritische Briefe, weil der Dienstunterricht mit 20 Leuten im engen Raum weiterlief als wär nichts. Und es gab Kolleg*innen, die zu Beginn der Krise versuchten, z.B. durch Verschließen von Wagen mehr Abstand zu den Fahrgästen zu kriegen. Wieder andere – und das sind viele – melden sich krank… um gesund zu bleiben.

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