Syrien: Mobilisierung der Arbeiter:innen und Bevölkerung für Gerechtigkeit und Würde

Seit mehreren Monaten erlebt Syrien eine wachsende Welle von Protesten, die zahlreiche Provinzen und Regionen des Landes erschüttern. Auf den Straßen, an den Arbeitsplätzen und sogar in den Dörfern nimmt die Wut der Bevölkerung vielfältige Formen an, drückt jedoch immer dieselbe Forderung aus: Gerechtigkeit, Würde und das Recht auf ein menschenwürdiges Leben.


Eine verheerende Wirtschaftskrise
Die Wirtschaftskrise trifft die Bevölkerung weiterhin hart. Der Zusammenbruch des syrischen Pfunds und der rasante Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel haben die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Armut gestürzt. Mehr als 90 % der Syrer leben heute unterhalb der Armutsgrenze.
Die Politik der neuen Machthaber hat diese Belastung nicht gemildert, sondern die Offensive einer Bourgeoisie beschleunigt, die mit dem alten Regime verbunden war und nun mit dem neuen.
Massenentlassungen, Lohnstopps und eine Politik der Marginalisierung bestimmter Bevölkerungsschichten nähren ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit und eine Unzufriedenheit, die sich allmählich auf der Straße bemerkbar macht.

Eine Welle von Mobilisierungen

Seit Mitte August kam es in verschiedenen Regionen des Landes zu zahlreichen Mobilisierungen. Demonstrationen in Arbeiter:innenvierteln in Homs und Damaskus gegen Zwangsumsiedlungen, Studi-Demonstrationen in Zweida, Mobilisierungen von Lehrer:innen in Aleppo gegen ungezahlte Löhne. Streik der Hafenarbeiter:innen von Tartus gegen nicht eingelöste Versprechen, gekündigte Kolleg:innen wiedereinzustellen. Mobilisierung von Bäuer:innen in der Provinz Deraa. Kundgebungen von Frauen in der Stadt Chahba gegen die anhaltenden Entführungen von Männern und Frauen, die seit mehreren Monaten inhaftiert sind.
Es handelt sich um vereinzelte Bewegungen mit vielfältigen Forderungen: Kämpfe um Löhne und Arbeitsplätze, aber auch um den Schutz von Wohnraum oder die Freilassung von Gefangenen.
Diese Mobilisierungen sind zwar verstreut und oft lokal begrenzt, spiegeln jedoch die Tiefe der sozialen Wut wider, die alle Bevölkerungsschichten erfasst, von Arbeiter:innen über Studentiederen bis hin zu Bäuer:innen.

Das neue Regime reagiert mit Gewalt

Die neuen Machthaber wenden dieselben Methoden wie das alte Regime an und reagieren auf die Wut der Bevölkerung mit gewaltsamer Unterdrückung.
Die syrischen Sicherheitskräfte haben am Freitag, dem 12. September, bei Demonstrationen in mehreren Städten des Landes mindestens fünfzehn Menschen getötet. Verhaftungen, Folter, Einschüchterungen: Die neuen Machthaber zögern nicht, Gewalt anzuwenden, um den Protest zu brechen. Diese blutige Unterdrückung zeigt die Unfähigkeit des Regimes, auf die Forderungen der Bevölkerung anders als mit Gewalt zu reagieren.

Trotz aller Schwierigkeiten geht die Bewegung weiter und bestätigt die Entschlossenheit des syrischen Volkes, für sein Recht auf ein menschenwürdiges Leben zu kämpfen.
Diese Entschlossenheit muss weiterhin zum Ausdruck kommen und so weit wie möglich getragen werden: bis zum Sturz des al-Shara-Regimes und der Errichtung einer neuen Macht, die von unten kommt und als einzige in der Lage ist, den Arbeiter:innen ein besseres Leben zu bieten.


Um Aktivisten der Syrischen Revolutionären Linken zu zitieren:
„Die wahre Befreiung der syrischen Gesellschaft wird nur durch eine Volksrevolution von unten erreicht werden, angeführt von der Arbeiter:innenklasse und ihren Verbündeten unter den Bäuer:innen und Armen, um einen Staat der Arbeiter und Arbeiterinnen aufzubauen, in dem direkte Demokratie die Grundlage ist und in dem die Arbeiter:innen über ihre gewählten Räte und ihre Nachbarschaftskomitees an ihren Wohnorten an der Entscheidung über ihr Schicksal und an der Verwaltung der Gesellschaft, ihrer Ressourcen und ihres Reichtums beteiligt sind.“

Patrick Combray, 17. September 2025

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