Revolutionär Sozialistische Organisation

Streik bei Halberg Guss: Wenn Wut zu Entschlossenheit wird

Freitag 20. Juli 2018

Halberg Guss ist ein Autozulieferer mit Standorten in Leipzig und Saarbrücken. Produziert werden unter anderem Motoren und Antriebswellen für VW. In der Autobranche brummt es, Investoren und Vorstände stopfen sich die Taschen voll. Aber das hält sie nicht davon ab, untereinander über die Aufteilung des Kuchens zu streiten. Der hinter Halberg Guss stehende Prevent-Konzern und VW liefern sich seit Jahren einen Preiskampf, dessen Zeche jetzt die Arbeitenden zahlen sollen.

Vor ein paar Wochen kündigte das Management von Halberg Guss an, im Werk Saarbrücken 300 von 1.700 Arbeitenden zu kündigen und das Werk in Leipzig mit 700 Leuten ganz zu schließen. Wenn sie gehofft hatten, das mit mickrigen Abfindungen geräuschlos über die Bühne bringen zu können, dann haben sie sich aber ganz schön geschnitten! 98,4 % stimmten für unbefristeten Streik. Die offizielle Streikforderung lautet auf 3,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr als Abfindung. Für die Streikenden ist das eine Kampfansage gegen die Entlassungen und die Werksschließung. Sie sind wild entschlossen, sich nicht so einfach wegsanieren zu lassen. Und das macht dem Management und den Eigentümern von Halberg Guss seitdem zu schaffen.

„Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche“

Dieser Spruch Che Guevaras stand auf dem Haupttransparent, als der Streik vor 5 Wochen losging. Das Management ist nervös und versucht seitdem einiges, die Streikenden zu entmutigen. Weil sie das Werkstor blockiert hatten und VW schon nach kurzer Zeit unter den Folgen des Streiks in Stress geriet, ließ die Werksleitung Polizei aufmarschieren. Unter diesem Druck gaben die Streikenden zwar Tore frei. Aber was sind schon wenige LKWs mit ein paar Teilen, wenn die ganze Produktion steht und mit Aktionen hier und da der Abtransport noch erschwert wird? So beklagte sich der Werksleiter, die Streikenden hätten die Gleisanlage zum Werksgelände mit Fett eingeschmiert. …die Arbeitenden kennen das Werk und die Maschinen doch immer noch am besten!

Kaum ein Tag, an dem das Management nicht eine Drohung raushaut. Aber sein Ziel hat es dennoch nicht erreicht. Auch der Versuch, durch das Arbeitsgericht den Streik verbieten zu lassen, ist gescheitert. Das hat die Streiklaune sogar noch gesteigert.

Durch den Streik hat nicht nur VW sehr schnell Probleme bekommen. Auch Opel und Daimler sind nervös. Der Chef des Motorenbauers Deutz appellierte öffentlich, dem „Wahnsinn ein Ende“ zu setzen und meinte damit, den Streik zu beenden und einen faulen Kompromiss zu schließen. Dem „Wahnsinn ein Ende setzen“, genau das wollen auch die Streikenden. Aber sie meinen den Wahnsinn, dass trotz Megagewinnen Stellen gestrichen werden. Streik ist die richtige Antwort!

In Leipzig und überall im Land: Alle Arbeitenden zusammen!

Die Streikenden haben schon viel Solidarität erlebt. Schulklassen sind vorbei gekommen. Delegationen von Opel-Arbeitenden, Siemens und anderen Betrieben, die von Stellenabbau bedroht sind, waren vor Ort. Als Amazon diese Wochen mit Schnäppchenangeboten lockte, streikten wieder Amazon-Kollegen für bessere Löhne und in Leipzig kamen mehrere bei Halberg Guss vorbei.

Niedrige Löhne, Stellenstreichungen oder ständige Umstrukturierungen, es gibt soviel, was überall im Land wütend macht. Was könnte alles in Bewegung gesetzt werden, wenn Werke und Betrieb sich zusammenschließen würden? Wenn nicht nur Delegationen von Betriebsräten und Gewerkschaftsverantwortlichen Solidarität bekunden und dann in den Alltag zurückkehren, sondern so viele betroffene Kolleg_innen wie möglich sich besuchen und gemeinsam demonstrieren würden? Das würde die ganze Stimmung ändern.

Sowas muss organisiert werden, klar. Dafür braucht es Aktive in den Betrieben. Das bedeutet ganz konkret, im eigenen Betrieb entschlossene Kolleg_innen zusammen­zubringen, beim Nachbarwerk vorbeizugehen, zum Telefonhörer zu greifen oder sich ins Auto zu setzen. Eine Mahnwache mit Kollegen, wütende Gesichter auf Fotos, das setzt Zeichen. Gegen die Kampfansagen der Vorstände braucht es noch stärkere Mittel.

Vor der Entschlossenheit und Solidarität der Arbeitenden fürchten sich die Unternehmensleitungen. Sie reagieren darauf mit Drohungen, schinden Zeit, versuchen uns mürbe zu machen und gegeneinander auszuspielen. Aber damit kommen sie nicht durch, wenn die Verärgerung unter den Arbeitenden umschlägt in organisierte Entschlossenheit. Alle gemeinsam könnten die Arbeitenden die Pläne der Unternehmen kippen.


Was wir wollen

Die Welt, in der wir heute leben, bietet enorme Möglichkeiten: Die bewusste Verwendung von Ressourcen und die Nutzung aller technischen Möglichkeiten sowie des gesamten menschlichen Wissens kann allen Menschen auf unserer Erde ein gutes Leben sichern. Doch Sozialabbau, schlechter werdende Arbeitsbedingungen, Arbeitslosigkeit und Unternehmerwillkür sind Alltag. Hunger, Krieg und Umweltzerstörung werden von vielen Menschen auf der Welt alltäglich erlebt. Ursache dafür ist der Kapitalismus, der ausschließlich im Interesse einiger Weniger funktioniert.

Um den verschiedensten Problemen etwas entgegensetzen zu können, müssen wir kämpfen. Streiks und Massenproteste sind die einzigen Mittel um unsere gemeinsamen Interessen durchzusetzen. Gewerkschaftsführungen und Parteien, wie DIE LINKE oder SPD haben sich diesem notwendigen Kampfprogramm nicht verpflichtet. Transparent Forderungen Auch Probleme wie Rassismus, Frauenunterdrückung und jede andere Art von Diskriminierung müssen wir bekämpfen. Nur die Einheit der verschiedenen unterdrückten Schichten und Gruppen der Arbeiterklasse kann die Mächtigen in ihre Schranken verweisen. Wir müssen uns organisieren und den sozialen Konflikten eine kämpferische Perspektive geben, die keine Grenzen kennt. Zu diesem Zweck müssen wir uns auch international organisieren.

Die Arbeiterklasse muss sich eine unabhängige Partei schaffen, um ihre Interessen politisch durchzusetzen.

Es ist längst überfällig, den Kapitalismus zu beseitigen und eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, in der die Menschen international und friedlich zusammenarbeiten und in der sowohl Produktion als auch Verteilung der Ressourcen unter demokratischer Kontrolle der Arbeitenden dieser Welt stehen. Hierfür ist eine Revolution der ArbeiterInnen aller Länder nötig. Dafür kämpfen wir!


Die Revolutionär Sozialistische Organisation (RSO) ist eine antikapitalistische Gruppe in der Tradition des Trotzkismus. Wir sind für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei in Deutschland und der IV. Internationale in der Welt.

Unter uns sind Aktivist_innen, die seit vielen Jahren in der Sozialistischen Arbeiterstimme (SAS) und der RSO aktiv sind. Beide Gruppen haben dieselben politischen Grundlagen und teilen dieselben Ziele. Nachdem wir auch unsere Aktivitäten mehr und mehr gemeinsam organisiert haben, gab es keinen Grund, als zwei getrennte Gruppen weiter zu existieren. Deshalb haben wir entschieden, künftig als eine Gruppe unter dem Namen "Revolutionär Sozialistische Organisation" aufzutreten.

Marx
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