Streik macht Schule

Die Stimmung unter den Berliner Lehrkräften ist am Kochen. Die Belastung im Job ist zu hoch. Anfang Juni streikten die Lehrkräfte wieder für kleinere Klassen; also einen Tarifvertrag, der die maximale Zahl der Schüler:innen pro Klasse festlegen soll. Seit Oktober 2021 waren das nun die Streiktage 12, 13 und 14. Wenn es nach den Streikenden geht, erleben wir im Herbst endlich eine ganze Woche Streik als Aufwärmphase für einen unbefristeten Erzwingungsstreik.

Alle Berliner Regierungen hatten bislang immer eine Ausrede parat, warum sie jede Verhandlung verweigern. Vor allem der Arbeitgeberverband „Tarifgemeinschaft deutscher Länder“ verbietet angeblich eine Berliner Regelung. Und dann das liebe Geld…. Das alles ist Quatsch, aber sie spielen damit auf Zeit und hoffen, dass das ganze irgendwann im Sande verläuft. Die Antwort der zuständigen Gewerkschaft GEW? „Wir brauchen einen langen Atem“. Yoga ist aber auch keine Lösung.

Jeweils zwei Streiktage gab es zuletzt im Februar und März diesen Jahres. Alles Warnstreiks, also ohne Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern. Man muss kein Abi 1,0 haben, um zu verstehen, dass man mit solch lahmer Strategie die Regierung nicht knackt.

Seit einiger Zeit schließen sich kämpferische Lehrkräfte, vor allem aus der jungen GEW kommend, zusammen und propagieren bei jeder Gelegenheit die Notwendigkeit von Erzwingungsstreik und stärkerer Mobilisierung. Wo sie Abstimmungen auf Streikversammlungen organisieren konnten, war die Zustimmung meistens überwältigend für längere Streiks. Der Berliner GEW-Vorstand tat das dann allerdings als zu „emotional“ ab und das sei keine „objektive Stimmungserfassung“ und führte daraufhin eine eigene online-Befragung unter allen Berliner GEW-Mitgliedern durch. Ein klarer Gegenangriff auf die Gewerkschaftsaktivist:innen. Die Umfrage ergab, dass angesichts der nur einzelnen Streiktage viele der Teilnehmenden der Umfrage noch nie gestreikt hatten. Und was dem GEW-Vorstand am Herzen lag: die meisten sprachen sich für einzelne Streiktage aus. Aber wie immer: wie man die Frage stellt, entscheidet, was hinten rauskommt… Während der GEW-Vorstand also weiter auf der Bremse steht, hat sich der Kreis vor allem jüngerer Lehrkräfte fester zusammengeschlossen und organisiert, um die Streikbewegung voranzubringen.

Gewerkschaftsarbeit lohnt sich

Ab 6. Juni gab es das erste Mal 3 Tage Streik. Die Streikbeteiligung war dieses Mal niedriger, aber die Stimmung besser. Bei mehreren Tagen Streik kann sich eine Dynamik entwickeln, Ideen entstehen, Leute finden sich zusammen. Der erste Tag war voller lokaler Aktionen: Streikcafé, Fahrraddemos…

Der 3. Streiktag war geprägt von einer berlinweiten Streikversammlung im Mauerpark mit ca. 1.500 Streikenden. Die Gruppe aktivistischer Lehrkräfte verteilte Flugblätter, um Werbung zu machen für einen Kampagnenplan für den Herbst, der auf einen Erzwingungssteik hinauslaufen soll. Die Flyer gingen weg wie nichts.

Die Vertreter des GEW-Apparates haben zwar zur Versammlung geladen, wollten aber nicht zu viel echte Diskussionen aufkommen zu lassen. Sie haben die Zeit mit Theatereinlagen und Monologen verplant, um zu versuchen, die Streikenden auf einen „langen Kampf“ einzustimmen. Sie haben keinen anderen Vorschlag als…. die nächsten 10 Jahre einmal im Monat zu streiken? Sie haben sogar Politikerinnen der Grünen und der Linken das Wort gegeben, die – nun nicht mehr in der Regierung – viel Verständnis heuchelten, wofür sie ausgebuht wurden.

Die aktivistischen Lehrkräfte hingegen bekamen Applaus für ihre Wortbeiträge, in denen sie erklärten, dass der Druck erhöht werden muss, „indem wir mehr werden und indem wir mehr streiken“. Sie betonten: „wir brauchen einen Kampagnenplan, der unseren Kolleg:innen, die noch nicht streiken, zeigt, dass es machbar ist, dass unsere Forderungen umsetzbar sind“. Sie stellten ihre Vorschläge zur Abstimmung und erhielten mindestens Zweidrittel Zustimmung. Das Fazit der Aktivist:innen über diese 3 Streiktage: wir kochen zwar nicht die (Streik)Suppe, aber wir organisieren schon das Feuer unter der Suppe…

Zum Weiterlesen:

11. Streik der Lehrkräfte in Berlin für kleinere Klassen, März 2023: https://www.sozialismus.click/11-streik-der-lehrkraefte-in-berlin-fuer-kleinere-klassen/

Streik für ein besseres Bildungssystem, März 2023: https://www.sozialismus.click/streik-fuer-ein-besseres-bildungssystem/

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