USA: Gewerkschaftswahlen bei Volkswagen in Tennessee

Eine „Super-Mehrheit“, d.h. weit mehr als die Hälfte der 4.300 Produktions- und Wartungsarbeiter des Volkswagen-Werks in der Nähe von Chattanooga, TN, reichte am Montag, den 18. März, eine Petition beim National Labor Relations Board (NLRB) ein. Die Beschäftigten möchten, dass die NLRB für den 17., 18. und 19. April eine geheime Abstimmung anberaumt, um zu entscheiden, ob die United Auto Workers (UAW) sie bei den Tarifverhandlungen als Gewerkschaft vertreten soll. Die NLRB hält diese Woche eine Anhörung ab, um den Termin für die Abstimmung offiziell festzulegen und über etwaige Einwände des Unternehmens zu entscheiden.

Nach Angaben der UAW gehören fast 120 Beschäftigte dem betrieblichen Gewerkschaftsorganisationskomitee an, das sich aus freiwilligen Organisatoren zusammensetzt, die in allen Schichten in fast allen Teilen des Werks arbeiten. Die UAW-Organisatoren haben sich um die Unterstützung einflussreicher lokaler Organisationen wie Kirchen und Gemeindeorganisationen bemüht. Im Jahr 2019 verfehlte die UAW bei einer ähnlichen Abstimmung nur knapp die Mehrheit. Ein Grund dafür ist, dass die UAW kein solides Organisationskomitee in den Betrieben aufgebaut und sich nicht intensiv um die Unterstützung in den Gemeinden bemüht hat, in denen die Autoarbeiter:innen leben.

Im Lokalfernsehen interviewte Beschäftigte sagen, dass VW wesentlich weniger zahlt als die Beschäftigten in gewerkschaftlich organisierten Werken von Autokonzernen wie Ford und GM, und auch die Sozialleistungen sind nicht so gut. Das Unternehmen schreibt immer wieder Zwangsüberstunden und Samstagsschichten vor. Die Arbeiter:innen sagen, dass die Chefs sie zwingen, einen großen Teil ihrer bezahlten Freizeit während der Werksschließungen für Modellwechsel und Werkserweiterungen zu verwenden. Die Werksleitung nimmt die Sicherheit am Arbeitsplatz nicht ernst. Untragbare Arbeitsbelastungen aufgrund von Personalmangel sind ebenfalls ein Problem, das die Gewerkschaftsaktivist:innen beheben wollen. Die übermäßige Arbeitsbelastung ist Teit davon, wie VW seine großen Gewinne erzielt.

Wenn eine Mehrheit der Beschäftigten für eine Vertretung durch die UAW stimmt, ist das Unternehmen verpflichtet, über diese Themen zu verhandeln. Der Wunsch der Arbeiter:innen die obligatorischen Überstunden zu begrenzen, wird eine enorme Herausforderung darstellen. Die meisten aktuellen UAW-Verträge mit Ford und anderen gewerkschaftlich organisierten Automobilherstellern erlauben es der Unternehmensleitung, wochenlange Zwangsüberstunden anzuordnen. Um ihre zahlreichen Forderungen zu den Arbeitsbedingungen durchzusetzen, müssen die VW-Beschäftigten Wege finden, den Druck sowohl auf die UAW-Führer als auch auf das Unternehmen aufrechtzuerhalten.

Dieser Artikel erschien am 29. März auf der Website der us-amerikanischen Gruppe „Speak out now“: Tennessee Volkswagen Workers Petition for Union Election

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