Schulöffnungen – schlecht maskierte Tatenlosigkeit

Mit Ende der Sommerferien haben die Schulministerien überall in Deutschland die Wiederaufnahme des „Regelbetriebs“ angeordnet. Heißt: bis zu 35 Menschen sitzen auf viel zu engem Raum stundenlang zusammen. Kleinere Lerngruppen hätten – da Lehrkräfte kaum zu Verfügung standen – echte Abstriche an den Lehrplänen bedeutet. Zwar weiß man mittlerweile, dass das Corona-Virus sich über Aerosole in der Luft verbreitet, die in geschlossenen Räumen oft noch nach Stunden infektiös sind, aber als Antwort darauf haben die Bildungsverwaltungen in sechs Wochen Sommerferien die Geheimwaffe des „Lüftens“ erfunden.

Blöd nur, dass in vielen Schulen aus Sicherheitsgründen Fenster gar nicht oder wenn dann nur „auf Kipp“ geöffnet werden können. Blöd nur, dass auch bei offenen Fenstern ein Stoßlüften nach dem Unterricht im schulischen Alltag zumindest der oberen Klassen schwer umzusetzen ist. Studien zeigten, dass in der Hälfte der untersuchten Schulen auch ohne Corona nach 45 Minuten der CO2 -Anteil in den Räumen oft so hoch ist, dass ein Arbeiten nicht vernünftig möglich ist. Vernünftige Lufttauscher sind längst erfunden, ihr Einbau aber für die Bildungsverwaltungen viel zu teuer.

Und größere Räume – dafür müsste man sich trauen, Veranstaltungshallen, Büroflächen oder auch Restaurants als Schulen zu belegen. Wer soll das bezahlen – dann doch lieber lüften – Luft kostet nichts. Und Geld wird ja schon im großen Maße den Technikkonzernen wie Apple oder Microsoft für eine vermeintliche „Digitalisierung“ in den Rachen geworfen.

Als die Infektionszahlen am Ende der Ferien wieder stiegen, beschloss Nordrhein-Westfalen in einer Hauruck-Aktion eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Der Landesregierung wurden bei den möglichen Folgen ihres Regelbetriebs wohl mulmig. Die Maske im Unterricht ist eine echte Belastung, aber solange die Regierung nicht die Lerngruppen verkleinert oder wirklich Geld in die Hand nimmt, nach Ansicht der Gewerkschaften und vieler Schüler*innenvertretungen alternativlos. Lernen mit der Angst, sich oder seine Familie zu infizieren, ist jedenfalls auch nicht besser.

Für Schüler*innen gerade aus der Arbeiter*innenklasse war das Homeschooling im letzten Jahr alles andere als „Corona-Ferien“. Anders als für viele bürgerliche Gymnasiast*innen mit eigenem Zimmer, gutem W-LAN und helfenden Eltern, hieß Homeschooling für sie ohne Hilfe von Eltern oder Lehrkräften in engen und lauten Wohnungen auf dem Smartphone Arbeitsblätter zu lesen und zu bearbeiten.

Nicht wenige haben bald aufgeben, manchen fehlt dieserart fast ein halbes Schuljahr. Kinder waren auch wegen der Schulschließungen in erhöhtem Maße sexueller und körperlicher Gewalt zuhause ausgesetzt. Es gibt als gute Gründe die Schulen zu öffnen. Aber dafür muss man Geld in die Hand nehmen und endlich kleinere Lerngruppen schaffen. Muss man die Ausbeutung der Reinigungskräfte durch Privatfirmen beenden und sie mit vernünftigen Arbeitsbedingungen und vielen Neueinstellungen als Teil der Schulgemeinschaft einstellen. Industriekonzerne müssen verpflichtet werden, zum Selbstkostenpreis Lufttauschgeräte herzustellen und einzubauen.

Das aber werden die bürgerlichen Ministerien ohne Proteste und Druck nicht tun. Stattdessen hat auch NRW nun die Maske im Unterricht wieder abgeschafft, obwohl sich sonst nichts geändert hat. Ein schlecht maskiertes Spiel mit dem Leben von Menschen.

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