Wie geht es eigentlich dem Klima? – Über Greenwashing und Klimagerechtigkeit

Der Klimawandel bleibt die einschneidendste Entwicklung dieses Jahrhunderts. Die steigenden Kohlenstoff-Konzentrationen ziehen einen Rattenschwanz an katastrophalen Entwicklungen auf dem ganzen Planeten mit sich. Um unterhalb der 1,5-Grad-Grenze zu bleiben, dürfen wir bei jetzigem Ausstoß in 7 Jahren und 5 Monaten weltweit kein einziges Gramm Treibhausgas mehr in die Luft blasen. Doch die Emissionen steigen weiterhin jährlich an – leicht abgebremst nur durch die weltumfassende Corona-Krise. Angesichts dieser Situation kommen von den Regierungen viele Worte und Versprechen. Doch dahinter steckt wenig.

Besonders bezeichnend: zur Erreichung ihrer Klimaziele stellt die EU eine neue Taxonomie vor. In ihr werden verschiedene Investitionen ihrer Nachhaltigkeit nach kategorisiert. Das Highlight: Gas und Atomenergie sind jetzt „grün“. Dabei sind beide Technologien zutiefst klima- und umweltschädlich. Anstatt zum Beispiel erneuerbare Energien massiv auszubauen, werden damit lediglich unverbindliche Investitionsempfehlungen ausgesprochen, die nur so vor Greenwashing triefen. Dahinter stehen einerseits Deutschland, wo Erdgas in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, und andererseits Frankreich, das als seine „Klimalösung“ im großen Stil in Atomkraft investiert. Erdgas und der deutsche „Weg“ zur
Klimaneutralität. Die deutsche Regierung sieht im Erdgas eine sogenannte Brückentechnologie, da es vermeintlich klimafreundlicher als andere fossile Brennstoffe ist11 und will die entsprechende Infrastruktur ausbauen. Doch das ist nur ein Versuch, den Status quo möglichst reibungslos aufrecht zu erhalten. Dabei ist die Lösung simpel und unausweichlich: Das Gas muss im Boden bleiben. Insgesamt kritisieren Wissenschaftler:innen die Klimabestrebungen der Ampel-Koalition schon seit Beginn als unzureichend. Anstatt die landeseigenen Emissionen möglichst schnell zu reduzieren, strebt die deutsche Regierung an, Vorreiter in klimafreundlichen Technologien zu werden und sie mithilfe der grünen Außenministerin Baerbock an den Rest der Welt zu verkaufen. Das Ziel sind wieder einmal nur Profite.

Grüne Regierungserfahrung in Österreich

Die österreichischen Grünen sitzen seit zwei Jahren in der Regierung. Ihr Prestigeprojekt ist der Einstieg in die CO2-Bepreisung, durch die für die Konsument:innen die Kosten steigen. Die Unsinnigkeit der Maßnahme zeigt sich aktuell deutlich. Die Preisanstiege bei Energie sind um ein Vielfaches höher als
die Öko-Steuer und auf Zurufen von Gewerkschaften und Verbraucherverbänden schickt die Regierung jetzt allen Menschen einen 150-Euro-Gutschein zur Linderung der Heizkosten. Notwendige Eingriffe zur Umstellung der Wirtschaft, die den CO2-Ausstoß wirklich senken, gibt es nicht. Ebenso ruht sich die grüne Verkehrs- und Klimaministerin auf ihrer Ablehnung des Lobautunnels aus, ohne relevante Schritte
für eine wirkliche Verkehrswende zu setzen.


Der Kampf für Klimagerechtigkeit

Die Regierungsrealitäten zerbrechen einige Illusionen und lassen Klimaaktivist:innen das kapitalistische System als Ganzes infrage stellen. Unter ihnen ist eine Radikalisierung zu spüren. Seit ein paar Wochen gibt es in Berlin zum Beispiel die Klimaschutz-Initiative „Letzte Generation“. Die Aktivist:innen kleben ihre Hände auf Autobahnen und können sie so für ein paar Stunden blockieren – jedoch nur, bis die Polizei ankommt. Solche individuellen Blockadeaktionen zeugen von echter Entschlossenheit, ihr Effekt ist aber begrenzt. Wir können der Klimakrise und denen, die am Status quo verdienen, nicht als Einzelne entgegentreten. Andere soziale Kämpfe müssen mit dem für das Klima verbunden werden. Nur wenn die Forderung der Klimagerechtigkeit von der breiten Bevölkerung angenommen wird, wird die Klimabewegung wachsen können. Der nächste zentrale Demonstrationstermin von Fridays for Future ist der 25. März. Wir sehen uns auf den Straßen!

Von Konstantin Blass (Düsseldorf), Florian Weissel (Wien) und Lorenz Wassier (Berlin)
Referenzen
1 https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/24015-rtkl-fossile-energienwie-klimafreundlich-ist-erdgas-tatsaechlich

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