Das ist nur ein Anfang!

Siemens plant weltweit tausende Arbeitsstellen zu streichen, davon 1.100 in Deutschland. Die Kolleg*innen sind wütend. Die IGMetall hat vor einer Woche eine Demonstration organisiert und 800 Leute haben eine gute halbe Stunde den Kreisverkehr Jakob-Kaiser-Platz blockiert. Eine echte Solidarität war zu spüren: beim Schaltwerk sollen 410 Arbeitsplätze wegfallen und Kolleg*innen trugen ein Plakat mit dem Hinweis „die könnten wir sein“. Sie denken schon über die Standortlogik hinaus.

Wer ist Siemens, wer nicht?

Die Hochspannungsabteilung des Schaltwerks soll ausgegliedert werden. Den Kolleg*innen passiert gerade dasselbe wie bei Osram: Ausgliederung und Börsengang… als Vorbereitung zum Stellenabbau.

An der Demo haben tatsächlich Kollegen von Ledvance und sogar Kolleg*innen von Infinera teilgenommen. Infinera schließt in einer Woche.

Das Gefühl im selben Boot zu sitzen ist vorhanden. Ob wir heute noch Teil von Siemens sind oder morgen schon ausgegliedert, ob vor einem oder 20 Jahren: die Bosse spalten uns.

Sprengen wir die Mauern!

Die Millionen müssen zurück!

Auf der Abschlusskundgebung sprach der Bürgermeister von Spandau von 600 Millionen € öffentlicher Gelder, die für Siemensstadt 2.0 zu Verfügung gestellt wurden. Und er tat so, als ob er von der heutigen Verhaltensweise von Siemens erschrocken wäre, Siemens sei „unloyal“.

Laut rbb24.de könnte tatsächlich „die öffentliche Hand“ bis zu 1,8 Milliarden für die riesige Baustelle beisteuern: Ausbau des Personennahverkehrs – allen voran mit der reaktivierten Siemensbahn zwischen Gartenfeld und Jungfernheide -, Breitbandanschluss, Straßenausbau, usw.

Die Grünen, die Linke und vor allem die SPD sind in diese Mauschelei mit verwickelt, unter dem Vorwand… neue Arbeitsstellen zu schaffen!

Eintägige Bedenken

Berlien misstraut AMS. Es fehle bei AMS an einer „robusten Unternehmensstrategie“. Also die zig Stellenabbaus und die LEDVANCE-Geschichte, das war die „robuste Unternehmenstrategie“?

Was AMS plant, das alles hat Berlien vorgemacht: die Zerschlagung von Osram hat er selbst angefangen!

Berlien besitzt 1,2 Millionen € an Aktien und weigert sich, die zu verkaufen. Hätte er auch selbst Schiss, seinen Job zu verlieren? Naaa, dann sammeln wir Spenden für ihn, den Armen.

Guter Bulle, böser Bulle?

Die einheimischen Betriebe wie z.B. Siemens oder Osram wälzen gerne ihre Verantwortung von sich ab. Ledvance, das war ein böser Chinese; AMS will die Patente nach Singapur verlegen…

Das Übel kommt aus Fernost?

Falsch: von den Patenten haben wir nie profitiert. Und niemand hätte vor, nach China (oder Malaysia) umzuziehen, wo die Ausbeutung viel schlimmer ist als hierzulande.

Haben wir diesen besonderen Platz verdient?

Die IG Metall hat die Demonstration von letzter Woche organisiert, ohne uns Bescheid zu sagen.„Für gute Arbeitsplätze in Spandau“, aber ohne mit uns auf die Straße zu gehen. Frechheit!

Mit der Übernahme plant AMS ein Gemetzel: Schließung von München soll nur ein Anfang sein. Viele Kollegen wären heute bereit zu streiken. Die Demonstration letzte Woche war zwar kein Streik, aber wir sind 100% vom Problem betroffen!

Um in Zukunft keine Verabredung zu verpassen, sollten wir uns miteinander vernetzen: die IG Metall wird das nicht für uns tun.

Das Mittel zum Zweck

Offiziell lehnt die IG Metall die Osram-Übernahme durch AMS ab. Wer glaubt aber, dass unsere Gewerkschaft im Kampf zwischen den Aktionären die Rolle des Schiedsrichter übernehmen wird?

Unser Betriebsratsvorsitzender schlägt sowieso vor, erstmal Ruhe zu bewahren.

Aber dann, worin besteht die Ablehnung, wenn nichts unternommen wird?

Zwischen Pest und Cholera?

Die Betriebsratsvorsitzende von OSRAM Regensburg erklärt, ihr wäre am liebsten, wenn keiner der beiden Bieter zum Zuge käme, „Dann wären wir Herr im eigenem Haus“.

Die heutige Situation darf uns nicht vergessen lassen, dass Osram nicht auf einen „bösen“ Anbieter gewartet hat, um uns auszuquetschen. Herr im eigenen Haus waren wir nie, und die IG Metall auch nicht.

Was die Abwicklung der Übernahme angeht, sind wir wie die Zuschauer vom Tatort des letzten Sonntag.

Was aber von uns abhängt, ist, die Pläne der Aktionäre zu akzeptieren oder eben nicht. Ohne uns machen sie keine Gewinne. Gut organisiert können wir ihnen Steine in den Weg legen.

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