Darüber sollen wir uns freuen?

Darüber sollen wir uns freuen?

Wir Charité- und CFM-HeldInnen sollen eine Prämie in Höhe von insgesamt 450€ über die nächsten drei Monate bekommen – und das eventuell auch noch steuerfrei! Wie „großzügig“ vom Berliner Senat! Über diesen schlechten Witz kann wirklich kein­­_e KollegIn lachen. Was wir brauchen sind höhere Löhne und mehr Personal – auch nach der Corona-Krise! Und vielleicht sollte der Senat sich erstmal darum kümmern, dass der Mindestvergabelohn von 12,50€ bei der CFM endlich gezahlt wird. Oder noch besser: seine Wertschätzung mit dem TVÖD bekennen.

Schi, Scha, Schutzmaterial

Die Situation rund ums Schutzmaterial scheint sich ein wenig zu entspannen. Doch ob es wirklich besser geworden ist, bleibt die Frage. Das Textilunternehmen, das für unsere Arbeitskleidung zuständig ist, schneidert seit Neustem auch MNS aus… alter Arbeitskleidung (lecker!). Die MNS können mit auswechselbaren Filtern versehen werden, doch ob diese Filter irgendeiner Zertifizierung unterzogen wurden, ist uns nicht bekannt. Nachdem die Versuchskarnickel in der Logistik diese MNS testen „durften“, wurden sie recht schnell wieder eingesammelt… Um nur ein paar Tage später wieder an andere KollegInnen ausgeteilt zu werden.

Twitterfreunde: Trump und Frei

Der Präsident der USA hat wieder weise Worte gesprochen. Nach seinen Vorschlägen, Corona mit Desinfektionsmittel-infusionen zu bekämpfen, macht er nun auch das medizinische Personal für die Katastrophe in New York verantwortlich. Er beschuldigt das Personal indirekt, Schutzkleidung zu klauen. Hm, hatte der ärztliche Direktor Frei nicht auch solche Fantasien und auf einmal gab es Taschenkontrollen? Wir sollten mal nachschauen, ob die beiden sich gegenseitig auf Twitter folgen für diese großartigen Ideen.

Herr Minister, wir werden dir was husten

Mitte April verkündete der Spahn zu Corona, dass das Gesundheitssystem zu keinem Zeitpunkt überlastet war. Nun müsse man zu einer „neuen Normalität“ zurückkommen. Genau das haben wir befürchtet. Zurück zur „Normalität“ der überlasteten Pflegekräfte, ÄrztInnen, Reinigungskräfte usw. Was glaubt der Mann eigentlich? Haben wir für mehr Personal gestreikt, hunderte, ja tausende Überlastungsanzeigen geschrieben, sind psychisch krank geworden, damit er belustigt ist? Den starken Mann markieren kann? Wir werden alles daran setzen, damit es kein Zurück zu den schon vor Corona unhaltbaren Zuständen in Kliniken, Pflegeheimen oder Servicebereichen geben wird.

Will auch Spahn halt nicht so genau wissen

Der Bürgermeister von Bergamo hat es in seiner Not als Warnung gesandt: passt auf euer medizinisches Personal auf. Stand 16.04.2020 waren rund 6400 von uns in Pflege und Medizin mit Corona infiziert. Dabei muss man auch noch von einer sehr, sehr hohen Dunkelziffer ausgehen, da gar nicht zentral erfasst wird, wie viele MitarbeiterInnen der Gesundheitseinrichtungen sich infiziert haben. Dies wohl auch, da Gesundheitsminister und Management der Kliniken etc. wissen, dass ja schon in pandemiefreien Zeiten viel zu wenig von uns vorhanden waren. Wie egal dies ihnen war, wissen wir nur zu gut. Wir waren halt nur ihre Manövriermasse, so dass sie es auch nicht für nötig hielten, ausreichend Schutzmaterial vorzuhalten. Schon mit Beginn der Ausbreitung des Virus gab es keine Masken, Kittel etc. mehr. Kein Zurück zu diesen „Normalverhältnissen“!

Interpretationsspielraum?

Die Gesundheitssenatorin D. Kalayci schrieb am 16.04.2020: „Die Rückführung der Töchter von Charité und Vivantes in die Konzerne sowie die Umsetzung des TVÖD hat der Berliner Senat per Gesellschafterweisung in Gang gesetzt.“ Jaja, blabla, die Rückführung der CFM datiert auf den 1.1.2019 und noch immer kein TVÖD. Doch anstatt dass die zuständige ver.di FB-Leiterin, M. Jäger, sofort nachhakt, beginnt sie zu spekulieren, wie die Kalayci es gemeint haben könnte. Noch mehr Gelaber. Wir lassen keinen Interpretationsspielraum zu: Eingliederung aller Töchter und TVÖD sofort und für alle, nichts weniger steht uns zu und mit weniger geben wir uns nicht zufrieden. Also nicht Spekulieren, sondern Kämpfen.

Westerfellhaus ans Bett

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Westerfellhaus, saß in der Runde beim Videostreaming des Gesundheitsministeriums am 27.04.2020 und gab mal wieder die Parole aus, dass das Berufsbild der Pflege verbessert werden muss. Wie? Durch die Neujustierung der Tätigkeiten in den Kliniken. Das heißt dann, Schwestern zu HilfsärztInnen und schlecht bezahlte PflegehelferInnen in großer Zahl ans Bett. Das ist nicht Aufwertung des Pflegeberufes, sondern dessen Entwertung. Gleichzeitig gefährdet der Herr durch diese Art der Funktionspflege die PatientInnen physisch und psychisch. Das Virus ist schon da, MRSA und Co ebenso. Westerfellhaus ans Bett! Damit er nicht länger solchen Unsinn redet.

Missverständnisse?

Aus verschiedenen Krankenhäusern – z.B. aus Augsburg und aus Essen – gab es in den Wochen der Corona-Pandemie immer wieder Berichte, dass von Verantwortlichen versucht wurde, KritikerInnen zum Schweigen zu bringen. Gegen KollegInnen, die auf Mängel in der Ausrüstung hinwiesen oder auf zu geringe Besetzung mit Überlastungsanzeigen reagierten, wurde mit Versetzung oder mit Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen vorgegangen. Wenn die KollegInnen sich dann wehrten und an die Personalräte oder die Öffentlichkeit gingen – na, da war das „natürlich“ alles nicht so gemeint. Also, noch mal ganz langsam – die empfohlene Maßnahme zur Verlangsamung der Virenausbreitung lautet „Abstand halten“ – und nicht „Maul halten“…

Krisenbewältigung funktioniert nur gemeinsam

Wir machen gerade häufig die Erfahrung, dass die Katastrophensituation missbraucht wird, um innerbetriebliche Kritik auszuhebeln und Beschwerden der Beschäftigten nicht ernst genommen werden und eher mit Repression reagiert wird.“ berichtet ein Vertreter von verdi aus Augsburg. Da braucht es wohl keine Psychologen-Expertise, um zu erkennen, dass ein solches Führungsverhalten eine zusätzliche Katastrophe ist. In einem Gesundheitssystem, das schon ohne Corona seit Jahren kaputtgespart am Limit ums Überleben kämpft, das Wichtigste zu zerstören, was das System überhaupt noch am Laufen hält – die Motivation der MitarbeiterInnen – nee, das ist nicht nur dumm, das ist verbrecherisch. Punkt.

Mensch, Müller

Stolz wie Bolle berichtete unser Regierender Michael, wie prima die Berliner Kliniken bei der Verdopplung der Anzahl der Intensivbetten vorankommen. Schön, schön – nur welches Personal die Betten betreuen wird, hat uns Micha noch nicht verraten. Neulich ist ein Zauberer im Wintergarten aufgetreten – vielleicht hat der ja ne Idee.

Privat vor Katastrophe?

Das musste auch erst mal verarbeiten – mehrere Privatkliniken (so in Rosenheim und Thüringen) haben gleich mal Kurzarbeit für ÄrztInnen und PflegerInnen beantragt – und nehmen also die Gesellschaft für die Personalkosten in Anspruch. Wenn es dann um die Verteilung der Gewinne geht, dann fällt den Damen und Herren „Anteilseignern“ aber sicher rechtzeitig ein, dass die Klinik privat ist, wetten?

Schluss mit BlaBla – das Geld ist da!

Einige von euch haben sicherlich von der Unterschriftenliste mitbekommen – über 4.500 Menschen haben unterschrieben für mehr Schutzmaterial, Eingliederung der outgesourcten Bereiche sowie 500€ pro Monat mehr bis zum Ende der Krise (und warum nicht auch danach?). Berliner PolitikerInnen haben diese Liste online empfangen und natürlich fast alles versprochen. Doch wir sollten uns sicher sein, dass nach all diesen Milliardenpaketen, vor allem für Großkonzerne wie VW, die trotz Kurzarbeit Dividenden an ihre AktionärInnen zahlen wollen, die Kürzungen nach der Krise kommen werden. Aber wir sehen wieder: Wenn die Politik will, ist Geld da. Und anstatt Unternehmen mit Milliarden Gewinnen zu helfen, sollte sie in die wirklich systemrelevante Sektoren investieren wie dem Gesundheitsbereich, doch das werden wir leider wie immer nicht geschenkt bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.