
In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) kämpft die Bevölkerung nicht nur mit der Ebola-Epidemie: Konzerne liefern sich einen Wettlauf um Rohstoffe und diverse Länder kämpfen um Einflusszonen.
Koloniale Vergangenheit
Im sogenannten „Wettlauf um Afrika“ brachten die europäischen Großmächte innerhalb von nur rund vier Jahrzehnten 90 % Afrikas unter ihre Kontrolle. Das Gebiet der heutigen DRK wurde 1885 zur „Privatkolonie“ des belgischen Königs Leopold II. Durch Sklaverei und Landraub wurde Kautschuk gewonnen und die steigende Nachfrage der europäischen Industrien bedient. Massenhafte unsägliche Gewalt sowie Hungersnöte und eingeschleppte Krankheiten forderten Millionen von Opfern.
1908 trat König Leopold II. „seine“ Kolonie an den belgischen Staat ab (nun „Belgisch-Kongo“). Ausbeutung, Zwangsarbeit und Unfreiheit gingen weiter. Nach der Unabhängigkeit 1960 wurde der neue Premierminister Patrice Lumumba nach nur drei Monaten mit Unterstützung Belgiens und der USA abgesetzt und 1961 ermordet. 1965 kam Mobutu nach einem Militärputsch an die Macht, dessen Diktatur jahrzehntelang von westlichen Staaten unterstützt wurde.

Genozid, Flucht und Waffen
1994 kam es im Nachbarland Ruanda zum Genozid an den Tutsi, dem innerhalb von etwa hundert Tagen mehr als 800.000 Menschen zum Opfer fielen, überwiegend Tutsi und oppositionelle Hutu. Die Vorgeschichte reicht in die Kolonialzeit zurück, während der soziale Unterschiede zwischen Hutu und Tutsi zunehmend ethnisiert und politisch verfestigt wurden.
Hunderttausende Hutu flohen nach Zaire (von 1971 bis 1997 der Name der DRK), darunter neben Zivilist:innen auch Angehörige der ehemaligen Armee und Milizen, die am Genozid beteiligt gewesen waren. Im Osten der DRK entstand ein explosives Gemisch aus Menschen auf der Flucht, bewaffneten Gruppen, Landkonflikten und Interessen von Nachbarstaaten. Seit 1996 gab es im Osten der DRK eine Vielzahl von Kriegen mit unterschiedlichen Konfliktparteien und bewaffneten Gruppen, die eng mit Kämpfen um die Kontrolle von Territorien und Rohstoffen verbunden sind.
Im Osten der DRK ringen auch heute unzählige internationale Konzerne und Akteure um den Zugriff auf die vielfältigen und begehrten Rohstoffe, die für moderne Industrieprodukte (Smartphones, PCs, Elektroautos, Solarmodule…) unverzichtbar sind. Die DRK ist der größte Produzent von Kobalt und verfügt über mehr als die Hälfte der weltweiten Reserven. Ebenso lagern dort die größten Vorkommen an Coltan sowie große Mengen an Diamanten, Kupfer, Gold und weiteren Metallen. China ist heute Abnehmer von circa 60 % aller Exporte aus der DRK. Die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate kämpfen um ihren Einfluss. Ebenso sind verschiedene afrikanische Staaten der Region im Ostkongo aktiv.
Ebola und Imperialismus
Die aktuelle Ebola-Epidemie hat bisher zu knapp 9.000 bestätigten Infektionen und 4.200 bestätigten Todesfällen geführt. Die Ausbrüche finden vor allem im rohstoffreichen und umkämpften Osten des Landes statt, es droht eine Ausbreitung in die Nachbarländer. Gegen die aktuell verbreitete Bundibugyo-Variante gibt es keinen Impfstoff, obwohl diese seit 2007 bekannt ist. Ein riesiges Problem für die Bekämpfung ist die allgemein schlechte Sicherheitslage, Probleme mit der Infrastruktur und Budgetkürzungen bei internationalen Gesundheitsprogrammen.
Laut involvierten Expert:innen von Hilfsorganisationen wird Ebola von der Bevölkerung vor Ort nicht als die primäre Bedrohung wahrgenommen. Denn es fehlt an genügend Nahrung, Schutz vor Überfällen und Kämpfen bewaffneter Gruppen, einer funktionierenden Gesundheitsinfrastruktur, sicheren Verkehrswegen, sozialer Absicherung… Für eine Lösung der prekären Lebensbedingungen sowie der Bedrohung durch Ebola braucht es eine Beendigung des imperialistischen Zugriffs auf die Region, die Zerschlagung der Rohstoffkonzerne und die Herstellung der Kontrolle der Bevölkerung über die immensen Reichtümer des Landes.
Johannes Wolf, Wien
Beitragsbild: https://www.unicef.de/informieren/projekte/afrika-2244/demokratische-republik-kongo-19260/ebola-im-kongo/185922
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