
Die „Schülis gegen Rechts“ (SgR) wenden sich gegen die Probleme im kapitalistischen Schulsystem und den Rechtsruck. Ein:e Genossi aus Frankfurt am Main berichtet von den Erfahrungen beim Aufbau der Gruppe.
Den Anfang unserer SgR-Gruppe in Ffm. machte ein kleines Kollektiv mit dem Namen „Schüler*innen gegen Rechtsextremismus“, welches sich letztes Jahr gründete. Das Ziel war dabei vor allem, etwas gegen die Zunahme von rechter Ideologie in den Schulen zu unternehmen. Schnell wurde eine WhatsApp-Gruppe gegründet, die verbunden mit einer Instagram-Kampagne starken Zuwachs erhielt.
Innerhalb kurzer Zeit hatte man dadurch so viele Menschen erreicht, dass im Januar 2025 ein Großplenum stattfinden konnte, an dem Schülis aller Frankfurter Schulen teilnehmen konnten. Schon hier kristallisierten sich allerdings starke Meinungsverschiedenheiten heraus – vor allem, ob man sich gegen „jede Art von Extremismus“ wenden wolle oder spezifisch gegen die Gefahr von Rechts durch die AfD und ihre bürgerlichen Steigbügelhalter. Eine Spaltung folgte, als deren Ergebnis sich die Mehrheit als SgR neu formte, in Verbindung zur gleichnamigen bundesweiten Initiative.
Kurz nach dieser Neugründung fand unser erstes Treffen unter neuem Namen statt, bei dem ca. 40 Leute anwesend waren. Hier wurde über mögliche Aktionsformen und generelle Ziele gesprochen –wie Demos, Schulstreiks, Infoveranstaltungen, Diskussionen und Bannerdrops. Bis heute treffen wir uns und planen unsere Aktionen in solchen wöchentlichen Plenen – auch wenn die Teilnehmer:innenzahl sich inzwischen auf 7-15 Schülis eingependelt hat.
Eine wichtige Frage für die Gruppe blieb jedoch die grundsätzliche politische Ausrichtung. Da SgR sich als eine breitgefächerte Orga sieht, welche als Repräsentantin eines breiten Spektrums der Schüler:innenschaft fungiert, war es sehr schwer, konkrete Positionen zu formulieren, z. B. in Bezug auf den Genozid in Gaza. Bis heute sieht sich die Gruppe nicht als klar sozialistisch o. ä., sondern nur als antikapitalistisch.
Was unsere Aktionen angeht, war der größte Erfolg wohl der Frankfurter Schulstreik am 7. 3. 2025. Es streikten etwa 300 Schüler:innen, was auch an den Medien nicht vorbei ging, die teilweise stark gegen uns schossen. Trotzdem konnte über den Streik die Reichweite von Schülis gegen Rechts vergrößert werden. Abgesehen davon mobilisierten wir zu verschiedensten Demos – einige in Kooperation mit weiteren Organisationen wie z. B. Fridays for Future.
Wir beteiligen uns auch am überregionalen Aufbau: Mitte September 2025 fand ein bundesweiter Kongress in Dresden statt, der zur Vernetzung der einzelnen Ortsgruppen diente. Dieser war, auch wenn von berüchtigten Nazis aufgesucht, ein voller Erfolg. Es gab Skillshares und Workshops zu Inhalten wie Pressegesprächen, Vernetzen, Orgaaufbau, Demotrainings, Rechte im Osten Deutschlands usw. Anwesend waren ca. 50 Schüler:innen aus ganz Deutschland. Wirkliche Beschlüsse waren jedoch leider nicht möglich, da nur ein Teil der Ortsgruppen anwesend war.
Nun liegt unser Fokus auf einer bundesweiten Demo zum Internationalen Tag der Bildung (24. Januar), welche von Schülis gegen Rechts in Kooperation mit der GEW geplant wird, sowie einer Podiumsdiskussion zum Thema AfD an Schulen. Ebenfalls wird zur Demo gegen die Neugründung der AfD-Jugend mobilisiert. Solche Kooperationen mit anderen Organisationen und Gewerkschaften sind, wie wir denken, wichtig für die Ausweitung der Bewegung.
Das große Ziel von SgR bleibt dabei ganz klar, junge Menschen politisch zu aktivieren und ihnen erste Möglichkeiten zur Organisierung zu bieten.
Auch wenn ich es als richtig erachte, dass das Bündnis keine strikte politische Ausrichtung hat, ist es dabei vor allem unsere Aufgabe als Kollektiv, inhaltlich tiefer zu gehen und die Zusammenhänge zwischen Bildungskrise, Rechtsruck und Kapitalismus zu vermitteln – für alle zugänglich, mit niedrigschwelligen Workshops und Bildungsangeboten. Denn nur so können wir den Rechtsruck nachhaltig stoppen.
Lou, Schüler:in aus Frankfurt a. M.
