
Nach der von Gräueltaten begleiteten Einnahme der Stadt al-Faschir im Sudan durch eine der beiden Bürgerkriegsparteien zeigen auch westliche Medien wieder mehr Interesse am Bürgerkrieg im Sudan. Der zweieinhalb Jahre andauernde Krieg hat schätzungsweise 150.000 Todesopfer gefordert, über 12 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen und noch mehr sind von der kriegsbedingten Hungerkatastrophe betroffen.
Es ist nicht so, dass „die Weltgemeinschaft“ einfach nur weggeschaut hätte, sondern ausländische Unterstützung befeuert den Krieg.
Ein gebeuteltes Land
Der Sudan blickt seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1956 auf eine instabile Geschichte zurück, die von Putschen und Gewaltherrschaft geprägt ist. Der Grundstein für den heutigen Bürgerkrieg wurde gelegt, nachdem 2019 im Rahmen einer revolutionären Mobilisierung der Bevölkerung die Armee den seit 1989 herrschenden Machthaber Umar al-Baschir absetzte. Schnell wurde die Bevölkerung von der Macht ausgeschlossen und 2021 mit einem konterrevolutionären Putsch die Macht des Militärs gestärkt.1 Doch die Repressionsorgane begannen sich um die Beute zu streiten: Die ehemalige Leibgarde des Diktators al-Baschir, die Rapid Support Forces (RSF), die den Putsch 2021 mit der regulären Armee (SAF) gemeinsam durchgeführt hatte, rebellierte gegen die reguläre Armee (SAF).
Der aktuelle Konflikt
Beide Parteien sind dabei erfahren in Massenmord und humanitären Gräueltaten, was die Einnahme der Stadt Al-Faschir durch die RSF vor wenigen Tagen wieder eindrücklich gezeigt hat. Berichtet wird von Massenerschießungen, Vergewaltigungen und gezielter Aushungerung.
Wie so oft ist dieser Krieg jedoch nicht nur ein Kräftemessen innerhalb der Armee, sondern auch ein Ausdruck imperialer und ökonomischer Interessen. So werden die RSF hauptsächlich von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt, die sich dadurch nicht nur Zugriff auf die reichhaltigen Ölreserven und Goldminen des Landes sichern wollen, sondern auch an der strategischen Lage des Landes als Zugang zu Afrika vom arabischen Raum aus interessiert sind. Die SAF wird hingegen traditionell stark von Ägypten, der Türkei und Saudi-Arabien unterstützt, die kein Interesse an einem Verlust ihres Einflusses haben. Ein Konflikt also, der zwischen autoritären Diktaturen ausgetragen wird, die den Sudan als rohstoffreichen Spielball ihres Kapitals erhalten oder gewinnen wollen. Diese Regionalmächte auf beiden Seiten sind im Übrigen beste Verbündete des westlichen Imperialismus, was auch erklärt, weshalb sich dieser auf keine der beiden Seiten geschlagen und einfach zugeschaut hat.
Revolution als Ausweg?
Verlierer ist dabei einzig und allein die Bevölkerung und ihr Kampf für soziale Gerechtigkeit und Mitbestimmung. Denn die Revolution 2018/19 war vor allem von lokalen Revolutionskomitees, Gewerkschaften und einer starken Frauenbewegung vorangetrieben worden. Ihr Ziel war die Vernichtung der jahrzehntelangen Gewaltherrschaft des Kapitals, die durch Islamismus und Militär die Massen unterdrückte. Eine Bewegung, die für alle Länder in der Region inspirierend war – und nun durch Blut und Krieg erstickt wurde.
Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit, die der Westen seit der brutalen Eroberung al-Faschirs dem Sudan zukommen lässt, ist eine Lösung nicht in Sicht. Zu gering ist das strategische Interesse des globalen Imperialismus an dem Land, zu praktisch der Krieg zum Niederhalten einer brodelnden Revolution. Diese bleibt aber der einzige Ausweg aus der Barbarei, die der Kapitalismus über das Land gebracht hat. Unsere stärkste Waffe gegen den Krieg bleibt die Solidarität mit der sudanesischen Arbeiter:innenklasse und ihrem Kampf für die Revolution!
Jonas Schmidt, Mannheim und Richard Lux, Berlin
Fußnoten
